(„Bound to Vengeance“ directed by José Manuel Cravioto, 2015)

Rache Bound to Vengeance

„Rache – Bound to Vengeance“ ist seit 1. September auf DVD, Blu-ray und 3D Blu-ray erhältlich

Sie weiß weder, wie sie an diesen Ort gekommen ist, noch wie lange sie schon gefangen halten wird. Eve (Tina Ivlev) weiß nur eins: Sie muss unbedingt raus. Eines Tages gelingt es ihr sogar, ihren Peiniger Phil (Richard Tyson) zu überwältigen. Der Schritt in die Freiheit, er ist plötzlich ganz nah! Doch dann entdeckt sie während der Flucht einen Stapel von Fotos, auf denen andere junge Frauen zu sehen sind. Und ihr dämmert: Sie ist nicht das einzige Opfer. Aber wo könnten die anderen sein? Helfen soll ihr dabei ausgerechnet Phil, der aber nur wenig Interesse daran hat. Und auch Eve kommen nach und nach Zweifel, ob sie bei ihren Rettungsversuchen das richtige tut, macht sie dabei doch Erfahrungen und Entdeckungen, auf die sie liebend gern hätte verzichten können.

Rache ist doch immer mal wieder ein guter Anlass, um in Filmen mal so richtig schön die Sau rauszulassen, anderen Menschen völlig ohne störende Gewissenbisse und sogar mit dem leichten Gefühl der moralischen Überlegenheit viel Gewalt anzutun. Ist ein berühmter Name damit verbunden, reicht es mitunter fürs Kino. Meistens handelt es sich aber um eher billige produzierte Streifen, die wie Rache – Bound to Vengeance allenfalls einen Platz auf dem letztjährigen Fantasy Filmfest finden, bevor sie in die Videoecke durchgereicht werden, wo sie bis heute ein verlässlich seh- und zahlwilliges Publikum finden.

Dabei versucht die amerikanische Produktion durchaus, auch mal ein paar eigene Akzente zu setzen, anstatt nur die bekannten Rape-and-Revenge-Vorlagen der 70er Jahre zu kopieren. Denn der erste Punkt ist gar nicht zu sehen, beim zweiten hält sich der Film auffallend zurück, vermeidet die grotesken Gewaltausbrüche, die viele Vertreter zu Guilty Pleasures machen. Einige Schlüsselszenen wurden sogar ganz weggelassen, was den einen oder anderen Splatterfan ärgern könnte. An deren Stelle tritt der Anspruch, das Publikum inszenatorisch wie inhaltlich zu überraschen. Die Geschichte mag sehr gradlinig sein, wird aber immer wieder durch Flashbacks unterbrochen, welche zeigen, wie Eve zu ihrer unglücklichen Lage kam.

Gut gemeint ist das, gut gemacht eher weniger. Zu oft werden die gezeigten wiederholt, ohne dass den Szenen etwas Relevantes hinzugefügt würde, trotz der knappen Laufzeit von nicht einmal 80 Minuten tritt Rache – Bound to Vengeance recht oft auf der Stelle. Wenn diese Ausflüge in die Vergangenheit wenigstens mit einer knalligen Auflösung belohnt würden, man würde dem Film seine umherirrende Erzählweise wohl verzeihen. Leider ist der Schluss so wie die meisten der als Überraschung gemeinten Wendepunkte eben keine solche, zumindest leidlich versierte Genrezuschauer wissen hier sehr früh, was gespielt wird. Erschwerend kommt hinzu, dass nicht jede Handlung oder Szene auch wirklich plausibel ist. Immerhin gelingt Hauptdarstellerin Tina Ivlev der Spagat zwischen Hysterie und Kaltblütigkeit ganz gut, die düsteren Bilder und vereinzelt grotesk anmutenden Todesarten sorgen für ein wenig tiefschwarzen – und blutroten – Humor. Das reicht eher nicht, um aus diesem Rachethriller wirklich mehr zu machen als letztendlich nur einen weiteren seiner Zunft zu machen. Wer aber gar nicht mehr will als das, der kann hier seinen Spaß haben.



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Rache – Bound to Vengeance
Eine junge Frau entkommt ihrem Peiniger und fängt nun an, den Spieß umzudrehen. Das Szenario ist altbekannt, wird hier auch trotz diverser Flashbacks und Wendungen nicht wirklich variiert. Dank der Hauptdarstellerin und der düsteren Bilder wegen kommen Genrefans aber auf ihre Kosten.
5von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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