THE UNITED STATES VS. BILLIE HOLIDAY
© Paramount Pictures

The United States vs. Billie Holiday

Inhalt / Kritik

„The United States vs. Billie Holiday“ // Deutschland-Start: 14. Mai 2021 (DVD/Blu-ray)

In der Vereinigten Staaten der 1940er Jahre hat die afroamerikanische Sängerin Billie Holiday (Andra Day) etwas erreicht, von dem viele nur träumen können und was sie zu einer Heldin für viele macht. Nicht nur ist sie sehr erfolgreich und tritt mit Größen wie Louis Armstrong auf, ihre Songs wie „All of Me“ oder „Strange Fruit“ erfreuen sich enormer Beliebtheit beim Publikum. Jedoch ist vielen vor allem letzterer Song ein Dorn im Auge, behandelt dieser doch in sehr grausamen Details das Unrecht der Lynchjustiz, vor allem im Süden der USA. Ihr Manager möchte gar weiteren Ärger verhindern und es seinem Star untersagen, das Lied bei Auftritten zu singen, wogegen sich Billie nach wie vor weigert. Ohne ihr Wissen bringt sie dies ins Fadenkreuz des FBI, insbesondere von Agent Harry J. Anslinger (Garrett Hedlund), einem ambitionierten Beamten, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, gegen die Drogenkriminalität in den USA mit aller Härte vorzugehen. Auf Bestreben seiner Vorgesetzten hin, nimmt er sich in erster Linie Holiday vor, die wegen ihrer Promiskuität und ihres Drogenkonsums bereits einen gewissen Ruf in Künstlerkreisen genießt. Der junge afroamerikanische Agent Jimmy Fletcher (Trevante Rhodes), der nach seiner Rückkehr aus dem Krieg sich einen Namen im FBI machen will, spielt für Anslinger eine zentrale Rolle in seinem Plan und soll das Vertrauen Holidays für sich gewinnen.

Schließlich wird Holiday verhaftet und wegen Drogenkonsums der Prozess gemacht, der eine Gefängnisstrafe nach sich zieht. Gezeichnet von dieser Erfahrung kehrt die Sängerin nach einem Jahr zurück ins Showgeschäft, jedoch lassen die Behörden sie nach wie vor nicht aus den Augen, spionieren ihr nach und versuchen Anhaltspunkte für eine erneute Verhaftung zu sammeln. Auch Fletcher, der sich gegenüber Holiday schuldig fühlt, soll wieder eine wichtige Rolle übernehmen, doch mit der Zeit lernt er die wahre Billie Holiday kennen, ihre Leiden und ihr Trauma, und welches Los der Kampf gegen Rassismus und Ungerechtigkeit von ihr fordert.

Formen der Abhängigkeit

In Filmen wie Precious – Das Leben ist kostbar oder Der Butler setzte sich der US-amerikanische Regisseur, Produzent und Drehbuchautor Lee Daniels mit der Geschichte seines Heimatlandes auseinander, insbesondere mit Aspekten wie Rassismus und soziale Ungleichheit. Die Biografie der gefeierten Sängerin Billie Holiday vereint viele dieser Punkte, entwirft aber zugleich ein Porträt der USA in den 1940er und 1950er Jahren als eine Ära geprägt von Konformismus, dem Kalten Krieg und dem Kampf gegen alles „Unamerikanische“. The United States vs. Billie Holiday basiert auf dem Sachbuch Chasing the Scream: The First and Last Days of the War on Drugs von Johann Hari, in welchem unter anderem anhand von Beispielen wie Holiday gezeigt wird, welche teils fragwürdigen Maßnahmen die Behörden im Kampf gegen Drogenkriminalität einsetzten und welche Opfer dies forderte.

