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Tom Hiddleston in "Tenzing" (© Apple TV)

Tom Hiddleston [Interview]

In Tenzing (Start: 16. Oktober 2026 auf Apple TV) schlüpft Tom Hiddleston in die Rolle des legendären Bergsteigers Sir Edmund Hillary. Im Interview spricht der Schauspieler über die intensive Vorbereitung im Himalaya, die körperlichen Herausforderungen beim Dreh unter extremen Bedingungen und darüber, wie die Erfahrung in den Bergen seinen Blick auf Natur und Vergänglichkeit verändert hat. Außerdem erzählt er von der besonderen Verbindung zwischen Hillary und Tenzing Norgay, die 1953 gemeinsam als erste Menschen den Gipfel des Mount Everest erreichten.

Für die Vorbereitung auf den Film bist du gemeinsam mit Genden Phuntsok durch Nepal gereist und ihr seid den Spuren von Tenzing Norgay und Edmund Hillary gefolgt. Wie hat diese Erfahrung deine Vorbereitung auf die Rolle geprägt?

Das war eine geniale Idee unserer Regisseurin Jennifer Peedom. Ich kam in Nepal an und war innerhalb von zwölf oder fünfzehn Stunden mit Dr. Nema Sherpa, einem auf Höhenmedizin spezialisierten Arzt aus dem Khumbu-Tal, in einem Helikopter nach Lukla unterwegs. Dort landete ich morgens am Tenzing-Hillary Airport. Unter dem Schild mit diesem Namen warteten Genden Phuntsok und Phurba Tashi auf mich, ein Sherpa, der den Everest 21-mal bestiegen hat. Wir haben uns die Hand gegeben und umarmt, direkt neben einer großen Statue von Tenzing und Hillary. Es fühlte sich wie der perfekte Anfang an. In den folgenden sechs oder sieben Tagen sind Phuntsok und ich dann so weit wie möglich in Richtung Everest Base Camp gewandert und damit den Spuren von Tenzing und Hillary gefolgt. Wir waren sechs oder sieben Stunden am Tag unterwegs und haben täglich zwischen 500 und 1.000 Höhenmeter zurückgelegt. Wir haben viel darüber gesprochen, was dieser Film bedeutet, über die Berge und über die Stärke und den Glauben dieser beiden Männer, die Geschichte geschrieben und das scheinbar Unmögliche möglich gemacht haben.

Hat die Zeit in den Bergen auch deine eigene Beziehung zur Natur verändert?

Für mich war das eine einmalige Erfahrung. Ich habe so etwas noch nie zuvor erlebt und werde es vielleicht auch nie wieder erleben. In diesen hohen Bergen zu sein, bedeutet, die Kraft und Erhabenheit der Natur zu erfahren. Es erinnert mich an das, was Menschen erzählen, die sehr viel Zeit im Meer verbringen – beim Surfen oder Tauchen. Man befindet sich in einer Umgebung, die viel älter und mächtiger ist als ein menschliches Leben. Sowohl der Ozean als auch die Berge können einem Ehrfurcht und Demut vermitteln. Im Himalaya wird einem bewusst, wie kurz und klein ein menschliches Leben eigentlich ist. In die Berge zu gehen, hat etwas Spirituelles. Der Körper arbeitet, während der Kopf sehr ruhig wird. Darin liegt eine gewisse Gelassenheit und ein Frieden. Deshalb haben wir auch die Pflicht, dieses Gleichgewicht und die Schönheit dieser Orte zu bewahren.

Wie schwierig war es, Edmund Hillary in seiner Heimat Neuseeland zu spielen?

