Mörderland – La Isla Mínima
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Mörderland – La Isla Mínima

Inhalt / Kritik

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„Mörderland – La Isla Mínima“ // Deutschland-Start:27. Oktober 2016 (DVD/Blu-ray)

Zwei verschwundene Mädchen suchen, das ist keine besonders dankbare Aufgabe, vor allem wenn sie mitten im Nirgendwo stattfindet. Ein kleiner Ort in der Provinz Spaniens, ohne Perspektive, hier sollen die beiden aus Madrid versetzten Polizisten Pedro (Raúl Arévalo) und Juan (Javier Gutiérrez) Antworten finden. Aber das ist gar nicht so leicht, wenn den beiden Großstadtmenschen Misstrauen, gar Abneigung entgegenkommt. Zudem ist das Land 1980 noch tief gespalten zwischen ehemaligen Franco-Anhängern und Linksliberalen – so auch die beiden Ermittler. Erst als sich andeutet, dass die beiden Mädchen Opfer eines Serientäters geworden sein können, nimmt der Fall an Fahrt auf.

Sümpfe jenseits von gut und böse

Die 80er Jahre scheinen für den Regisseur und Co-Autor Alberto Rodriguez eine besonders traumatische Zeit gewesen zu sein. Nachdem er zuletzt in Kings of the City von einer Gruppe korrupter Polizisten erzählte, die Ende der 80er kräftig im Drogengeschäft mitmischten, kehrt er in Mörderland – La Isla Mínima zu dem Anfang des Jahrzehnts zurück. Viel besser sah es damals aber nicht aus, vielmehr sind die Grenzen dort zwischen gut und böse vollends aufgehoben. Passend dazu wählte er einen dreckigbraunen Schauplatz, eine Einöde, die nicht einmal dem Auge etwas Halt geben kann. Und doch sind sie von einer ganz eigenen Schönheit, die vielen kleinen Flüsschen, die den Süden Spaniens in eine Sumpflandschaft verwandeln.

Nur dass hinter dieser Schönheit die Abgründe warten, das Wasser für so manchen zum Grab wird. Aber selbst, wo es nicht gleich mit dem Tod endet, verbirgt die Fassade das eine oder andere Grauen sowie tiefe Wunden. Einige Jahre nach dem Ende der Diktatur wurden viele Verbrechen nicht aufgeklärt oder wirklich verarbeitet, Täter und Opfer von einst mögen auf dem Papier ein gemeinsames Volk bilden, im Herzen sind sie es nicht. Es ist dann auch diese politische Komponente, die den Beitrag der Fantasy Filmfest Nights 2015 zu etwas Besonderem macht. Die Suche nach den Tätern ist gleichzeitig der präzise Blick auf ein gespaltenes, geschundenes Land, das selbst nicht sagen kann, in welche Richtung es noch will. Oder kann.

Spannende Mördersuche

Für echte Sympathieträger ist hier dann kein Platz, das andalusische Niemandsland ist auch in moralischer Hinsicht ein Ausflug in die Sümpfe. Polizei, Beamte, aber auch das einfache Volk – je mehr man über die Menschen erfährt, umso weniger möchte man eigentlich wissen. Am ehesten ist es noch Juan, der zumindest auf ehrliche Weise ans Ziel kommen will, dem wir uns am nächsten fühlen. Aber auch er macht eine Wandlung durch, die wohl nur die wenigsten als positiv empfinden werden. Allenfalls Verständnis bringt man für die Menschen in einer aussichtslosen Lage auf, Menschen, denen nichts geblieben ist, nicht einmal Hoffnung, dass sie an diesem verlassenen Ort noch ihr Glück finden werden.

Mörderland – La Isla Mínima funktioniert aber nicht nur als Zeitporträt und Drama, auch der Krimiteil enttäuscht nicht. An der Stelle versucht Rodriguez jedoch nicht, das Rad neu zu erfinden, was aber auch gar nicht nötig ist. Gemeinsam machen sich die ungleichen Polizisten auf die Suche, finden neue Spuren, diverse davon falsch, erfahren mehr über die Leute, treffen Zeugen und nähern sich trotz ihrer Differenzen an. Das wirkt manchmal wohltuend altmodisch, was gut zu den sepiagetränkten Bildern passt. Und so abscheulich es ist, was sich hier nach und nach offenbart, man will doch wissen, wer dafür verantwortlich ist. Zu einem reinen Whodunnit wird der preisgekrönte spanische Film zwar nicht, aber doch zu einer spannenden Mördersuche, die sich Fans von True Detective oder Memories of Murder nicht entgehen lassen sollten.

Credits

OT: „La Isla mínima“
Land: Spanien
Jahr: 2014
Regie: Alberto Rodriguez
Drehbuch: Alberto Rodríguez, Rafael Cobos
Musik: Julio de la Rosa
Kamera: Álex Catalán
Besetzung: Raúl Arévalo, Javier Gutiérrez

Bilder

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Zwei verschwundene Menschen, eine Provinz ohne Zukunft, dazu eine tief gespaltene Bevölkerung – „Mörderland“ nimmt uns mit ins Spanien der frühen 80er und präsentiert eine spannende Mischung aus klassischem Krimi und Zeitporträt.
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von 10