(„Na yeh ling san, ngo joa seung liu Wong Gok hoi wong dai bou dik hung Van“ directed by Fruit Chan, 2014)

The Midnight AfterEs ist eine Busfahrt, welche die 17 wild zusammengewürfelten Menschen (unter anderem You-Nam WongSimon YamKara Hui und Janice Man) bis zu ihrem Ende nicht vergessen werden. Was früher ist, als so mancher ahnt. In dem einen Moment ist noch alles wie gehabt: Es ist zwei Uhr nachts, als sie durch Hongkong fahren, die Lichter blinken, alles ist bester Ordnung. Als sie wieder aus dem Tunnel kommen, blinken die Lichter noch immer. Ansonsten ist aber keiner da, die komplette Bevölkerung des Bezirks Tai Po scheint verschwunden zu sein. Und das ist nicht die einzige seltsame Erfahrung, welche die 17 im Laufe der Nacht noch machen werden.

Eigentlich würden sie ja keine Filme ins Programm des Fantasy Filmfests aufnehmen, die schon älter als ein Jahr ist, hieß es 2015 bei der Einstimmung zu The Midnight After. Hier würde man aber mal eine Ausnahme machen, da sich offensichtlich kein Verleih fände, der ihn sonst nach Deutschland bringen würde. Damit sollten die Organisatoren recht gehabt haben, auch zweieinhalb Jahre nach der Premiere auf der Berlinale 2014 bleibt der Film ebenso verschwunden wie der Rest der Menschheit. Was einerseits naheliegend ist, schließlich wurde die chinesische Produktion selbst bei den für Seltsamkeiten immer offenen Besuchern des Fantasy Filmfests sehr gemischt aufgenommen. Schade ist es aber schon.

Zunächst einmal wäre da die sehr schöne Optik. Menschenverlassene Straßen sind in Endzeitfilmen ja nun keine Seltenheit, in Kombination mit einem sonst vor Leben und Farben strotzenden Hongkong entsteht dabei aber eine gespenstische Atmosphäre, die einen schon auf die Folter spannt, noch bevor der erste Tote da ist. Und von denen wird es ein paar geben. The Midnight After ist aber mehr als nur Horror und Mystery, so gut diese Elemente auch gelungen sind. Nur was genau, das bleibt ein Geheimnis. Und das dürfte für viele auch ein Problem sein, denn die Adaption des Online-Romans „Lost on a Red Mini Bus to Taipo“ wirkt mitunter genauso ratlos wie die plötzlich Alleingelassenen, die sich auf die Geschichte ebenso wenig einen Reim machen können wie der Zuschauer. Da wird alles in den Mixer geworfen, was wohl aufzufinden war, völlig ohne Rücksicht darauf, was denn hier nun zusammenpasst.

Am besten fährt mit dem Unglücksbus, wer das Ganze mit Humor zu nehmen weiß. Denn davon gibt es reichlich. Da wären zum einen die vielen skurrilen Figuren, die vom Kiffer bis zur hellsehenden Versicherungsmaklerin gehen und bei jeder sich bietenden Gelegenheit aneinander rasseln. Außerdem ist sich The Midnight After trotz gelegentlicher nachdenklicher Momente – gelten Gesetze auch, wenn es keine Menschen mehr gibt? – für keine Absurdität zu schade. Vorhersehbar ist hier nur wenig, vielmehr hatte man sichtlichen Spaß daran, die Protagonisten von einer verrückten Situation in die nächste stolpern zu lassen.

Ein gewisses Faible für Nonsens sollte man also schon mitbringen, vor allem aber auch damit leben können, wenn Rätsel keine Auflösung finden. Denn der Film bietet einem zwar diverse Hinweise, was denn hinter allem stecken könnte, zum Schluss hin deutet sich sogar an, dass der zwei Stunden andauernde Unsinn doch noch einen tieferen Sinn verfolgt. Aber es bleibt eben bei Andeutungen, auf Hilfe vonseiten der Drehbuchautoren sollte man besser nicht zählen, um dieser mysteriösen Nacht etwas Handfestes zu entreißen. Wer das gar nicht braucht, darf sich zurücklehnen, die Welt brennen sehen und dabei eine grotesk-grandiose Musicalnummer mitnehmen, für die alleine sich The Midnight After mehr als gelohnt hat.

The Midnight After
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The Midnight After
„The Midnight After“ schickt Protagonisten wie auch Zuschauer auf eine verrückte Busfahrt durchs nächtliche Hongkong, macht dabei unterwegs an Horror-, Mystery und Comedystationen Halt. Antworten gibt es zwar so gut wie keine, dafür aber jede Menge spaßiger Fragen.
7von 10

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