
Matt Hagen (Tom Rhys Harries) hat es geschafft: Der blendend aussehende Schauspieler hat sich aus einfachsten Verhältnissen nach oben gekämpft und ist jetzt sogar im Rennen um einen Oscar für den besten Hauptdarsteller! Sein Höhenflug endet jedoch jäh, als er die Nacht mit Mia (Joana Ribeiro) verbringt, die er in einem Club kennengelernt hat. Dummerweise ist ihr Freund aber der einflussreiche Gangsterboss Markos Szabo (David Dencik), der Matts Gesicht mit großem Genuss so sehr verunstaltet, dass dieser nie wieder eine Rolle bekommen wird. Da herkömmliche Schönheitsoperationen nicht viel bringen und die Ersparnisse bald aufgebraucht sind, lässt er sich auf wissenschaftliche Experimente ein, die von Dr. Caitlyn Corr (Naomi Ackie) durchgeführt werden. Tatsächlich sieht Matt bald aus wie immer. Doch er ahnt nicht, dass dies mit Nebenwirkungen verbunden ist …
Die Anfänge eines Comic-Schurken
War es das jetzt schon wieder für das DC Universe? Der mit großen Erwartungen verbundene Neustart der Filmreihe kriselt zumindest. So war der Auftakt Superman zwar kein Superhit, lief aber ganz gut und erhielt auch positive Kritiken. Vom zweiten Film Supergirl kann man das nicht behaupten: Die Reaktionen waren verhalten, die Comic-Adaption floppte böse an den Kinokassen. Nun soll Clayface dabei helfen, wieder in die Spur zu kommen. Die Chancen dafür dürften jedoch nicht ganz so gut sein. Schließlich hat der Film nicht so wahnsinnig viel mit dem zu tun, was man mit solchen Comic-Superhelden-Filmen verbindet. Ein großer Unterschied: Es ist eben kein Superheld. Stattdessen ist er einer der vielen Schurken, gegen die Batman immer wieder antreten darf.
Da drängt sich natürlich der Vergleich zu Joker auf, das 2019 zu einem echten Überraschungshit wurde. In beiden Filmen soll gezeigt werden, wie jemand dazu getrieben wird, etwas Böses zu tun, also den Menschen hinter dem Monster zu zeigen. Das kann ganz spannend sein, braucht aber auch ein gewisses Fingerspitzengefühl. Schließlich muss die Hauptfigur Identifikationsfläche mitbringen. Bei Matt ist es jedoch so, dass er das Unglück selbst provoziert hat. Wer geht denn mit der Partnerin eines Gangsterbosses ins Bett? Dass er später ungeniert seine verlobte Ärztin anbaggert, hilft auch nicht unbedingt dabei, aus dem Protagonisten einen Sympathieträger zu machen. An anderer Stelle wird in Clayface schon versucht, ihn aufzuwerten, wenn seine schwierige Herkunft thematisiert wird. Das fügt sich aber nicht zu einem stimmigen Gesamtbild zusammen. Ambivalenz kann spannend sein, Konzeptlosigkeit ist es nicht.
Zwischen Body Horror und Willkürlichkeit
Besser wird es, wenn sich der Film auf die besondere Fähigkeit der Figur konzentriert. So besteht diese wie in den DC Comics darin, den Körper zu verändern, was je nach Situation eine Waffe oder eine Imitation anderer Menschen sein kann. Der genreerfahrene Regisseur James Watkins (Speak No Evil, Die Frau in Schwarz) weiß auch durchaus, wie er diese in Szene setzen kann. Da sind immer wieder Passagen drin, die auf die eine oder andere Weise spannend sind. Allerdings verpasst es Clayface, das alles auch vernünftig aufzubauen. Im einen Moment ist Matt noch völlig überfordert, ist getrieben von Änderungen, die er gar nicht beeinflussen kann. Im nächsten ist er so versiert darin, diese Fähigkeit zu verwendet, als hätte er nie etwas anderes getan. Und auch bei der Entwicklung der Figuren darf das eine oder andere Fragezeichen gesetzt werden.
Insgesamt ist es dann auch gerade der Inhalt, der enttäuschend ausgefallen ist. Schließlich geht die Geschichte auf Mike Flanagan zurück, der wie kaum ein anderer versteht, Horror und menschliches Drama miteinander zu verknüpfen – zuletzt gesehen in Carrie. Hier gelingt es jedoch nicht, den Film mit interessanten Charakteren anzureichern. Aufgrund der eher schwachen Horrorkonkurrenz im Kino könnte es zwar schon sein, dass Clayface kurz vor Halloween sein Publikum findet. Und doch bleibt ein wenig Ernüchterung, weil die Idee hinter dem Film so viel mehr hergegeben hätte und zwischendurch auch immer wieder das Potenzial durchblitzt.
OT: „Clayface“
Land: USA
Jahr: 2026
Regie: James Watkins
Drehbuch: Mike Flanagan, Hossein Amini
Musik: Volker Bertelmann
Kamera: Rob Hardy
Besetzung: Tom Rhys Harries, Naomi Ackie, David Dencik, Max Minghella, Eddie Marsan, Joshua James
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