2018 »

In Deutschland hat man es als Animationsliebhaber echt nicht immer einfach. Sicher, Filme aus diesem Bereich kommen ohne Ende hierher. Meistens beschränkt sich das Angebot aber auf die großen Blockbuster oder Werke, die sich an eben diesen orientieren. Der Grund: Animationsfilme werden hierzulande gern mit Kinderfilmen gleichgesetzt, bunte, kleine, anspruchslose Geschichten, die den Nachwuchs beschäftigen sollen. Was nicht in dieses Raster passt, wird entweder ignoriert oder gar nicht erst veröffentlicht. Es ist dann schon immer mit einer ziemlichen Wehmut verbunden, wenn sich einmal im Jahr die Animationswelt in Annecy die Hand gibt und zeigt, was in diesem Medium alles steckt. Die ostfranzösische Stadt mag nicht das internationale Flair und den Glamourfaktor von Cannes genießen, dafür gibt es dort regelmäßig leuchtende Augen, wenn von West nach Ost die Künstler ihre neuesten Werke im Gepäck haben – und das schon seit 1960!

Eine reine Nischenveranstaltung ist das Festival international du film d’animation d’Annecy, wie das Filmfest mit vollem Namen heißt, jedoch nicht. 115.000 Besucher in wenigen Tagen, das muss man erst einmal schaffen. Filme aus 85 Ländern werden zu sehen sein, insgesamt 28 Auszeichnung warten darauf, vergeben zu werden. Und auch das Angebot der neuesten Ausgabe vom 12. bis 17. Juni 2017 spricht für sich. So wird Ich – Einfach unverbesserlich 3 von Illumination dort seine Weltpremiere feiern, auch Captain Underpants, das neueste Werk von DreamWorks Animation ist in Annecy bereits zu sehen. Edelschmiede Pixar wiederum ist mit Cars 3 und einem Ausblick auf Coco vertreten.

Ein aufregender Geheimtipp nach dem anderen
Doch so schön diese gesammelte Prominenz auch ist, der eigentliche Reiz von Annecy liegt darin, die vielen kleineren Produktionen aus aller Welt zu entdecken, oft zum ersten, manches zum letzten Mal. Sehr vielversprechend ist beispielsweise Loving Vincent, ein Biopic über Vincent Van Gogh in Gemäldeform. The Man Who Knew 75 Languages ist ein visuell wie inhaltlich spannender Film über Sprache und Identität. Teheran Tabu erzählt von drei selbstbewussten Frauen und einem Musiker, die sich den Einschränkungen im Iran widersetzen. Lu Over the Wall ist das lang erwartete Film-Comeback von Masaaki Yuasa (The Tatami GalaxyMind Game). Und auch die Comic-Adaptionen Mutafukaz sowie The Big Bad Fox and Other Tales versprechen ungewöhnliche Sehgenüsse. Abgerundet wird das Programm durch bewährte Festivalbeiträge wie das Kriegsdrama In This Corner of the World, das rührende Elternporträt Ethel & Ernest, den harten Mobbing-Anime A Silent Voice und das chinesische Fantasy-Abenteuer Big Fish & Begonia.

Außerhalb der reinen Kinosäle warten zahlreiche weitere Angebote auf die Fans: Open-Air-Aufführungen von Klassikern, ein Virtual-Reality-Teil, Signierstunden mit u. a. Tsutomei Nihei (Blame!), Guillermo del Toro (Trollhunter) und Bruno Bozzetto (Signor Rossi), Ausstellungen über die Geschichte des chinesischen Animationsfilms, das Science-Fiction-Urgestein René Laloux (Der phantastische Planet) sowie die Kultserie Es war einmal … das Leben. Und wer sich nach dem vielen Sitzen etwas bewegen mag, der darf an dem Zombie Walk teilnehmen – passend zur französischen Zombiekomödie ZombilleniumMehr Informationen und das komplette Programm findet ihr auf der Homepage www.annecy.org.

Unsere Rezensionen vom Festival d’Animation Annecy 2017



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