Supergirl
© Warner Bros.

Supergirl (2026)

Supergirl
„Supergirl“ // Deutschland-Start: 26. Juni 2026 (Kino)

Inhalt / Review

Jahre nachdem sie zusammen mit ihrem Hund Krypto auf der Erde gelandet ist, fühlt sich der blaue Planet für Supergirl (Milly Alcock) immer noch nicht wie ein Zuhause an. Statt der Heldenpersona ihres Cousins zieht sie es vor, sich vor ihrer Vergangenheit zu verstecken und sich ihrer vermeintlichen Verantwortung zu entziehen. Zu diesem Zweck verbringt sie die meiste Zeit auf Planeten unter roten Sonnen, welche Kryptonier gerade genug schwächen, um verletzlich zu sein und vor allem betrunken zu werden. Während sie wochenlang ausgelassen ihren Geburtstag feiert, trifft Supergirl auf Ruthye (Eve Ridley), ein junges Mädchen auf der Mission, sich für den Mord an ihrer Familie durch eine Bande Briganden zu rächen. Als deren Anführer nicht nur ihr Schiff stiehlt, sondern auch Krypto vergiftet, legt sie ihre Partyplanung auf Eis und beschließt ihrerseits, auf eine Rache und Rettungsmission zu gehen.

Antiheldin statt Supermann?

Unter der kreativen Führung von James Gunn erlebte das DC Cinematic Universe 2025 mit Superman seine Wiedergeburt. Als Galeonsfigur und Aushängeschild des Comicunternehmens feierte der Man of Steel nicht nur eine Rückkehr auf die große Leinwand, sondern sollte gleichzeitig eine neue Ära des Franchises begründen. Im Verlauf des ersten Kapitels Heroes and Monsters folgen nun 2026 Supergirl und Clayface. Als Inpersonifikation des Heldentums in seinem Ursprung traute man sich bei Superman, Idealismus und Perfektion aufzuweichen und durch Menschlichkeit und eine gewisse Verletzbarkeit zusätzliche charakterliche Tiefe zu schaffen. Trotz allem blieb man der Erwartungshaltung und der eigenen erschaffenen Idealvorstellung weitgehend treu. Mit Supergirl hat DC nun etwas mehr Freiheiten und damit die Chance, einen Charakter voller echter Ambivalenz, kein Monster, aber eine Antiheldin, zu erschaffen.

Zwei Wege in die gleichen Sackgasse 

Diese Idee von ambivalenter Dualität wird aufgegriffen. Supergirl steht in ihrem ersten Solofilm seit 42 Jahren aber weitgehend auf eigenen Beinen, zumindest ohne die Hilfe ihres berühmten, zehn Jahre älteren Cousins. Stattdessen entscheidet sich Regisseur Craig Gillespie für eine duale Heldenreise der Pro- und Deuteragonistinnen. Milly Alcocks Supergirl entspricht einer byronischen Heldin: eine Einzelgängerin, desillusioniert, traumatisiert und ohne eigene überhöhte Moralvorstellung. Als Gegenpol fungiert Eve Ridley als junge, naive und getriebene Ruthye Marie Kroll. Diese Art der gemeinsamen, aber gleichzeitig spirituell gegensätzlichen Heldenreise ist grundsätzlich vielversprechend, hält narrativ jedoch nicht stand. Stattdessen dient Ruthye als Schablone ungelenker Figurenzeichnung und als handlungstechnischer Klotz am Bein. Ihre Charakterzüge aus Naivität, Sturheit und Kopflosigkeit lassen trotz ihrer tragischen Vorgeschichte kaum Raum für Sympathie oder organische Charakterentwicklung. Degradiert zur Impulsgeberin und Damsel in Distress ist sie abseits des Finales mehr Storydevice als Charakter.

