
Schon als Kind träumte er davon, einmal den Mount Everest zu besteigen. Jetzt könnte für Tenzing Norgay (Genden Phuntsok) endlich der Traum in Erfüllung gehen. Nachdem ein vorheriger Versuch, gemeinsam mit einer Schweizer Expedition die Spitze zu erreichen, fehlgeschlagen ist, bekommt er im Jahr 1953 die Chance, dies mit einer britischen nachzuholen. Dessen Leiter John Hunt (Willem Dafoe) lässt sich zwar darauf ein, Tenzing aufzunehmen, zumal dieser zweifelsfrei über ein beträchtliches Talent beim Bergsteigen verfügt. Dennoch blickt Hunt auf ihn herab. Der Neuseeländer Edmund Hillary (Tom Hiddleston), der ebenfalls zu diesem Team gehört, ist da schon freundlicher. Doch der Aufstieg gestaltet sich schwierig …
Die wahre Geschichte eines Pioniers
Apple TV produziert insgesamt zwar weniger als andere Streamingdienste. Dafür ist die Zahl der Stars schon immer ziemlich beachtlich, sowohl bei den Serien wie den Filmen. So kämpfte sich kürzlich John Cena als CIA-Agent durch die Actionkomödie Matchbox: Der Film und zog dabei einen nichtsahnenden Freundeskreis mit. Mayday wiederum, ebenfalls eine Actionkomödie, ließ Ryan Reynolds als Pilot und Kenneth Branagh als ehemaliger KGB-Agent aufeinandertreffen. Mit Agenten hat Tenzing nichts zu tun. An Spannung mangelt es dem erneut prominent besetzten Drama nicht, wenn wir eine Gruppe von Männern begleiten, die in den 1950ern den Mount Everest besteigen und dabei auf zahlreiche Hindernisse treffen, die sie irgendwie überwinden müssen.
Der Film basiert dabei auf einer wahren Geschichte. So waren es der titelgebende Tenzing und Hillary, die 1953 als Erste die Spitze des Mount Everest erreichten und auch wieder heil von dort zurückkamen. Dass das eine dankbare Geschichte ist für einen Film, versteht sich von selbst. Pioniere und Rekorde, das geht schließlich immer. Bemerkenswert ist dabei, dass nicht der weiße Teil des Duos im Mittelpunkt steht, sondern der nepalesisch-indische Sherpa. Tenzing nutzt das, um natürlich auch von Rassismus zu sprechen. Wenig überraschend wird er von anderen Mitgliedern der Expedition abschätzig betrachtet, wird zu einem einfachen Helfer degradiert. Nicht nur für ihn dürfte damals die Genugtuung hoch gewesen sein, das zu meistern, woran all die Weißen zuvor gescheitert waren. Auch das Publikum darf sich darüber freuen, wie ein Junge aus einfachen Verhältnissen einen Traum wahr werden lässt.
Schön und sehenswert
Man muss es dem Drama, das auf dem Telluride Film Festival 2026 Weltpremiere hatte, dabei auch anrechnen, dass es sich nicht allein darauf gemütlich macht, sondern durchaus darum bemüht ist, den Menschen hinter der Pionierarbeit zu zeigen. So erzählt Tenzing von der Vergangenheit des Protagonisten, beleuchtet seinen Werdegang und zeigt dabei auf, welche Bedeutung dieses Bergsteigen für ihn hat. Auch der private Teil wird nacherzählt, was dabei hilft, der Figur mehr Kontur zu verleihen. Es gelingt dem bislang eher wenig bekannten Hauptdarsteller Genden Phuntsok, diese Vorlage mit viel Leben und Wärme zu füllen und dadurch auch tatsächlich neben seinen deutlich berühmteren Kollegen bestehen zu können.
Es ist aber nicht allein der biografische und historische Teil, der den Film sehenswert macht. Auch die Optik hat daran einen großen Anteil. Regisseurin Jennifer Peedom, die zuvor schon bei den Dokumentarfilmen Sherpa und Mountain ihre Vorliebe für die Berge gezeigt hat, weiß, wie sie diese in Szene setzen kann. Manchmal gibt sie sich dieser Vorliebe etwas zu sehr hin, das Tempo ist schon recht gemächlich, ungeduldig darf man hier wirklich nicht sein, zumal das große Spektakel ausbleibt. Aber es ist der Australierin doch ein Werk geglückt, das einen auf eine spannende Reise in die Vergangenheit mitnimmt und vor lauter Staunen das Herz nicht vergessen hat. Tenzing ist ein schönes Drama und gehört zu den besten Filmen, die Apple TV bislang hervorgebracht hat.
OT: „Tenzing“
Land: Australien, USA
Jahr: 2026
Regie: Jennifer Peedom
Drehbuch: Luke Davies
Musik: Rebekka Karijord
Kamera: Stefan Duscio
Besetzung: Genden Phuntsok, Tom Hiddleston, Willem Dafoe, Caitríona Balfe
Telluride Film Festival 2026
Toronto International Film Festival 2026
Zurich Film Festival 2026
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