Was geschieht, wenn eine abgelegene Dorfgemeinschaft mit einer Bedrohung konfrontiert wird, die sich jeder vertrauten Erklärung entzieht? In Hope wird ein kleines südkoreanisches Küstendorf zum Schauplatz eines Überlebenskampfes, bei dem die Menschen bald feststellen müssen, dass sie es mit weit mehr als einem gefährlichen Tier zu tun haben. Na Hong-jin verbindet dabei Science-Fiction, Horror und rasante Action mit schwarzem Humor.
Mit The Chaser, The Yellow Sea und The Wailing-Die Besessenen hat der südkoreanische Regisseur bereits gezeigt, wie gerne er die Grenzen des Genrekinos auslotet. Mit Hope (Kinostart: 8. Oktober 2026) erweitert er seinen filmischen Kosmos nun um außerirdische Wesen. Im Gespräch erzählt er von seiner Liebe zum Western, seinem Wunsch, mit jedem Film etwas Neues zu lernen, und den unterschiedlichen Arbeitsweisen bei seinen Dreharbeiten. Außerdem spricht er über Hollywood-Vorbilder und die geplante Fortsetzung der Geschichte.
In Ihren bisherigen Filmen gab es bereits Verfolgungsjagden zu Fuß und mit Autos, aber die Verfolgungen zu Pferd sind etwas Neues. Sie gehören zu den schönsten, die ich seit Langem gesehen habe. Woher kam die Inspiration dafür? Welche Western mögen Sie, und was halten Sie von Cowboys & Aliens, der eine ähnliche Grundidee verfolgt?
Ich habe Cowboys & Aliens noch nicht gesehen, werde ihn mir aber ansehen. Es ging weniger darum, eine Inspiration für die Verfolgungsjagden zu Pferd zu finden, als um die Frage, was sich mitten im Wald mit hoher Geschwindigkeit bewegen kann. Während ich an diesem Film arbeitete, entwickelte ich auch zwei Drehbücher, die ich aus den USA erhalten hatte und selbst verfilmen sollte. Beide waren Western: einer ein sehr klassischer, der andere ein deutlich modernerer. In beiden Geschichten spielten Pferde eine zentrale Rolle, und ich hatte mich lange mit diesen Drehbüchern beschäftigt. Deshalb kam ich bei diesem Film wohl ganz selbstverständlich wieder auf Pferde zurück. Ob ich Western mag? Ja, ich liebe sie. Ich schätze beispielsweise die Arbeit von Sergio Leone und seine Filme sehr.
Mit jedem Film scheinen Sie Ihren Horizont zu erweitern und neue visuelle und erzählerische Herausforderungen zu suchen. Sie begannen mit The Chaser, einem Thriller über einen Serienmörder, gingen später mit The Wailing – Die Bessessenen in eine andere Richtung und wenden sich nun der Science-Fiction zu. Warum haben Sie das Bedürfnis, Ihren Horizont immer weiter auszudehnen?
Als ich vor zwanzig Jahren zum Film kam und die Möglichkeit erhielt, eigene Filme zu drehen, gab ich mir selbst ein Versprechen. Ich war dankbar für diese Chance und wollte sie bis zum Schluss nutzen, indem ich immer weiterlerne. Bei der Arbeit an einem einzigen Film kann man unglaublich viel lernen, vom ersten Schreiben des Drehbuchs bis zur Fertigstellung. Ich habe nicht das Gefühl, dass jetzt der Zeitpunkt gekommen ist, diesen Prozess einfach zu wiederholen und nur das anzuwenden, was ich bereits gelernt habe. Ich möchte weiterhin Dinge erkunden, die ich noch nicht erlebt habe, Neues lernen und in diesen neuen Bereichen Filme machen, innerhalb des Genrekinos.
Diese Leidenschaft für das Weiterlernen ist nach wie vor sehr stark. Vielleicht werde ich irgendwann einen Punkt erreichen, an dem es für mich kein neues Gebiet mehr zu entdecken gibt. Dann werde ich sicherlich Filme in Genres machen, in denen ich bereits gearbeitet habe. Ich weiß nicht, wann das sein wird. Im Moment möchte ich einfach weiter hart arbeiten. Zugleich hoffe ich, dass dieser Zeitpunkt bald kommt, denn ich glaube, dass ich dann noch tiefgründigere Filme machen kann.
Welche Ihrer bewährten Arbeitsweisen mussten Sie für Hope am stärksten verändern, und welche erwies sich gerade bei diesem Film als unverzichtbar?
