(„Body“ directed by Dan Berk and Robert Olsen, 2015)

BodyIrgendwie ist Weihnachten doch immer wieder dasselbe. Gibt es denn keine Möglichkeit, womit man mal ein wenig Abwechslung hineinbringen kann? Doch, die gibt es. Zumindest hat Cali (Alexandra Turshen) da schon eine Idee. Warum nicht mit ihren Freundinnen Holly (Helen Rogers) und Mel (Lauren Molina) eine kleine Party in der momentan leerstehenden Villa des steinreichen Onkels feiern? Gesagt getan, die drei College-Studentinnen begeben sich auf den Weg in das luxuriöse Anwesen und finden dort alles, was ihr Herz begehrt. Leider aber auch etwas, mit dem sie nicht gerechnet haben. Oder besser: jemanden. Ein unbekannter Mann steht plötzlich vor ihnen, liegt kurz drauf am unteren Ende der Treppe und das Trio muss sich nun schnell etwas überlegen, um die ungeliebte Leiche wieder loszuwerden.

Das Fantasy Filmfest ist ja immer eine schöne Gelegenheit, den ersten Gehversuchen der künftigen Genrefilmer zuzusehen. Denn wo noch keine größeren Studios, wo noch kein unbedingter Zwang zum kommerziellen Erfolg, da wächst manchmal etwas hervor, von dem selbst so mancher Veteran sich etwas abschauen könnte. Der stimmungsvolle Iranhorror Under the Shadow und die groteske Sci-Fi-Hommage The Similars gehörten zu den Höhepunkten 2016, letztes Jahr durften wir uns unter anderem über den Edeltrash Turbo Kid, das skurrile Der Bunker und die ungewöhnliche Trauberwältigungs-Genremischung Nina Forever freuen. Und auch Body wetteiferte 2015 um den begehrten Nachwuchspreis Fresh Blood Award. Eine sonderliche Freude bereitete einem das Spielfilmdebüt des Regie- und Drehbuchduos Dan Berk und Robert Olsen aber nicht. Stellenweise sogar das genaue Gegenteil.

Dabei ist der Grundgedanke so schlecht nicht. Gewöhnliche Menschen, die sich plötzlich in ungewöhnlichen Situationen wiederfinden – um nicht zu sagen richtig beschissenen – und dringend einen Ausweg aus dieser finden müssen, das ist nicht originell, kann aber doch ganz spaßig werden. Body ist das aber nur streckenweise. Das erste größere Problem sind die drei jungen Damen selbst. Protagonisten in Thrillern sollten im Idealfall sympathisch, zumindest aber interessant sein, damit man bei ihrem Abenteuer mitfiebern kann. Die drei Studentinnen sind weder das eine, noch das andere, trotz der recht langen Einführung, bis es denn mal zur Sache geht, sind sie mit einer nur recht dünnen Persönlichkeit ausgestattet. Und einer überschaubaren Intelligenz. Wenn zwischendrin Body zu einem Wettbewerb wird, welche der drei sich am dümmsten oder am wenigstens nachvollziehbar verhält, würde man sich wünschen, es hätte doch lieber sie an der Treppe erwischt, nicht den armen Mann.

Es ist aber auch der Rest des Films, der nicht unbedingt zu Begeisterungsstürmen einlädt. Wie weit würdest du in einer solchen Situation gehen? Wie schnell verlieren sich moralische Bedenken, wenn du deine Haut retten musst? Das sind durchaus spannende Fragen, die Berk und Olsen hier stellen, die aber keine entsprechend spannende Antwort erhalten. Vielmehr ist hier vieles sowohl vorhersehbar wie an den Haaren herbeigezogen, die vermeintlichen Wendungen dürfte nur die wenigsten Zuschauer tatsächlich überraschen. Da sich Body zudem ständig im Kreis dreht, ist die einzige nennenswerte Erkenntnis, dass selbst 75 Minuten recht lang werden können. Und anstrengend. Manchmal nimmt der Thriller tatsächlich Fahrt auf, lässt Ereignisse überschlagen, ohne aber dass hier das Adrenalin nennenswert steigt. Vielmehr sind es die Lachmuskeln, die unerwartet viel zu tun bekommen. Wer unbedingt ein paar junge Frauen sucht, die sich richtig daneben benehmen und dabei auch schon mal Blut spritzen lassen, kann es versuchen. Lohnenswert ist das Ergebnis aber nur selten.

Body
3.84 (76.84%) 19 Artikel bewerten

Body
„Body“ wirft drei junge Frauen in eine katastrophale Situation und stellt zeitgleich zu deren Rettungsversuchen ein paar spannende Fragen. Der Film selbst ist es jedoch nicht, was sowohl an der Vorhersagbarkeit wie den unsagbar dummen Protagonistinnen liegt, die den Thriller viel länger erscheinen lassen, als er eigentlich ist.
4von 10

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