Robin Hood 2018

„Robin Hood“ // Deutschland-Start: 10. Januar 2019 (Kino) // 23. Mai 2019 (DVD/Blu-ray)

Die Aussichten des jungen Adeligen Robin von Locksley (Taron Egerton) waren bis vor Kurzem recht rosig gewesen. Geld stand ihm jede Menge zur Verfügung, zudem ist er mit der schönen Marian (Eve Hewson) liiert. Doch dann wurde er einbezogen und soll für den Sheriff von Nottingham (Ben Mendelsohn) während der Kreuzzüge kämpfen. Als er zurückkehrt ist alles anders. Seine Besitztümer wurden gepfändet, Marian ist mit Will (Jamie Dornan) zusammen, da es hieß Robin sei während der Kriege gestorben, die Bevölkerung Englands ist komplett verarmt. Also beschließt er, die Sache selbst in die Hand zu nehmen und beginnt mit dem arabischen Krieger John (Jamie Foxx) die Reichen auszurauben.

Das mit den alten Klassikern, die inzwischen zum Public Domain gehören, ist ja immer so eine Sache. Auf der einen Seite müssen Filmstudios hierfür kein Geld ausgeben und können sich zudem sicher sein, dass praktisch jeder weiß, worum es da geht. Auf der anderen Seite sind solche Allzweckwaffen aber auch nicht ganz leicht zu verkaufen. Warum sollte ich mir jetzt ausgerechnet diese Version anschauen und dafür eine Kinokarte lösen, anstatt mir eine der Dutzenden vorherigen Adaptionen zu Gemüte zu führen?

Lasst es Feuer regnen!
Also wird wie blöde investiert, 100 Millionen Dollar soll Robin Hood gekostet haben. Ein bisschen was ging dabei sicher für die Besetzung drauf, die zwar keine absoluten Schwergewichte vorweisen kann, aber doch genügend Gesichter, die das Publikum wiedererkennen kann. Der Rest wurde in die Spezialeffekte investiert. Denn auch wenn die Geschichte vor einigen Jahrhunderten spielt, für die Filmemacher war das noch kein Grund, an den Explosionen zu sparen. Also kracht und rumst es hier unentwegt, egal ob das nun gerade Sinn ergibt oder nicht.

Wobei das am Anfang sogar noch irgendwie ganz lustig ist. Irgendjemand kam nämlich auf die Idee, die Kreuzzüge optisch an den Irakkrieg anzulehnen. Robin Hood sieht daher wie ein ganz regulärer Wüsten-Kriegsfilm aus, mit richtig schöner Armeekleidung. Der Unterschied: Hier kommen statt Gewehren Pfeil und Bogen zum Einsatz. Auch später wird natürlich fleißig gekämpft, wenn es zurück ins gute alte England geht. Dann sind jedoch dunkle Gemäuer und enge Gassen angesagt, statt heller Kleidung geht es in vermummter Tracht an den Speck.

Nicht alles Lächerliche ist auch zum Lachen
Zum Lachen ist einem zu diesem Zeitpunkt aber nur noch selten zumute. Manchmal tun die Drehbuchautoren zwar einiges dafür, dass es noch dazu kommt, teils beabsichtigt – Oneliner sind im Mittelalter angekommen –, oft unbeabsichtigt. Doch die gelegentlichen Erheiterungen über die selten dämlichen Dialoge treten im Vergleich zu dem ganzen Ärger, der sich nun aufstaut, schnell in den Hintergrund. Jeder macht, was er will, die Geschichte zerfällt in lauter Einzelszenen, die weder für sich noch in Kombination miteinander funktionieren. Wäre das Ganze dann wenigstens konsequent auf Trash gebürstet, hätte das ja durchaus Spaß machen können. Aber noch nicht einmal dazu reicht es bei Robin Hood, dessen besten Momente noch die sind, in denen man sich „nur“ langweilt.

Dabei bringt der aus Kingsman: The Secret Service bekannte Taron Egerton ja durchaus jede Menge Lausbubencharme mit sich, um mit ihm ein paar fiese, korrupte Politiker und Geistliche ärgern zu wollen. Ohne die passenden Dialoge bringt aber auch das herzlich wenig. Ben Mendelsohn geht es keinen Deut besser mit seiner Interpretation zwischen Hysterie und prunkvoller Kellerschmiere. Und so ist das Ganze letztendlich doch eine reine Geld- und Zeitverschwendung. Diebstahl sogar. Wer dachte, die anderen Big-Budget-Revivals wie Legend of Tarzan oder King Arthur: Legend of the Sword seien überflüssig gewesen, der darf sich hier noch auf ein ganz anderes Kaliber gefasst machen, ein derart dreist zusammengestückeltes Bombastnichts auf die Leinwand bringen zu wollen, das ist schon eine ziemliche Frechheit.



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Robin Hood (2018)
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Robin Hood (2018)
Man nehme ein Irakkrieg-Ambiente, zahlreiche überflüssige Explosionen sowie diverse bekanntere Darsteller, die einen unsinnigen Satz nach dem anderen sagen dürfen: „Robin Hood“ will die altbekannte Geschichte um den Dieb, der von den Reichen nimmt, mächtig aufmotzen und greift dabei mächtig daneben. Das ist selten unterhaltsam, manchmal langweilig, oft eine Frechheit und insgesamt eine einzige Verschwendung von Zeit und Geld.
3von 10

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