Kritik

Borat Subsequent Moviefilm Amazon Prime Video

„Borat Anschluss Moviefilm“ // Deutschland-Start: 23. Oktober 2020 (Amazon Prime Video)

Während Borats (Sacha Baron Cohen) erster Film in vielen Ländern ein großer Erfolg war, bedeute er für seine Heimat Kasachstan eine große Schande, sodass Borat nicht nur seinen Job verlor, sondern zudem ins Arbeitslager geschickt wurde. Viele Jahre später, im Jahr 2019, erhält Borat die einmalige Chance, seine Fehler der Vergangenheit wieder gut zu machen, denn er soll abermals in die USA reisen, wo er dem amtierenden Vize-Präsidenten Mike Pence ein Geschenk überbringen soll. In den USA angekommen, ist in der großen Kiste aber keine Spur von einem Geschenk, denn Borats Tochter, Sarah Jessica Parker Sagdiyev (Irina Novak) hat sich als blinde Passagierin eingeschleust. Da Borat keinesfalls zurück in seine Heimat will, ohne seine Mission erfüllt zu haben, soll nun seine Tochter als Geschenk an den Politiker herhalten. Per Schönheits-OP und einem Kurs in Benehmen soll Sarah Jessica Parker für ihren großen Tag hergerichtet werden, doch sie lernen dabei nicht nur mehr über die US-amerikanische Kultur, sondern geraten mitten in die Wirren des COVID-19 Lockdowns.

Der Fluch der Bekanntheit
Ursprünglich hatte Sacha Baron Cohen nicht vorgehabt, die Idee zu einer Fortsetzung zum ersten Borat-Film von 2006 weiterzuverfolgen, war der Charakter doch mittlerweile so populär, dass er auf jeden Fall erkannt werden würde, sollte er noch einmal in seiner Rolle als kasachischer Reporter auf die Straße gehen. Jedoch wurde er dieses Jahr in Los Angeles und später auf einer Reihe anderer Veranstaltungen gesichtet, was die Aussicht auf einen erneuten Leinwandauftritt Borats wahrscheinlicher machte. Die Fortsetzung basiert auf demselben Prinzip wie der Vorgängerfilm, wobei Cohen unterstützt wird von der von Irina Novak gespielten Sarah Jessica Parker Sagdiyev.

Das Problem einer Fortsetzung zu einem Film wie Borat liegt auf der Hand, bringt es der Hauptdarsteller doch selbst auf den Punkt. Bereits nach wenigen Momenten auf den Straßen Los Angeles’ erkennen die Menschen den bekannten Aufzug, den Schnurrbart und das nach wie vor etwas zu weite Jackett des kasachischen Reporters, verfolgen ihn und wollen Autogramme. Zwar gelingen einige wenige Auftritte als Borat außerhalb der Spielfilmszenen, doch dies sind in der Tat wenige, sodass Cohen auf andere Verkleidungen zurückgreifen muss sowie die Unterstützung seines Co-Stars Irina Novak, die dieser Aufgabe mit ebenso großen Hang zur Selbstentblößung und Provokation folgt wie Cohen selbst.

Ebenfalls aus dem Vorgänger bekannt ist die Mischung aus Mockumentary und Spielfilmhandlung, die abermals eine Odyssee der Charaktere durch die USA vorsieht. Hierbei kommt es zu einer ganzen Reihe von skurrilen Begegnungen, nicht nur bei diversen Wahlkampfauftritten, sondern auch beim Besuch einer Abtreibungsklinik und eines Debütantinnenballs, wobei die homophoben, antisemitischen und vorwiegend frauenfeindlichen Ansichten Borats sowie seiner Tochter für Irritation sorgen oder eben Affirmation seitens ihrer Gesprächspartner. Schwach hingegen ist der Spielfilmanteil der Fortsetzung, der im Kontrast zum Vorgänger eine bedeutend wichtigere Stellung einnimmt und für Szenen sorgt, die sich nicht nur deutlich abheben, sondern auch teils einfach nur schlecht getimt und gespielt sind.

Das hässliche Gesicht der USA
Dennoch schimmert immer mal wieder jener Funken Genialität in dieser Fortsetzung auf. Wie schon im ersten Film ist Borat und in gewisser Weise auch seine Tochter eine Projektionsfläche für Ängste, Ressentiments und Vorbehalte, welche sie nicht nur spiegeln, sondern bis ins Lächerliche übertreiben. Gerade im Jahre 2020, in dem sich die USA unter Donald Trump noch einmal von ihrer besonders hässlichen Seite zeigt, suchen Borat und Sarah Jessica Parker eben jene dunklen Tiefen auf, bei Trump-Befürwortern, Verschwörungstheoretikern und natürlich republikanischen Politikern. In der Sicherheit einem wenn auch etwas tumben Gesprächspartner gegenüberzusitzen, offenbaren sich Widersprüche und gefährliche Ideologien, die man allerdings auch schon auf Nachrichtenseiten oder sozialen Medien beobachten konnte.

Als eine weitere Schwäche der Fortsetzung muss man besonders den letzten Teil des Films nennen, auf den hier zwar nicht in aller Tiefe eingegangen werden soll, welcher aber im Kontext der Charaktere wenig konsequent und geradezu feige wirkt.

Credits

OT: „Borat Subsequent Moviefilm: Delivery of Prodigious Bribe to American Regime for Make Benefit Once Glorious Nation of Kazakhstan“
Land: UK, USA
Jahr: 2020
Regie: Jason Woliner
Drehbuch: Peter Banham, Sacha Baron Cohen, Jena Friedman, Anthony Hines, Lee Kern, Dan Mazer, Erica Rivinoja, Dan Swimer
Musik: Erran Baron Cohen
Kamera: Luke Geissbuhler
Besetzung: Sacha Baron Cohen, Irina Novak

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Borat Anschluss Moviefilm
„Borat Subsequent Moviefilm“ ist eine solide Fortsetzung, die aber selten die Genialität des Vorgängerfilms erreicht. Die bekannte Mischung aus Spielfilm und Mockumentary glänzt in den improvisierten Szenen und dank ihrer beiden Darsteller bisweilen, doch schwächelt deutlich gegen Ende und in den Spielfilmszenen.
6von 10

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