(„The Peanuts Movie“ directed by Steve Martino, 2015)

Die Peanuts der Film

„Die Peanuts – Der Film“ läuft ab 23. Dezember im Kino

Charlie Brown stolpert von einem Missgeschick ins nächste, Lucy himmelt Schroeder an, Peppermint Patty schläft im Unterricht, Snoopy erlebt in seiner Fantasie große Abenteuer – es ist ein Tag wie jeder andere bei den Freunden des kleinen Ortes im Mittelwesten der USA. Und doch soll sich an diesem Tag alles ändern, zumindest für Charlie: Das kleine rothaarige Mädchen tritt in sein Leben, erobert sein Herz schon beim ersten Anblick. Für den Jungen ist klar, dass er den Engel irgendwie für sich gewinnen muss. Doch das ist gar nicht so einfach, wenn man ein schüchterner Verlierer ist, der von anderen regelmäßig übersehen wird.

Auch ein Hund muss heute mit der Zeit gehen, so scheint es. Nachdem bereits Heidi, Wicki und die starken Männer, Die Biene Maja, SpongeBob, Asterix und Tim & Struppi den Sprung in die Welt der 3D-Animation gewagt haben – für manche auch erduldet –, sind es nun die altehrwürdigen Peanuts, welche das Schicksal ereilt. Nicht wenige sahen im Vorfeld darin ein Sakrileg. War es wirklich nötig, unsere Kindheitshelden, die jahrzehntelang in Comics und Zeichentrickfilmen ihre Heimat hatten, jetzt auch zwangsmodernisieren zu lassen? Das vielleicht nicht. Während die oben genannten Kollegen optisch zum Teil recht viel von ihrem Charme einbüßen mussten, sind Regisseur Steve Martino und das Animationsstudio Blue Sky Studios (Ice Age, Rio) dem Original aber erstaunlich nahegekommen.

Natürlich haben die computergenerierten Neuauflagen mehr Plastizität als die Vorlagen, durch den Verzicht auf große Kamerafahrten und die tendenziell frontal oder von der Seite gezeigten Figuren wirken Snoopy, Charlie Brown und Co. aber immer noch so, als wären sie auf zwei Ebenen unterwegs. Das könnte den weniger nostalgisch veranlagten Zuschauern etwas altmodisch erscheinen, allerdings geht es bei Die Peanuts eben auch im großen Maße genau darum, die bekannten Bilder nachzuahmen. Das geht so weit, dass Augen und Augenbrauen mitunter außerhalb des Körpers sind, so wie man es von Comics früher eben gewohnt war.

Auch inhaltlich blieb man sich wohltuend treu: Es gibt keine selbstironischen Verweise, keine popkulturellen Anspielungen, keine aufgezwängten Actionszenen. In der Welt der Peanuts läuft noch immer keiner mit einem Handy zurück, telefoniert wird mit Schnurtelefonen. Und auch die nie sichtbaren Erwachsenen sprechen in dem von damals gewohnten Kauderwelsch, im Film haben letztendlich nur die Kinder etwas zu sagen. Die Zielgruppe ist dabei klar etwas weiter unten im Altersspektrum angesetzt, aber auch Erwachsene dürfen in Erinnerungen schwelgen, sich an eine – zugegeben idealisierte – Zeit zurückerinnern, als man sich mit Freunden draußen traf, um Sport zu machen, Drachen steigen zu lassen oder Schneemänner zu bauen. Eine Zeit vor Facebook, virtuellen Freundschaften und einer allgegenwärtigen medialen Beschallung. Lediglich die etwas unpassenden Poplieder erinnern einen daran, dass man sich tatsächlich im Jahr 2015 befindet und nicht etwa in den 50ern/60ern.

Wie Star Wars: Episode VII – Das Erwachen der Macht ergibt sich aber auch Die Peanuts – Der Film ein wenig zu sehr der Nostalgie. Soll heißen: Hier wird zu keiner Zeit ein neues Kapitel in der Geschichte der beliebten Figuren aufgeschlagen, stattdessen werden bekannte und bewährte Szenen aneinandergereiht. Hier darf nahezu jeder aus dem Comic einmal auftreten, genau das machen, was die schon immer gemacht haben, ohne dass dabei eine eigene Geschichte erzählt würde – abgesehen von dem etwas unpassenden Ende. Und das ist bei den Vorschulkindern und dem vorlauten Beagle noch ein bisschen bedauerlicher, da hier im Gegensatz zu den Sternenkriegern kein weiterer Film geplant ist, der von Craig und Bryan Schulz – Sohn und Enkel des Peanuts-Erfinders Charles M. Schulz – entwickelte Auftritt soll eine einmalige Zusammenarbeit sein.

Aber vielleicht stimmen die bislang ordentlichen Einspielergebnisse die Erben und Studiobosse ja noch einmal um. Die passende Technik steht ihn schon zur Verfügung, bei einem etwaigen zweiten Abenteuer wäre dann auch mehr Raum für inhaltliche Eigenwege. Aber selbst wenn Die Peanuts – Der Film zu sehr auf Nummer sicher geht, sich auch recht deutlich an den späteren harmlosen Comicstrips der Rasselbande orientiert, so ist die Neuauflage ein wirklich schöner Animationsfilm geworden, klassisch und modern zugleich, der den Figuren mehr als gerecht wird und dabei traditionelle Tugenden wie Ehrlichkeit, Freundschaft und Hilfsbereitschaft propagiert. Und das sind Punkte, die auch 65 Jahre nach dem ersten Comicauftritt nicht aus der Mode gekommen sind.



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Die Peanuts – Der Film
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Die Peanuts – Der Film
„Die Peanuts – Der Film“ ist trotz seiner 3D-Technik ein wohltuend altmodischer Film, der inhaltlich wie optisch seine Vorlage respektiert und dieser auch gerecht wird. Ein bisschen mehr Eigenständigkeit wäre dennoch schön gewesen, man begnügte sich mit einer Aneinanderreihung bekannter Szenen.
7von 10

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