Die Falle Netflix Streamen online Video on Demand
Hans Löw und Friederike Becht in der Thrillerserie "Die Falle" (© Netflix)

Friederike Becht / Hans Löw [Interview]

Die Falle erzählt die Geschichte der Schriftstellerin Lisa Konrad (Friederike Becht), die zehn Jahre nach dem noch immer unaufgeklärten Mord an ihrer Schwester unter Angststörungen leidet. Eine Besserung ist nicht in Sicht, zumal sich niemand mehr für den Fall interessiert. Doch dann sieht sie eines Tages per Zufall im Fernsehen den Reporter Robert Lenzen (Hans Löw) und meint, in ihm den Mörder wiederzuerkennen. Da sie nicht auf die Hilfe der Polizei vertrauen kann, schmiedet sie einen gefährlichen Plan: Sie schreibt einen neuen Roman, der das Verbrechen schildert, und lädt Lenzen zu sich nach Hause ein, um ihm ein Exklusiv-Interview zu geben und dabei zu unterführen.

Zum Start der Thrillerserie auf Netflix am 13. Oktober 2026 haben wir uns mit Becht und Löw unterhalten. Im Interview sprechen die beiden über das Konstrukt Wahrheit, den Bedarf nach Geschichten und wie sie mit den Abgründen ihrer Figuren umgehen.

Was hat euch an Die Falle gereizt? Warum wolltet ihr diese Serien drehen?

Hans Löw: Zunächst, weil es ein Buch von Isabel Kleefeld war, mit der ich vorher eine schöne Arbeitserfahrung bei Liebes Kind hatte. Ich habe das Buch auch aus ihren Händen bekommen. So wie das Buch aufgebaut war, die Spannungsbögen konstruiert waren, das war einfach ein spannender Stoff. Dann fand ich die Figur des Robert Lenzen, den ich spiele, sehr interessant, weil sie mir so fremd ist. Aber auch dieses Katz-und-Maus-Spiel ist etwas, wonach du dir die Finger leckst als Schauspieler, wenn du das liest.

Friederike Becht: Und irgendwann stellt sich die Frage, wer da eigentlich wem die Falle stellt. Bei mir waren es die Drehbücher, die mich überzeugt haben. Ich wusste, dass Lisa Konrad eine Figur ist, die mir alles abverlangt, körperlich und seelisch. Die komplex ist und teilweise ambivalent. In so eine Figur willst du dich reinschmeißen.

Wenn ihr eure Figuren schon so hervorhebt, wie würdet ihr sie beschreiben?

Friederike Becht: Lisa ist eine fantasievolle und hochsensible Frau, die tief traumatisiert wurde durch den nicht aufgeklärten Mord ihrer Schwester, sich davon aber nicht definieren lassen möchte. Sie hat sich in dem Haus, in dem sie seit zehn Jahren lebt, einen Raum geschaffen, der es ihr ermöglicht, nach diesen traumatischen Erlebnissen ein gutes Leben zu führen. Für mich ist sie auch eine Heldin, weil sie den Mut aufbringt, sich der Wahrheit zu stellen. Und das nicht nur im Hinblick auf den Mord, sondern auch darauf bezogen, wo sie vielleicht ihre eigene Erinnerung trügt.

Hans Löw: Robert ist ein Investigativjournalist, der es glaube ich gewohnt ist zu führen. Der es auch gewohnt ist, das zu bekommen, wonach er sucht. Aber er ist auch bereit, etwas dafür zu tun, was nicht nur gerade ist. Er ist ebenso in der Lage, sich eigene Wahrheiten zusammenzustellen.

Und wie sah die Vorbereitung auf diese Figuren aus?

Friederike Becht: Ich habe mich mit Traumata beschäftigt, mit Angststörungen auch. Ich wollte wissen, was einen dazu treibt, das eigene Haus zehn Jahre lang nicht mehr zu verlassen, und wie das ist, wenn man diese Angst überwinden will und muss. Damit habe ich mich inhaltlich beschäftigt. Körperlich habe ich sehr viel trainiert habe geboxt und verschiedene asiatische Kampfkünste gemacht. Außerdem habe ich mich mit Verhörtechniken auseinandergesetzt.

Hans Löw: Ich habe mich vor allem mit dem strategischen Teil dieser Figur auseinandergesetzt. Mir war es wichtig, für jeden einzelnen Moment herauszufinden: Was will er? Was zeigt er und was zeigt er nicht? Die Hauptaufgabe war für mich, da eine Struktur reinzubekommen.

Beide Figuren haben mit inneren Abgründen zu kämpfen. Wie war das für euch, so etwas zu spielen?

