(„Night Fare“ directed by Julien Seri, 2015)

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„Night Fare – Bezahl mit deinem Leben“ ist seit 10. November auf DVD und Blu-ray erhältlich

Irgendwie hatte sich das Chris (Jonathan Howard) ein wenig anders vorgestellt. Als er nach einer längeren Pause nach Paris zurückkehrt, muss er feststellen, dass seine Freundin Ludivine (Fanny Valette) einen neuen hat. Schlimmer noch, ausgerechnet mit seinem Kumpel Luc (Jonathan Demurger) hat sie sich die Zeit versüßt. Aber was eine echte Freundschaft ist, die wirft sowas nicht aus der Bahn. Und so ziehen die zwei bald um die Häuser, lassen das Pariser Nachtleben sämtliche Sorgen vergessen. Zumindest bis zu jenem Moment, als sie zu einem Unbekannten (Jess Liaudin) ins Taxi steigen und ihn um sein Geld prellen. Da versteht der Fahrer nämlich keinen Spaß, macht sich bald auf die Jagd auf die beiden Zahlungsverweigerer und geht dafür auch über Leichen – wortwörtlich.

Sie sind zuletzt auf dem Fantasy Filmfest ja fast schon zur Tradition geworden: kleine, gemeine Thriller aus Frankreich. Dieses Mal stürzte sich in The Crew eine Gruppe von Räubern in einen blutigen Bandenkrieg, letztes Jahr gab es den Entführungsalptraum von Wilde Hunde – Rabid Dogs zu sehen. Und auch Night Fare feierte dort 2015 seine deutsche Premiere, bevor der Film nun mehr als ein Jahr später auch noch die hiesigen DVD-regale erreicht. Ganz zu vergleichen ist das Werk von Regisseur und Co-Autor Julien Seri aber nicht mit jenen seiner Landsmänner, dafür fühlt er sich dann doch zu wenig französisch an – und das nicht nur, weil ein Engländer eine der beiden Hauptrollen spielt.

Vielmehr hat man den Eindruck, dass Seri sehr genau angeschaut hat, was Nicolas Winding Refn seinerzeit bei Drive so gemacht hat. Zwischenzeitlich werden die Straßen von Paris so stylisch, dass man dabei völlig vergisst, in der Stadt der Liebe unterwegs zu sein. Weniger schön ist, dass der Franzose auch den Hang zur übertriebenen Gewalt übernommen hat. Das passt natürlich zu der Geschichte des brutalen Rächers, wird an manchen Stellen aber derart trashig, dass das so gar nicht mehr zu den sonstigen Bildern passt. Wären die Momente wenigstens humorvoll präsentiert so wie Tarantinos Splatterexzesse. Aber auch das geschieht nicht, Night Fare nimmt sich dafür dann doch zu ernst.

So richtig überzeugen kann die nächtliche Irrfahrt dann auch nicht. Die Idee eine Art Slasher-Film auf vier Rädern zu machen, die hätte durchaus Potenzial. Und so lange der Taxifahrer das unbekannte Wesen bleibt, suggeriert wird, dass hier wirklich nur ein Irrer wegen eines geprellten Taxibetrags Amok läuft, ist Night Fare auch unterhaltsam. Dummerweise war man jedoch der Ansicht, dass der Thriller noch einen Twist gebrauchen könnte. Der kündigt sich zwar zwischendurch schon einmal an, ist aber am Ende doch noch überraschend. Nicht weil er so clever wäre, es ist dessen pure Absurdität, die einen im Vorfeld kaum darauf kommen lässt, was hier Sache ist. Hinzu kommt, dass der Brutalocharme des Films aufgrund des Endes Einbußen nimmt, da ging der Schuss doch eher nach hinten los. Es bleibt aber trotz allem ein ordentlicher Genrevertreter, der einen zwar nicht übermäßig auf die Folter spannt – bei nur zwei Protagonisten ist klar, dass da erst einmal nichts passieren kann –, sich aufgrund des etwas anderes Szenarios aber die rund 80 Minuten Laufzeit hält.



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Night Fare – Bezahl mit deinem Leben
Vorsicht, stinkiger Taxifahrer! Die Geschichte um eine mörderische Verfolgungsjagd ist eine seltsame, aber doch unterhaltsame Mischung aus stylischen Bildern und trashigem Brutalocharme. Zum Ende hin will der Thriller aber mehr und tut damit niemandem wirklich einen Gefallen.
5von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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