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Das war sie nun, die 93. Oscar-Verleihung. Eine Veranstaltung, die gleich in mehrfacher Hinsicht historisch war, mit vielen Neuerungen und Brüchen in Erinnerung bleiben wird. Einige davon wird kaum jemand gemerkt haben. Dass beispielsweise zum ersten Mal in der langen Geschichte dieser Institution keine Ehren-Oscars verliehen wurden, ging ein wenig unter. Auch dass zwei langjährige Kategorien – Bester Ton und Bester Tonschnitt – zu einer einzigen zusammengelegt wurden, dürfte allenfalls Komplettisten auffallen. Sehr viel prägender waren hingegen die Auswirkungen der Corona-Pandemie. Nicht allein, dass die Auswahl an Filmen deutlich geringer war durch die monatelange Schließung der Kinos und diverse Regeln abgeändert wurden, um überhaupt genügend Filme zusammenzubekommen. Aus der Großveranstaltung mit Tausenden von Gästen wurde zudem ein vergleichsweise intimer Lounge Abend, der innerhalb eines Bahnhofs veranstaltet wurde.

Das veränderte Ambiente dürfte zurückbleiben, ebenso die kuriose Abänderung bei der Verkündung der Gewinner. Anstatt wie üblich die Preise für die beste Regie und den besten Film bis zum Schluss aufzuheben, kamen die schon vorher. Stattdessen war der Abschluss die Auszeichnung zum besten Hauptdarsteller. Die wahrscheinlichste Erklärung: Man war von einem posthumen Sieg des letzten Jahr verstorbenen Chadwick Boseman ausgegangen und wollte mit dem Preis einen emotionalen Schlusspunkt setzen, gerade in Zeichen von Black Lives Matter. Schließlich war der Schauspieler eine Ikone, die gerade durch Black Panther zu einer Identifikationsfigur Millionen von Schwarzen wurde. Stattdessen gewann aber Anthony Hopkins für seine Darstellung in The Father. Ein alter weißer Mann, der bereits zum zweiten Mal ausgezeichnet wurde: Das war als abschließendes Symbol ein Debakel.

Weiblicher und diverser

Dennoch: Die Oscars 2021 waren ein riesiger Schritt nach vorne im Hinblick auf Diversität. Nachdem das Jahr zuvor mit Parasite erstmals ein asiatischer Film zum Film des Jahres gekrönt wurde, waren dieses Jahr über mehrere Kategorien hinweg Fortschritte zu erkenne. So war Chloé Zhao wie prognostiziert die große Gewinnerin des Abends. Ihr Drama Nomadland wurde zum Film des Jahres gewählt, sie selbst erhielt den Regie-Oscar. Die gebürtige Chinesin war damit die erste weibliche Person of Color, der das gelang und überhaupt erst die zweite Frau, die in dieser Sparte gewann. Damit setzte sie sich, auch das ist ein Novum, gegen eine weitere Frau durch: Emerald Fennell, die mit dem Thriller Promising Young Woman antrat. Noch nie waren zwei Frauen gleichzeitig nominiert. Zwar ging die britische Kollegin bei den Hauptreisen leer aus, dafür gewann sie den Preis für das beste Original-Drehbuch.

Während die beiden Hauptpreise im Bereich Schauspiel an Veteranen gingen, neben Hopkins setzte sich Frances McDormand ebenfalls für Nomadland durch, triumphierten auf den Nebenrängen People of Color. Daniel Kaluuya wurde bester Nebendarsteller mit Judas and the Black Messiah, die 73-jährige Südkoreanerin Youn Yuh-jung beste Nebendarstellerin mit Minari. Auffallend war zudem, dass dieses Mal die Preise weit gestreut waren. Nomadland war mit drei Preisen der größte Gewinner. Zweimal siegte am Ende beispielsweise Souldas wenig überraschend zum besten Animationsfilm gekürt wurde und auch die Auszeichnung für die beste Musik erhielt. Beides war erwartete worden, wie so manches. Denn bei allen Kuriositäten: Die Oscars bleiben die Oscars.

