(„Summer Camp“ directed by Alberto Marini, 2015)

Summer Camp

„Summer Camp“ läuft ab dem 5. Dezember im Rahmen der Fantasy Filmfest Nights

Die Idee, den Sommer in einem andalusischen Ferienlager zu verbringen und sich um Kinder zu kümmern, hatte sich für die drei Amerikaner Christy (Jocelin Donahue), Michelle (Maiara Walsh) und Will (Diego Boneta) eigentlich nach einer Menge Spaß angehört. Der endet jedoch für die drei und ihren einheimischen Kollegen Antonio (Andrés Velencoso), noch bevor die Meute auftaucht. Erst spielt ein vermutlich tollwütiger Hund verrückt, dann ticken die Menschen aus. Niemand weiß, was die Leute zu blutrünstigen Bestien mutieren und wild um sich beißen lässt. Nur eins ist sicher: Sicher ist in dem Camp bald keiner mehr.

Ein Gebäude fernab von jeglicher Zivilisation, das schreit geradezu nach Ärger, nach Blut, Gemetzel und dem Kampf gegen mordlüsterne Invasoren. Dieses Mal sind es wieder Zombies, welche die ehrenvolle Aufgabe erhalten, das Protagonistenensemble schnell und schmerzhaft zu dezimieren. Das ist als Szenario nicht unbedingt neu, funktioniert in der richtigen Hand aber nach wie vor gut. Und eine richtige Hand darf man von Alberto Marini sicher erwarten, der unter anderem [REC] und The Last Days produzierte und die Drehbücher für Sleep Tight und Extinction schrieb. Summer Camp aka. Camp – Tödliche Ferien ist nun sein Regiedebüt, feiert wie die anderen genannten Filme auch seine Deutschlandpremiere auf dem Fantasy Filmfest, genauer dem 2015er Winterableger White Nights.

Im Großen und Ganzen ist dieses Debüt auch geglückt und sollte Freunde von Zombiestreifen einiges an Freude bereiten. Netterweise fackelt der Spanier zum Beispiel nicht lange, er kümmert sich nicht um dramatische Vorgeschichten, aufgesetzte Romanzen oder sonstige Nebenhandlungen. Ein Haus, vier Jugendliche und eine Menge brenzliger Situationen, mehr braucht oder will Marini gar nicht. Damit der zunächst so schnörkellose Film aber nicht ganz so fade wird, hat er sich bei dem Drehbuch – das er selbstredend mitverfasste – einen kleinen Kniff einfallen lassen: In Summer Camp haben Zombies (Vorsicht Spoiler) nur eine begrenzte Unlebensdauer, bevor sie wieder zu sich kommen. Die Protagonisten wissen freilich nichts davon, gehen auch dann aufeinander los, wenn eigentlich keine Gefahr mehr droht. Und selbst sobald sie anfangen, das Ganze zu durchschauen, macht das die jeweilige Situation nicht unbedingt einfacher.

Dass sie so lange brauchen, um auf des Rätsels Lösung zu kommen, ist ausnahmsweise nicht auf den überschaubaren IQ der Helden zurückzuführen, sondern Kalkül: Marini wirft von den Figuren ungesehen mit optischen Hinweisen geradezu um sich, macht auf diese Weise den Zuschauer zum Komplizen. Mitanzusehen, wie die in Not geratenen Betreuer immer wieder falsche Entscheidungen treffen, ist hier daher sogar Teil des Vergnügens. Teilweise ist das auch durchaus mit Humor verbunden, dann jedoch einem schwarzen und eher sparsamen – eine Zombiekomödie im eigentlichen Sinn ist Summer Camp nicht.

Während die amerikanisch-spanische Produktion einige nette Ideen zu bieten hat, darüber hinaus auch ein sehr ansprechendes Setting, ist das mit der Spannung nicht ganz so geglückt. Das liegt zum einen am besagten Zombie-wechsle-dich-Spiel. Durch die ständige Durchmischung von Pro- und Antagonisten baut man kaum je eine Verbindung zu den Leuten auf, dass sie kaum Persönlichkeit beweisen, tut ihr übriges. Aber auch die Jump Scares hätten deutlich variantenreicher und vor allem überraschender sein dürfen. Eine Szene recht früh ist großartig, da sie mit den Erwartungen der Genreerfahrenen spielt, danach gibt es jedoch recht beliebige Standardsituationen, die sich immer rechtzeitig ankündigen. Der ganz große Wurf ist Marinis erster Ausflug auf den Regiestuhl also eher nicht geworden, im Zombiesubgenre gehört Summer Camp jedoch zu den besseren Vertretern der letzten Zeit. Wer neugierig geworden ist, sollte deshalb einmal bei den Fantasy Filmfest White Nights vorbeischauen, ein regulärer DVD- oder gar Kinostart ist in Deutschland bislang nicht vorgesehen.

Camp – Tödliche Ferien
3.85 (76.92%) 13 Artikel bewerten

Camp – Tödliche Ferien
Der spanische Horror- und Thrillerspezialist Alberto Marini ringt in „Summer Camp“ durch einige nette Ideen dem Zombiefilm tatsächlich neue Seiten ab. Das ist jedoch eher unterhaltsam als spannend, dafür sind die Jump Scares häufig dann doch zu beliebig und vorhersehbar.
6von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.