Insgesamt muss man einen Film wie The United States vs. Billie Holiday verstehen als eine Mischung aus Künstlerbiografie und einer Art Sozial- oder Verschwörungsdrama. In Suzan Lori-Parks’ Drehbuch wird Holiday als eine Getriebene verstanden, die zwar willens ist, den Kampf gegen das System auszufechten, aber zusehends an dieser Aufgabe zu scheitern droht. Die von Andra Day gespielte Sängerin sieht sich im Zwiespalt zwischen diesem Kampf und der Entschlossenheit auf der einen Seite und der Abhängigkeit auf der anderen Seite. Abhängig ist sie keinesfalls nur von den Drogen oder dem Alkohol, die bisweilen eher wie Begleiterscheinungen eines viel tiefgreifenderen Traumas wirken, sondern auch vom Erfolg und dem Publikum, welches Billie Holiday, die Sängerin wie auch den Star, definiert. Das Perfide, wie es Daniels’ Inszenierung und Parks’ Drehbuch andeuten, ist das Spiel mit dieser Abhängigkeit, die Manipulation des Images, welches nicht mehr länger nur in der Hand der Künstlerin liegt, sondern auch in der eines Systems, das sie am liebsten mundtot machen will.

Ein Exempel

Nicht nur durch Songs wie „Strange Fruit“, sondern vielmehr durch ihren ganzen Lebenswandel ist Holiday die Antithese zur auf Konformismus bedachten USA, innerhalb derer Menschen wie J. Edgar Hoover im Geheimen die Fäden zogen. Das Exzessive bietet eine Plattform für allerlei Tratsch und eine Zielscheibe in den Augen von Menschen wie dem Karrieristen Anslinger, dessen Position innerhalb der Hierarchie des FBI ihn zu einem geradezu menschenverachtenden, machtbesessenen Wesen gemacht hat, zumindest in der Version, die wir im Film sehen. So vereint sich in The United States vs. Billie Holiday das persönliche wie auch gesellschaftliche Drama, wobei der Fokus nicht immer ganz klar zu sein scheint.

Insbesondere die Darstellung Andra Days als Billie Holiday hinterlässt einen nachhaltigen Eindruck beim Zuschauer. Day, die schon mit dem Golden Globe für ihre Darstellung ausgezeichnet wurde und für den Oscar in der Kategorie „Beste Schauspielerin“ nominiert war, spielt überzeugend eine Frau, die in ihren Songs eben jene Dämonen versucht auszutreiben, die bisweilen die Kontrolle über sie übernehmen. Durch ihre Darstellung zeigt sich das Porträt einer Frau, die sich nicht anpassen will, die gehört werden und sich für andere einsetzen will, aber in einen Kampf verwickelt ist, der zusehends aussichtslos erscheint.

Credits

OT: „The United States vs. Billie Holiday“
Land: USA
Jahr: 2021
Regie: Lee Daniels
Drehbuch: Suzan-Lori Parks
Musik: Kris Bowers
Kamera: Andrew Dunn
Besetzung: Andra Day, Trevante Rhodes, Natasha Lyonne, Garrett Hedlund

Bilder

Trailer

Filmpreise

Preis Jahr Kategorie Ergebnis
Academy Awards 2021 Beste Hauptdarstellerin Andra Day Nominierung
Golden Globes 2021 Beste Hauptdarstellerin (Drama) Andra Day Sieg
Bestes Lied Raphael Saadiq, Andra Day Nominierung

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„The United States vs. Billie Holiday“ ist eine Mischung aus Biopic und Drama. Lee Daniels entwirft mehr als nur das Porträt einer Künstlerin, sondern in vielen Momenten auch das Bild einer Zeit, die Anpassung forcierte, meist unter dem Deckmantel des Kampfes gegen Drogen oder gegen eine feindliche Ideologie. Besonders dank seines Ensembles und der unnachahmlichen Songs Billie Holidays ist Daniels wie bereits in seinen vorherigen Filmen ein packendes Porträt über seine Heimat und dessen Geschichte gelungen.
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von 10