(„Hyena“ directed by Gerard Johnson, 2014)

HyenaWer als Polizist in London unterwegs ist, der hat nicht viel zu lachen. Die Kriminalität hat nie gekannte Höhen erreicht, Albaner und Türken bestimmen zusehend das Geschehen. Immer mehr Gesetzeshüter beschließen daher, lieber gleich mit der Unterwelt gemeinsame Sache zu machen, als sich selbst gegenseitig unnötig zu bekämpfen. Das schont Nerven und Körper, ist manchmal auch recht ertragreich. Auch David Knight (Stephen Graham) stößt bei seinem Einsatz für Gerechtigkeit regelmäßig an Grenzen und muss sich fragen, ob sich der Versuch, in dem Sündenpfuhl an die Gesetze zu halten, für ihn überhaupt noch rentiert. Gerade auch, weil der überzeugt korrupte Bulle Michael Logan (Peter Ferdinando) ganz gut von der Zusammenarbeit mit der Gegenseite lebt.

Die Zukunft des Krimis hat Nicolas Winding Refn Hyena genannt. Und so richtig überraschen will dieses Urteil dann auch nicht: Wie der Däne es in Filmen wie Drive oder Neon Demon vormacht, so ist auch sein britischer Kollege Gerard Johnson sehr dafür zu haben, moralische wie menschliche Abgründe mit einer hypnotisch blinkenden Oberfläche zu verknüpfen. Gleich zu beginn gibt es eine solche Szene zu sehen, mit in Zeitlupe tanzenden Cops, deren Anblick man gleichzeitig betörend und abstoßend finden kann.

Oder waren das überhaupt gerade Cops? So ganz sicher kann man sich dessen bei Hyena nicht sein, zu fließend sind die Grenzen zwischen Verbrechern und Polizisten. Man könnte auch sagen zwischen gut und böse, sofern es das Gute denn noch gäbe. Einzelne Versuche, das Richtige zu tun, die gibt es. Aber sie sind eher die Ausnahme in einem Moloch, das Stärkere und Schwächere kennt, Schattierungen von Grau und Schwarz, aber kein Weiß. Es ist dann auch dieses Gefühl von Hoffnungslosigkeit, von einer alles überschattenden Düsternis, welche den britischen Film auszeichnet, eine bedrückende Atmosphäre, die sich mal schönen Bildern ergibt, oft aber auf einfach nur im Dreck suhlt.

Das ist gerade zu Beginn und auch später immer mal wieder tatsächlich faszinierend, letzten Endes jedoch ein bisschen dünn, um einen ganzen Film lang anzuhalten. Immer mal wieder schneidet Johnson, der hier sowohl Regie führte wie auch das Drehbuch schrieb, Themen an, fügt Figuren ein, nur um sie anschließend wieder im Sumpf Londons verschwinden zu lassen. Es ist daher weniger eine tatsächliche Geschichte, welche in Hyena erzählt wird, sondern eine Aneinanderreihung von Handlungsbrocken, die sich zu einem nicht besonders schönen Bild zusammenfügen.

Auch die Spannung hält sich eher in Grenzen. Ausbrüche von Gewalt gibt es, die immer mal wieder den eigentlich recht ruhig erzählten Film auseinanderreißen. Aber so wie diese für die offiziellen und inoffiziellen Verbrecher zum Alltag wird, so wird sie das auch für den Zuschauer. Man nimmt durchaus zur Kenntnis, was da vor einem so vor sich geht, so richtig nahe geht einem das Schicksal der Figuren jedoch nicht. Dafür sind sie einem zu unsympathisch, zu fremd, zu wenig aussagekräftig, taugen mit ihren wuchtigen, verkommenen Körpern auch nicht unbedingt als Traumprojektionsfläche. Vor allem aber hat einen der Beitrag vom Fantasy Filmfest 2015 irgendwann so sehr in seiner Trostlosigkeit ertränkt, dass das alles keine wirkliche Rolle mehr zu spielen scheint, man abgestumpft und gleichgültig in den Abgrund Londons starrt.

Hyena
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Hyena
„Hyena“ zeichnet ein überaus trostloses Bild von London, in dem Verbrechen an der Tagesordnung sind und Polizisten auf beiden Seiten des Gesetzes agieren. Das ist an manchen Stellen faszinierend bis hypnotisch, oftmals aber vor allem dreckig und bietet zu wenig, um sich daran über die ganze Filmlänge wirklich festzuhalten.
6von 10

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