Das war für mich eine außergewöhnliche Aussicht. Hillary ist dort bis heute eine Legende, sein Gesicht ist auf dem Fünf-Dollar-Schein. Gleichzeitig waren wir von unglaublich viel Expertise umgeben. Unser leitender Sicherheitsexperte in den Bergen war Guy Cotter, einer der großen Alpinisten unserer Zeit. Er hat den Everest sechsmal bestiegen und sein Vater Ed Cotter war einer von Hillarys besten Freunden. Am ersten Tag wurden Phuntsok, Willem Dafoe und ich auf den Grund einer Gletscherspalte gebracht und uns wurde gesagt: „Okay, jetzt klettern wir diese Eiswand wieder hoch.“ Wir lernten, mit dem Eispickel Stufen ins Eis zu schlagen. Als wir völlig außer Atem oben ankamen, sagte der Bergsteiger Barry Blanchard zu mir: „High-altitude mountaineering is the fine art of suffering. Welcome.“ Aber wir hatten ein unglaubliches Team um uns herum und fühlten uns dadurch immer unterstützt.

Wie hat sich diese körperliche Belastung während der Dreharbeiten tatsächlich angefühlt?

Es war eine Lernerfahrung darüber, wie mein eigener Körper mit solchen Bedingungen umgeht. Wir waren natürlich nicht in der sogenannten Todeszone des Everest. Oberhalb von etwa 8.000 Metern gibt es so wenig Sauerstoff, dass die Zellen schneller sterben, als der Körper neue produzieren kann. Man stirbt buchstäblich, während man hinauf- und wieder hinabsteigt. Ich bin froh, sagen zu können, dass ich das selbst nicht erlebt habe. Aber ich habe die Kälte besonders in meinen Fingern und Zehen gespürt. Meine Haut und meine Finger sind unter den Handschuhen aufgerissen. Gleichzeitig braucht man seine Hände ständig – um die Steigeisen zu befestigen oder sich am Berg festzuhalten. Als wir mit Phuntsok die Sequenz am Hillary Step drehten, waren meine Hände völlig rissig. Aber man hält sich fest, weil man nicht herausfinden möchte, was passiert, wenn man loslässt.

Ihr habt viele dieser Szenen tatsächlich unter extremen Bedingungen gedreht. Hat das auch die Verbindung innerhalb des Teams verändert?

Absolut. Wir sind diesen Herausforderungen regelrecht entgegengelaufen, weil es so aufregend war, das wirklich zu erleben. Wir wurden zu einem Team. Wir waren gemeinsam auf dem Berg und haben alle dasselbe erlebt: diese Ehrfurcht, die Schönheit, die Höhe, die Kälte, das Eis, den Schnee und den Wind. So etwas schweißt einen sehr eng zusammen. Ich erinnere mich auch daran, wie wir während der Vorbereitung morgens um fünf durch Kathmandu gelaufen sind. Phuntsok, ich und die Schauspieler, die die britischen Bergsteiger spielen, haben gemeinsam als Expeditionsteam trainiert. Als über Kathmandu die Sonne aufging, fühlte es sich tatsächlich so an, als wären wir eine Gruppe, die sich gemeinsam auf diese Herausforderung vorbereitet. Eines der berühmtesten Bilder der Everest-Besteigung zeigt Tenzing Norgay auf dem Gipfel, während von Edmund Hillary selbst kein entsprechendes Foto existiert.

Was erzählt diese Geschichte für dich über die Beziehung der beiden Männer?

Auf dem Gipfel des Everest bleibt einem nur sehr wenig Zeit. Man muss seine Sauerstoffreserven und das verbleibende Tageslicht im Blick behalten, denn man muss schließlich auch wieder sicher herunterkommen. Hillary schrieb, dass er sich nicht ganz sicher gewesen sei, ob Norgay wusste, wie man eine Kamera bedient und dass der Gipfel des Everest vermutlich nicht der richtige Ort war, es ihm beizubringen. Deshalb gibt es dieses eine berühmte Foto von Norgay. Aber für mich sagt gerade das sehr viel über die außergewöhnliche Freundschaft und Verbundenheit zwischen den beiden aus. Sie hatten den Gipfel gemeinsam erreicht und ein einziges Foto war genug. Hillary brachte es später sehr schön auf den Punkt: „Wir teilten die Risiken. Wir teilten die Herausforderungen. Wir teilten den Erfolg. Alles andere spielt keine Rolle.“



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