Friederike Becht: Das war wunderbar. Auf gewisse Weise haben das alle. Und ich finde es toll, wenn eine Figur nicht zweidimensional ist und man in verschiedene Richtungen gehen kann.

Hans Löw: Ich fand es spannend zu sehen, wann und wo eine solche selbstkonstruierte Wahrheit an ihre Grenzen kommt und was das dann bedeutet.

Bleibt von solchen Abgründen etwas zurück nach dem Ende des Drehs?

Friederike Becht: Das kann natürlich schon passieren, dass manch eine erspielte Szene noch in mir nachwirkt, weil ich mich ja komplett auf die Szene einlasse und mich dafür öffne. Es wäre gelogen zu sagen, dass das nie etwas mit mir macht. Deswegen ist es mir wichtig bewusst gegenzusteuern. Ich eröffne den Drehtag mit einer Atemübung und dem bewussten Anziehen meines Kostüms. Und ich beende den Drehtag bewusst mit dem Ablegen der Kleidung und einer Atemübung, um dann wieder ganz bei mir anzukommen. Das hilft mir einen klaren Cut zu machen, zwischen Arbeitstag und Freizeit, zwischen die Figur und mich. Wir Schauspielende beschäftigen uns immer wahnsinnig viel mit den Figuren. Wir sollten uns dabei aber selbst nicht vergessen.

Hans Löw: Ich nehme dieses Abgründige nicht mit nach Hause. Und wenn es doch passiert, dann sage ich mir immer, dass das, was ich da spiele, vorher schon da war, wenn auch vielleicht in einem anderen Kontext.

Ihr erzählt mit eurer Serie eine Geschichte. Gleichzeitig spielt ihr aber auch Figuren, die selbst Geschichten erzählen, sei es als Autorin oder als Journalist. Warum sind uns Geschichten so wichtig?

Friederike Becht: Ich wollte schon als Kind Geschichten erzählen, seitdem ich als Kind Der König der Löwen gesehen habe und ich gemerkt habe, was diese Geschichte mit dem Publikum macht. Auf einmal lacht dann der ganze Saal oder wird still. Ich habe mich da verbunden gefühlt mit völlig fremden Menschen. Und das wollte ich auch machen. Ich wollte andere Menschen mit Geschichten bewegen und so in Verbindung mit ihnen treten.

Hans Löw: Geschichten gehören zum Leben dazu wie das Leben selbst. Sie bilden das Leben auf eine Weise ab, dass du selbst nicht durchmusst. Du bekommst eine Idee davon, wie etwas sein könnte. Das macht dich immer weiter und offener.

Friederike Becht: Wir lernen ja auch durch Geschichten. Durch die Geschichten der Eltern, von Oma und Opa. Das finde ich auch in der heutigen Zeit total wichtig, sich etwas zu erzählen. Wir machen das viel zu wenig. Wir sollten uns alle viel mehr Geschichten erzählen, fantasievolle, aber auch biografische Geschichten, die uns etwas über uns selbst und über andere erzählen.

Ihr habt vorhin schon von dem Thema Wahrheit gesprochen, das in der Serie eine große Rolle spielt. Da geht es darum, eine Wahrheit herauszufinden, aber auch zu schauen, ob das, was wir für wahr halten, wirklich wahr ist. Was macht eine Geschichte zu einer wahren Geschichte?

Hans Löw: Für mich gibt es so etwas wie eine allumfassende Wahrheit nicht. Die Serie lässt das auch lange offen, was wahr ist oder nicht. Weil wir gerade über Geschichten gesprochen haben: Es gibt – jenseits von Fakten – verschiedene Lesarten einer Wahrheit. Im Spiegel eines anderen sieht sie auch wieder anders aus. Für mich ist das auch der spannendste Teil unserer Geschichte, was für eine Discokugel eine solche Wahrheit ist.

Friederike Becht: Es gibt viele Wahrheiten. Vielleicht ist die Wahrheit auch ein Gebilde aus Mosaiken. Worauf schaue ich gerade? Was sehe ich? Was ist erkenntlich in diesem großen Ganzen?

Und was macht für euch eine Geschichte zu einer guten Geschichte?

Hans Löw: Dass sie packend ist. Dass sie einem Möglichkeiten gibt zur Identifikation oder auch zur Abgrenzung, damit man sich an ihr reiben kann. Vielleicht auch, dass sie einem neue Sichtweisen vermittelt.

Friederike Becht: Dass sie mich überrascht. Aber auch, wenn ich spüre, dass da jemand seinem Ruf gefolgt ist, egal ob es nun eine Komödie oder ein Thriller ist. Dass da wirklich das Herz desjenigen Menschen zu spüren ist, der die Geschichte erzählt.

Vielen Dank für das Interview!



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