(„Some Kind of Hate“ directed by Adam Egypt Mortimer, 2015)

Some Kind of Hate

„Some Kind of Hate“ läuft seit dem 5. August im Rahmen des Fantasy Filmfests

Vom Regen in die Traufe: Jahrelang hat Lincoln (Ronen Rubinstein) die Erniedrigungen und Misshandlungen des Schultyrannen ertragen. Und dann, als er sich einmal etwas heftig zur Wehr setzt, wird er zur Strafe gleich in ein Besserungscamp gesteckt. In dem von Jack (Michael Polish) geleiteten Schulersatz gibt es zwar strenge Regeln, aber genauso wenig Schutz gegen Mobbing – Täter und Tatort haben sich geändert, die Methoden nicht. Dieses Mal jedoch sollen die Bullys nicht ungestraft davonkommen, einer nach dem anderen begehen sie Selbstmord. Oder war es doch etwas Anderes? Wer ist zum Beispiel diese mysteriöse Moira (Sierra McCormick), der Lincoln immer wieder über dne Weg läuft?

Wenn uns Some Kind of Hate eines lehrt, dann dass ein Horrorfilm keine Monster braucht, um Schrecken und Alpträume zu verbreiten, es reicht, ihn mit Menschen zu bevölkern. Ein Splatterfilm soll der Beitrag vom Fantasy Filmfest 2015 sein. Was auch stimmt. Dann wiederum aber auch nicht. Über lange Zeit wirkt die Independentproduktion eher wie ein Drama, wenn sie uns den Alltag von Lincolns Leben zeigt, später die nicht minder deprimierende Mind Academy – eine Art Bootcamp à la Coldwater, nur mit esoterischem Überbau. Und dem Unterschied, dass es hier keine Wächter braucht, um die Insassen zu misshandeln. Das erledigen die schon selbst.

Hinweise, dass wir doch in Horrorgenre angesiedelt sind, finden wir in dem Drumherum, in den trüben, farbentleerten Bildern der Einöde, die so weit entfernt ist, dass der nächste Polizist immer eine Stunde braucht, um dort anzukommen. Und in der rocklastigen Musik, die bedrohlich vor sich hinbrummt, mal den Hintergrund, mal den Vordergrund unsicher macht. Es ist diese Rohe, das Unangenehme und Schmerzhafte, welche Some Kind of Hate von anderen Teenieslashern unterscheidet, bei denen Blutfontänen mit Hochglanzoptik einhergehen.

Erstere gibt es hier jedoch auch, wenngleich sie eher spät einsetzen – dafür aber umso heftiger. Aufgrund der geringeren Geldmittel sieht das manchmal etwas absurd aus, was aber durch die Perfidität des Films wieder ausgeglichen wird. Worin die genau besteht, darf natürlich im Vorfeld nicht verraten werden. Nur eins: Durch einen besonderen Kniff haben die Pro- wie Antagonisten keine Chance, sich den mörderischen Angriffen zu entziehen oder ihnen gar etwas entgegenzusetzen. Das oft verbreitete Problem, dass sich Teenager in Not in Horrorfilmen grundsätzlich idiotisch verhalten müssen, um so dem Killer zu entkommen, tritt auf diese Weise nicht auf.

Ein weiterer Unterschied ist, dass es einem um die so plötzlich Verstorbenen oft nicht wirklich leid tut, da es sich eben nicht um nette Unglückspilze handelt, die einfach zur falschen Zeit am falschen Ort waren. Es hat schließlich seine Gründe, warum die Leute hier in einer Besserungsanstalt landeten. Zu einem Funslasher wie You’re Next wird das Debüt von Regisseur und Drehbuchautor Adam Egypt Mortimer zwar nie, kleinere Guilty-Pleasure-Momente sind aber zweifelsfrei enthalten, wenn es die bösen und betont toughen Buben dann doch noch erwischt. Sonderlich viel sollte man von den Figuren jedoch nicht erwarten, dafür geben sie einfach nicht genug her, über die meisten erfährt man nichts. Ein wirkliches Problem ist das jedoch nicht, in dem Genre sind tiefgehende Charakterzeichnungen ohnehin nicht unbedingt die Regel.

Schwieriger ist da schon, dass Some Kind of Hate nicht so wirklich spannend ist, eben weil einem die Figuren so wenig am Herzen liegen und es durch die Geschichte zu keinen echten Kämpfen kommt, die Art des Ablebens oft auch ähnlich ist. Wer einen Genrevertreter sucht, bei dem man tatsächlich mitfiebern kann, einem vor Aufregung schon mal das Popcorn aus der Hand fällt, der wird woanders vermutlich besser bedient. Dafür ist der Debütfilm unbequem, manchmal verstörend, und für die Besucher des Filmfestivals auf jeden Fall einen Blick wert, denn einen deutschen Verleih gibt es bislang dafür nicht.



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Some Kind of Hate
Mitfiebern wird man in „Some Kind of Hate“ mit kaum jemanden, dafür sind die Figuren zu flach und meist zu unsympathisch. Dafür wartet der Low-Budget-Slasher mit einer fiesen Idee und verstörenden Szenen auf, manchmal auch mit Guilty-Pleasure-Momenten.
6von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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