
Skrupel? Die kannte Robin Hood (Hugh Jackman) nie. Wenn es darum ging, andere um ihr Hab und Gut zu erleichtern, scheute er vor nichts zurück. Dabei hat er so viele Menschen getötet, dass er sie schon gar nicht mehr zusammenbekommen würde. Zwar ist er in die Jahre gekommen, der Zahn der Zeit macht auch vor dem Wegelagerer nicht Halt. Anlegen sollte man sich dennoch nicht mit ihm. Das müssen nicht nur die Angehörigen seiner Opfer erfahren, von denen viele auf Rache aus sind. Auch die Entführer der Familie seines alten Freundes Little John (Bill Skarsgård) stellen bald fest, dass der greise Eremit nicht so harmlos ist, wie er nach außen hin erscheint …
Der Volksheld als Massenmörder
Er gehört zu den großen Figuren aus der britischen Folklore: Robin Hood. Der Legende nach stahl er nur von den Reichen und verteilte die Beute an die Armen, womit er bis heute viel Strahlkraft ausübt. Nicht wenige sehen in ihm einen Helden, ein Vorbild gar – besonders in Zeiten, in denen Schere zwischen arm und reich weiter auseinandergeht. Kein Wunder also, dass er unzählige Male in Filmen und Serien verarbeitet wurde. Ob nun der Klassiker Robin Hood, König der Vagabunden (1938) mit Errol Flynn, der Disney-Zeichentrickfilm Robin Hood von 1973 oder auch Robin Hood – König der Diebe (1991), wo Kevin Costner die mythische Figur spielte, die Liste ist lang. Doch nicht jeder Anlauf glückte. So scheiterte Taron Egerton 2018 mit Robin Hood an der Aufgabe, den Stoff für ein gegenwärtiges Publikum interessant zu machen. Bei The Death of Robin Hood ist das sowieso fraglich, denn hier schielte man offensichtlich nicht auf große Einspielergebnisse.
Dabei haben auch an dieser Fassung namhafte Leute gearbeitet. Das Aushängeschild ist natürlich Hugh Jackman, der hier als Antiheld auftritt. Hinzu kommen unter anderem Jodie Comer in der Rolle einer Nonne sowie Bill Skarsgård, der den alten Wegbegleiter mimen darf. Aufhorchen lässt zudem, wer hinter der Kamera stand: Michael Sarnoski. Dieser machte gleich mit seinem Debütfilm Pig von sich reden, wo Nicolas Cage als Eremit zu sehen war, der sein entführtes Trüffelschwein zurück will. Das klang nach einem beliebigen Rachethriller, war aber vielmehr das tieftraurige Porträt eines Außenseiters. Anschließend wendete er sich mit A Quiet Place: Tag Eins einem konventionelleren Blockbusterkino zu. The Death of Robin Hood ist nun sein dritter Film und irgendwo zwischen den beiden anderen angesiedelt.
Schwer erträglich
So ist seine Fassung der bekannten Figur wieder deutlich sperriger als sein Ausflug zu den Aliens. Der Film ist recht langsam erzählt, so langsam, dass viele im Publikum unterwegs die Geduld verlieren dürften. Zumal die Entwicklung sich in Grenzen hält. Das bedeutet aber nicht, dass während der zwei Stunden nichts passiert. Schon früh macht The Death of Robin Hood klar, dass das hier keines der farbenfrohen Abenteuer wird, mit denen die meisten die Titelfigur in Verbindung bringen werden. Es dominieren Grautöne, es dominiert die Gewalt. Dabei wird auch niemand geschont, nicht einmal Kinder. Vor allem nicht Kinder. Die Vergleiche zu The Northman drängen sich geradezu auf, wenn der Auftritt des Volkshelden zu einem dreckigen und brutalen Massaker wird, sich Sarnoski gerade im Dreck und im Blut suhlt.
Das ist beeindruckend, manchmal schwer zu ertragen. Und auch bei den ruhigen Momenten sind immer mal wieder welche dabei, wofür sich der Film lohnt. Anstatt die übliche Heldenballade zu singen, wie man das eben gewohnt ist, ist The Death of Robin Hood eine Zerstörung des Mythos, aus dem Idol wird ein skrupelloser Mörder. Dabei gelingt es Jackman, hinter dieser verlottert-unbarmherzigen Fassade durchaus das Menschliche zu finden, ohne dabei die Taten zu relativieren. Wir lernen einen Mann kennen, der in dieser Gewalt gefangen ist und selbst keinen Ausweg mehr findet – oder finden will. Das ist schon sehenswert, nur eben lang. Der Film tut zu wenig dafür, um diese Laufzeit zu rechtfertigen, bringt keine Dynamik, keine neuen Einsichten. So imposant der Einstieg ist, irgendwann ist das dann alles zu viel, der Schockfaktor macht einer Eintönigkeit Platz.
OT: „The Death of Robin Hood“
Land: USA
Jahr: 2026
Regie: Michael Sarnoski
Drehbuch: Michael Sarnoski
Musik: Jim Ghedi
Kamera: Pat Scola
Besetzung: Hugh Jackman, Jodie Comer, Bill Skarsgård, Murray Bartlett, Noah Jupe
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