Bester Film
Gewinner Nomadland 
Weitere Nominierungen Judas and the Black Messiah 
Mank
Minari 
Promising Young Woman 
Sound of Metal
The Father
The Trial of the Chicago 7
Beste Regie
Gewinner Nomadland Chloé Zhao 
Weitere Nominierungen Der Rausch Thomas Vinterberg
Mank David Fincher 
Minari Lee Isaac Chung 
Promising Young Woman Emerald Fennell
Bester Hauptdarsteller
Gewinner The Father Anthony Hopkins 
Weitere Nominierungen Ma Rainey’s Black Bottom Chadwick Boseman
Mank Gary Oldman 
Minari  Steven Yeun 
Sound of Metal
Riz Ahmed
Beste Hauptdarstellerin
Gewinnerin Nomadland Frances McDormand
Weitere Nominierungen Ma Rainey’s Black Bottom Viola Davis
Pieces of a Woman
Vanessa Kirby 
Promising Young Woman Carey Mulligan
The United States vs. Billie Holiday Andra Day
Bester Nebendarsteller
Gewinner Judas and the Black Messiah Daniel Kaluuya 
Weitere Nominierungen Judas and the Black Messiah Lakeith Stanfield 
One Night in Miami Leslie Odom Jr. 
Sound of Metal Paul Raci
The Trial of the Chicago 7 Sacha Baron Cohen
Beste Nebendarstellerin
Gewinnerin Minari Youn Yuh-jung
Weitere Nominierungen Borat Anschluss Moviefilm Maria Bakalova
Hillbilly-Elegie Glenn Close
Mank Amanda Seyfried
The Father Olivia Colman 
Bestes adaptiertes Drehbuch
Gewinner The Father Christopher Hampton, Florian Zeller
Weitere Nominierungen Borat Anschluss Moviefilm Sacha Baron Cohen, Peter Baynham, Jena Friedman, Anthony Hines, Lee Kern, Dan Mazer, Erica Rivinoja, Dan Swimer
Der weiße Tiger Ramin Bahrani
Nomadland Chloé Zhao
One Night in Miami Kemp Powers
Bestes Originaldrehbuch
Gewinner Promising Young Woman Emerald Fennell
Weitere Nominierungen Judas and the Black Messiah Will Berson, Shaka King
Minari Lee Isaac Chung
Sound of Metal Abraham Marder, Darius Marder
The Trial of the Chicago 7 Aaron Sorkin
Beste Kamera
Gewinner Mank Erik Messerschmidt
Weitere Nominierungen Judas and the Black Messiah Sean Bobbitt
Neues aus der Welt Dariusz Wolski
Nomadland Joshua James Richards
The Trial of the Chicago 7 Phedon Papamichael
Bestes Szenenbild
Gewinner Mank Donald Graham Burt, Jan Pascale
Weitere Nominierungen Ma Rainey’s Black Bottom Mark Ricker, Karen O’Hara, Diana Stoughton
Neues aus der Welt David Crank, Elizabeth Keenan
Tenet Nathan Crowley, Kathy Lucas
The Father Peter Francis, Cathy Featherstone
Bestes Kostümdesign
Gewinner Ma Rainey’s Black Bottom Ann Roth
Weitere Nominierungen Emma. Alexandra Byrne
Mank Trish Summerville
Mulan Bina Daigeler
Pinocchio Massimo Cantini Parrini
Beste Filmmusik
Gewinner Soul Trent Reznor, Atticus Ross, Jon Batiste
Weitere Nominierungen Da 5 Bloods Terence Blanchard
Mank Trent Reznor, Atticus Ross
Minari Emile Mosseri
Neues aus der Welt
James Newton Howard
Bester Filmsong
Gewinner Judas and the Black Messiah „Fight for You“ // D’Mile, H.E.R., Tiara Thomas
Weitere Nominierungen Du hast das Leben vor dir „Io sì (Seen)“ // Diane Warren, Laura Pausini
Eurovision Song Contest: The Story of Fire Saga „Husavik“ // Rickard Göransson, Fat Max Gsus, Savan Kotecha
One Night in Miami „Speak Now“ // Sam Ashworth, Leslie Odom Jr.
The Trial of the Chicago 7 „Hear My Voice“ // Daniel Pemberton, Celeste, Pemberton
Bestes Make-up und beste Frisuren
Gewinner Ma Rainey’s Black Bottom Sergio Lopez-Rivera, Mia Neal, Jamika Wilson
Weitere Nominierungen Hillbilly-Elegie Patricia Dehaney, Eryn Krueger Mekash, Matthew W. Mungle
Emma. Laura Allen, Marese Langan, Claudia Stolze
Mank Colleen LaBaff, Kimberley Spiteri, Gigi Williams
Pinocchio Dalia Colli, Mark Coulier, Francesco Pegoretti
Bester Schnitt
Gewinner Sound of Metal Mikkel E. G. Nielsen
Weitere Nominierungen Nomadland Chloé Zhao
Promising Young Woman
Frédéric Thoraval
The Father Yorgos Lamprinos
The Trial of the Chicago 7 Alan Baumgarten
Bester Ton
Gewinner Sound of Metal Jaime Baksht, Nicolas Becker, Philip Bladh, Carlos Cortés and Michelle Couttolenc
Weitere Nominierungen Greyhound Beau Borders, Michael Minkler, Warren Shaw, David Wyman
Mank Ren Klyce, Drew Kunin, Jeremy Molod, Nathan Nance, David Parker
Neues aus der Welt William Miller, John Pritchett, Mike Prestwood Smith, Oliver Tarney
Soul Coya Elliot, Ren Klyce, David Parker
Beste visuelle Effekte
Gewinner Tenet Scott R. Fisher, Andrew Jackson, David Lee, Andrew Lockley
Weitere Nominierungen Der einzig wahre Ivan Nick Davis, Greg Fisher, Ben Jones, Santiago Colomo Martinez
Love and Monsters Genevieve Camailleri, Brian Cox, Matt Everitt, Matt Sloan
Mulan Sean Andrew Faden, Steve Ingram, Anders Langlands, Seth Maury
The Midnight Sky Matthew Kasmir, Chris Lawrence, Max Solomon, David Watkins
Bester Animationsfilm
Gewinner Soul
Weitere Nominierungen Die bunte Seite des Mondes
Onward – Keine halben Sachen
Shaun das Schaf – Der Film: UFO-Alarm
Wolfwalkers
Bester animierter Kurzfilm
Gewinner If Anything Happens I Love You
Weitere Nominierungen Burrow 
Genius Loci
Opera
Yes-People
Bester Kurzfilm
Gewinner Two Distant Strangers
Weitere Nominierungen Feeling Through
The Letter Room
The Present
White Eye
Bester Dokumentarfilm
Gewinner Mein Lehrer, der Krake
Weitere Nominierungen Collective 
Sommer der Krüppelbewegung
The Mole Agent 
Time
Bester Dokumentarkurzfilm
Gewinner Colette
Weitere Nominierungen A Concerto Is a Conversation
A Love Song for Latasha
Do Not Split
Hunger Ward
Bester internationaler Film
Gewinner Der Rausch
Weitere Nominierungen Better Days 
Collective
Der Mann, der seine Haut verkaufte
Quo Vadis, Aida?
Jean Hersholt Humanitarian Award
Tyler Perry 
Motion Picture & Television Fund



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