(„The Pack“ directed by Nick Robertson, 2015)

The PackSeit Monaten schon hat das Farmerehepaar Carla (Anna Lise Phillips) und Adam Wilson (Jack Campbell) mit enormen Schulden zu kämpfen, immer tiefer stehen sie bei der Bank in der Kreide. Besserung ist nicht in Sicht, im Gegenteil: Immer wieder werden ihre Tiere durch unbekannte Täter abgeschlachtet, ohne dass die Wilsons etwas dagegen tun könnten. Bis die beiden und ihre zwei Kinder eines Nachts erleben, was genau hinter den Überfällen steckt, als ein Rudel wilder Hunde nun auch die Farmer selbst im Visier hat und deren Haus belagert.

Riesige Krokodile, eine Unzahl giftiger Schlangen, dazu Unikate wie das Känguru, der Koala oder das Schnabeltier – die aufgrund der langen geografischen Isolation einzigartige Fauna Australiens ist nicht gerade arm an gefährlichen oder kuriosen Tieren. Wenn ein Creature-Horror-Film aus Down Under kommt, dann ist das also quasi ein Heimspiel. Umso erstaunlicher, dass The Pack hier doch recht genügsam daherkommt und statt bizarrer Tiermonster gewöhnliche, wenn auch blutrünstige Wildhunde zum Antagonisten erklärt.

Warum diese auf einmal auf Menschen losgehen, verschweigt der Film übrigens. Wo häufig menschliche Schandtaten die Tiere Amok laufen lässt, beispielsweise durch Umweltverschmutzung, zuckt The Pack nur mit den Schultern. Falls die Australier damit Kritik üben wollten, etwa an der historischen Einführung fremder Tierarten, dann tun sie das so subtil, dass keiner die Nachricht wirklich empfangen wird. Aber der Inhalt ist ohnehin nicht die unbedingt größte Stärke des Horrorreißers, der mal zu sehr auf Klischees setzt, an anderen Stellen nicht wirklich über das Gezeigte nachdenken will oder auch schon mal Elemente einführt und anschließend wieder vergisst – vom doch sehr abrupten Ende gar nicht erst zu reden.

Dass Adam, der mit seiner Familie allein in der Wildnis lebt und immer wieder Opfer von Attacken wurde, es beispielsweise derart stark vernachlässigt, sich auf Gefahren vorzubereiten, nachvollziehbar ist das nicht. Auch dass die Tiere im einen Moment unverwundbare, hoch entwickelte Superbestien sein sollen, im nächsten aber an ihren Opfern vorbeispazieren, ohne diese zu bemerken, ist irgendwie nicht so richtig konsequent. Genauso darf man sich bei den menschlichen Protagonisten vereinzelt am Kopf kratzen, wenn sie sich mal wieder leicht dümmlich verhalten.

Nun gehören intelligente Protagonisten allgemein nicht zu den Selbstverständlichkeiten des Horrorgenres, nimmt man in Kauf, wenn wenigstens die Inszenierung überzeugt. Und da ist The Pack doch schon deutlich gelungener. Die ganz großen Überraschungen bleiben aus, eigentlich arbeitet sich Regisseur Nick Robertson nur am Einmaleins des Home-Invasion-Thrillers ab, mit dem Unterschied, dass es hier eben Tiere sind und keine Menschen, die sich gewaltsam Eintritt verschaffen wollen. Aber im Großen und Ganzen ist das schon recht stimmig hier, vereinzelt spannend und auch besser gespielt, als man es bei einem solchen Film erwarten kann. Besucher des Fantasy Filmfests 2015 durften sich daher über einen soliden Vertreter freuen, der weder positiv noch negativ sonderlich aus der Masse an Filmen hervorstach.



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The Pack
Der Hund, der beste Freund des Menschen? Nicht bei „The Pack“, wo ein Rudel Wildhunde eine Familie belagert. Inhaltlich ist das manchmal etwas dünn, dafür aber gut gespielt und stimmig inszeniert.
5von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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