(OT: „Cipka“, Regie: Renata Gasiorowska, Polen, 2016)

Wir alle haben bestimmt schon mal das Gefühl gehabt, dass unsere Geschlechtsorgane ein Eigenleben führen. Das kann mal bewusst herbeigeführt werden, gerade auch beim Betrachten einschlägiger Literatur oder illustrativer Filme. Manchmal passiert es aber auch einfach so, aus heiterem Himmel. So wie bei der jungen Protagonistin in dem schlicht wie passend Pussy betitelten Zeichentrick-Kurzfilm. Sie sitzt auf dem Sofa, lässt es sich gutgehen, als ihre Vagina sich plötzlich von ihrem Körper löst und wild durch die Gegend springt. Dabei erinnert es manchmal an ein possierliches Tierchen, kann aber auch zu einer gefährlichen Bestie werden, wenn es die Situation erfordert – bei männlichen Übergriffen zum Beispiel.

Nur begrenzt witzig
Das könnte man wohlwollend als feministisches Statement feiern. Als eine Selbstbehauptung, dass auch Frauen ein Anrecht auf Spaß haben. Insgesamt ist Pussy dann aber doch eine eher wenig ambitionierte Angelegenheit. Anfangs ist das noch etwas spaßig, allein schon der Absurdität der Situation wegen. Auch die Ungeschicklichkeit der auf einmal geschlechtslosen Figur ist zumindest für das eine oder andere Schmunzeln gut. Aber eben auch nicht wirklich mehr, dafür wiederholt sich der Mini trotz einer Laufzeit von nur knapp mehr als 8 Minuten zu sehr, die Lacher sind für eine Komödie eher sparsam.

Visuell ist das ebenso simpel gehalten wie der Inhalt. Am ehesten fällt noch die ungewöhnliche Farbgebung auf, die ausschließlich aus weiß, rot und blau besteht. Vielleicht noch die seltsame Nase der Protagonistin. Ansonsten ist Pussy eher weniger fürs Auge gedacht. Der Animationsmini ist einer dieser typischen Selfmadegeschichten, bei denen Animationen und Designs rudimentär sind, auch die Perspektiven nicht immer so ganz stimmen. Ein passabler, leicht absurder Zeichentrick für zwischendurch, der über seine originelle Grundidee hinaus relativ wenig bietet.



(Anzeige)

Pussy
Die Vagina einer Frau wird zu einem kleinen Tier und macht sich selbständig, das ist eine nicht ganz alltägliche Situation in einem Zeichentrickfilm. Die originelle Idee verbraucht sich aber relativ schnell, Humor und Optik sind zu simpel, als dass aus „Pussy“ mehr als ein passabler Zeitvertreib würde.
5von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

Hinterlasse eine Antwort