Bei The Chaser und The Yellow Sea behandelte ich das Storyboard beinahe wie eine Bibel und hielt mich sehr genau daran. Ich dachte damals, so müsse man Filme machen. Außerdem fühlte ich mich mit dieser Arbeitsweise am wohlsten. Bei den Dreharbeiten zu The Wailing gab es hingegen kein Storyboard, keinen Plan und keine festgelegte Vorgehensweise. Ich ging mit meinen Schauspielern und meinem Kameramann hinaus, und wir drehten sehr impulsiv und spontan. Bei Hope war die Vorproduktion wiederum sehr präzise und detailliert. Alle Elemente innerhalb einer Einstellung waren vorbereitet, bevor wir ans Set gingen. Ich denke, jeder Film verlangt eine bestimmte Arbeitsweise. Entscheidend ist, die passende Art der Vorbereitung für das jeweilige Werk zu finden.
Bei meinem nächsten Film, den ich gerade schreibe, möchte ich viel freier arbeiten. Ich möchte weniger vorbereiten, mit meinem Team und den Künstlern zusammenarbeiten, mehr an sie delegieren und beim Drehen größere Freiheit haben. So empfinde ich es heute.
Haben Sie den letzten Resident Evil-Film gesehen? Ich erkenne einige Ähnlichkeiten zu Hope. Gibt es in der Erzählweise und im Verlauf Ihres Films eine gewisse Videospiel-Logik? Und steckt in Hope auch etwas von John Carpenter?
Dieser Film ist Teil einer Reihe. Um die Geschichte abzuschließen, braucht es weitere Filme. Es gibt noch Geschichten, die darauf warten, umgesetzt und produziert zu werden, vielleicht in ein oder zwei weiteren Filmen. Dieser Film bildet den Anfang der Reihe und legt die Grundlage für die Geschichte. Der nächste Film wird einen anderen Stil, eine andere Atmosphäre und eine andere Geschichte haben, die aus einer anderen Perspektive erzählt wird.
Bei diesem Film hatte ich das Gefühl, der Struktur des klassischen Hollywoodkinos und der Hollywood-Actionfilme eine Hommage zu erweisen. Das erschien mir für den Anfang notwendig. Ich wollte unbedingt, dass der Film etwas Handgemachtes hat, obwohl darin eine mit visuellen Effekten geschaffene Kreatur auftaucht. Auf diese Weise sollte er ein sehr ungewöhnlicher Film werden.
Sie haben John Carpenter erwähnt, und natürlich hat er die Entstehung dieses Films beeinflusst. Ein weiterer Regisseur wäre Steven Spielberg. Seine Filme hatten einen enormen Einfluss. Sicherlich haben auch viele andere Filmschaffende dazu beigetragen. Den letzten Resident Evil-Film habe ich leider nicht gesehen. Ich werde ihn auf meine Liste setzen. Deshalb kann ich zu den Ähnlichkeiten nicht viel mehr sagen. Dieser Film wurde von vielen anderen beeinflusst. Bei der Inszenierung einer Verfolgungsjagd mit Autos etwa ist es, denke ich, unvermeidlich, dass andere Filme, die wir früher gesehen haben, Einfluss darauf nehmen. Deshalb ist es sehr nachvollziehbar, dass Sie Ähnlichkeiten zwischen diesen Filmen erkennen.
Welche Rolle spielt der wirtschaftliche Erfolg eines Films für die Finanzierung weiterer Projekte, und wie hat die Arbeit an Hope Ihren Blick auf die Filmbranche verändert?
Das ist ein Problem, das uns immer wieder beschäftigt. Es ist ja nicht so, dass man mit einem Film Geld verdient, es beiseitelegt, dort ansammelt und anschließend für den nächsten Film verwendet. Für jedes neue Projekt braucht man neues Geld, neues Kapital und eine neue Finanzierung, unabhängig davon, ob die bisherigen Filme Gewinn gemacht haben oder nicht. Dazu kommen all die Berechnungen von Verlusten und Gewinnmargen. Wenn es einen großartigen Film gibt, der gemacht werden soll, wird er entstehen, unabhängig davon, wie dieser Film abgeschnitten hat. Wenn es dagegen keinen großartigen Film gibt, den man machen möchte, wird er auch nicht entstehen, ganz gleich, wie erfolgreich dieser Film gewesen ist.
Nach dieser Erfahrung hatte ich verschiedene Gedanken. Einer davon war das Gefühl, dass die Welt immer kleiner wird. Der Wettbewerb wird immer härter, und unsere Branche bewegt sich mit enormer Wucht und Geschwindigkeit in eine bestimmte Richtung. Das waren einige meiner Überlegungen nach dieser Erfahrung.
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