Diese Eindimensionalität bleibt kein Einzelfall, sondern zieht sich symptomatisch durch Ana Nogueiras Drehbuch. Bei einer 104 minütigen Laufzeit bleibt während Karas und Ruthyes John Wickscher Space Odyssee keine Zeit für charakterliche Auserzählung, selbst für die Frau aus Stahl nicht. Rückblenden emotional pathetischer Momente sind lediglich fragmentarisch eingewoben, um ihre Vorgeschichte mit gegenwärtigem Handeln zu verbinden. Durch diese Art der Exposition bleibt Supergirl seinem Publikum eine echte, tiefgreifende und emotional nahbare Herkunftsgeschichte schuldig. Stattdessen konzentriert sich der Film auf eine generische Rettungsmission, deren Prämisse bereits eine gravierende Logiklücke aufweist. Um Supergirl plausibel erscheinen zu lassen, sieht sich Gillespie zu mehreren narrativ fragwürdigen Entscheidungen gezwungen. Unbeholfene Erzählmomente dienen dabei vor allem dazu, Karas Kräfte einzuschränken und eine Illusion von Fallhöhe aufrechtzuerhalten.

Trotz dieser Bemühungen scheitert Kara Zor-El nicht an ihren Widersachern. Stattdessen präsentiert DC einen Superheldenfilm mit weiblicher Hauptrolle, dessen Konzept einmal mehr durch Ideenlosigkeit und fehlenden Mut ins Leere läuft. Nicht zuletzt durch einen ambitionslosen und weitgehend bezugslos eingefügten pseudofeministischen Unterton, der sich nicht nur narrativ stark an Mad Max: Fury Road orientiert, sondern einen emanzipatorischen Anspruch erhebt, den der Film nie wirklich einlöst.

Einzelner Lichtblick im Halbdunkel

Milly Alcock besticht durch ihre Performance, was sich vom Rest der Antihelden Ménage à trois bestehend aus Eve Ridley und Jason Momoa nicht behaupten lässt. Statt mangelnden schauspielerischen Fähigkeiten ist Letzteres allerdings der fehlenden charakterlichen Ausgestaltung zuzuschreiben. Jason Momoas karikative Darstellung Lobos verfehlt zumeist das Ziel komödiantischer Auflockerung und torpediert darüber hinaus den ohnehin zweifelhaften feministisch motivierten Grundcharakter. Auch in audiovisueller Hinsicht bleibt Supergirl hinter Superman zurück. Halbdunkel und entsättigte Szenengestaltung sowie mehr störende als epochale Lensflares mindern den Schauwert merklich. Hektischer Schnitt und digital befremdliches CGI unterstreichen die dürftige Blockbusterästhetik einmal mehr.

Credits

OT: „Supergirl“
Land: USA
Jahr: 2026
Regie: Craig Gillespie
Drehbuch: Ana Nogueira
Musik: Claudia Sarne
Kamera: Rob Hardy
Besetzung: Milly Alcock, Matthias Schoenaerts, Eve Ridley, David Krumholtz, Emily Beecham, David Corenswet, Jason Momoa

Bilder

Trailer

Kaufen / Streamen

Bei diesen Links handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf über diesen Link erhalten wir eine Provision, ohne dass für euch Mehrkosten entstehen. Auf diese Weise könnt ihr unsere Seite unterstützen.



(Anzeige)

Supergirl (2026)
fazit
Craig Gillespies "Supergirl" verschwendet das Potenzial seiner ambivalenten Figurenkonstellation und Karas Charakteristik als Antiheldin. Übrig bleibt eine fragmentarische Mischung aus Entstehungsgeschichte und intergalaktischem Katz-und-Maus-Spiel. Neben generischer Handlung, unterwältigenden Effekten und austauschbaren Figuren ist es allein Milly Alcocks charismatische Präsenz, die den neuesten Eintrag des DCU haarscharf vor der Unterdurchschnittlichkeit rettet und trotz allem Lust auf mehr Supergirl macht.
Leserwertung1 Bewertung
9.5
5
von 10