Spätestens seit Der Pate weiß man, dass es Angebote gibt, die man einfach nicht ablehnen kann. Somit stand auch ein großes OUI im Raum, als von Universal Pictures das Angebot kam, sich auf eine Reise nach Paris in die weltweit bekannten Illumination Studios zu begeben. Der Grund: Die anstehende Kinoveröffentlichung von Minions & Monster.
Ein Tempel für Kinofreunde
Ein Aufenthalt von zwei Tagen sollte es werden, in welchem sich Paris von der sonnigen und besonders freundlichen Seite zeigte. Das Highlight des ersten Tages war zweifellos ein Besuch des Le Grand Rex sein, einem der ältesten Kinos der Stadt. 1932 in der Tradition von damaligen amerikanischen Lichtspielhäusern errichtet, ist das Le Grand Rex schon deswegen ein Fest für jeden Cinephilen. Hier wird noch Film mit Leib und Seele geatmet … und hier sollte es auch ein Pressescreening von Minions & Monster geben, dem dritten Solofilm der gleichermaßen kultigen und anarchistischen Minions. Über den Film selbst sollen an dieser Stelle nicht viele Worte verloren werden, außer, dass der Autor dieser Zeilen mehr als nur seinen Spaß damit hatte.
Während vor dem Kino dutzende Michael Jackson-Fans sich mit Musik und Tanzeinlagen in Stimmung für eine anstehende Vorstellung von Michael brachten, machte ich mich nach dem Pressescreening auf den Weg ins Hotel, wobei es auch noch zu ein wenig Sightseeing der diversen imposanten Gebäude kam.
Der Studiobesuch
Tag zwei begann mit einem kurzen und eigen organisierten Besuch der Promenade Jean-Paul-Belmondo, um dem unvergessenen Bébel Respekt zu erweisen. Danach stand der Weg zu den Illumination Studios an, die sich in einer unscheinbaren Gasse, in einem unscheinbaren Gebäude und hinter einer unscheinbaren Sicherheitstür befinden. Dahinter eröffnete sich einem jedoch ein schier nicht in Worte zu fassendes (Film)-Traumland, voller Erinnerungsstücke an jene Produktionen, die bereits unter dem Illumination–Banner entstanden sind. Wir sprechen von erfolgreichen Animationsfilmen wie z. B. Der Lorax, Pets, Sing, Der Grinch und Der Super Mario Bros. Film, aber vor allem von der Ich – Einfach unverbesserlich-Filmreihe. Mit eben jener wurde auch der Grundstein für die Minions-Filme gelegt, deren gelben Protagonisten auch abseits der Kinoleinwand omnipräsent sind. So auch in den Illumination Studios, wo es in allen Ecken und Enden etwas zu entdecken gab, was mit den Minions zu tun hat. Ganz in deren Zeichen stand auch die eineinhalbstündige Präsentation, in welcher die versammelten Journalisten aus aller Welt so einiges Wissenswertes über die Minions und vor allem den aktuellen Film Minions & Monster erfuhren.
Minions-Wissen
Neben Regisseur Pierre Coffin, den wir interviewen durften, begaben sich während der Präsentation auch Patrick Delage (Co-Regie), Charlotte Hutchinson (Art Director) und Nicolas Brack (CG Supervisor) nach vorne, um etwas über die Minions und Minions & Monster zu erzählen. Zuerst stand die Herkunft der kleinen, gelben und stets chaotischen Helfer von dem nicht ganz so schurkischen Gru im Fokus. Die eigentliche Idee stammt von dem spanischen Animationskünstler Sergio Pablos, von welchem man seinerzeit die Idee abkaufte. Eine Idee, die ursprünglich nur einen Film über einen Bösewicht vorsah, die jedoch später auch um seine Helfer erweitert wurde. Die Minions sollten ursprünglich unterschiedlichste Individuen sein – ein jeder sollte sein eigenes Aussehen und Konzept haben. Der Produktion des ersten Ich – Einfach unverbesserlich Films mangelte es hierfür am notwendigen Budget, weswegen man beschloss, dass Konzept einfacher zu gestalten. Es entstanden die ersten Entwürfe der Minions, die man kostengünstig auf Basis des gleichen Charaktermodels aufbaute. Kleine und runde Helfer entstanden, die jedoch noch nicht süß und niedlich aussahen, sondern untersetzt und fleischig daherkamen. Pierre Coffin war es daraufhin, der zusammen mit seinem Team die Minions überarbeitete und jene gelben Chaoten erschuf, wie wir sie heute kennen und lieben. Damals hat übrigens keiner der Beteiligten damit gerechnet, dass die Minions die heimlichen Stars von Ich – Einfach unverbesserlich werden und es später gar zu einer eigenen Filmreihe schaffen würden.
Teamwork
Apropos eigene Filmreihe: Seit dem ersten Minions-Film ist es ein Teil des Prozesses, dass es zwei verschiedene Minions-Animationsteams gibt. Eines ist zuständig für die narrativ wichtigen Minions, die im Vorder- und somit auch im Mittelpunkt der Szenen stehen. Das andere Team kümmert sich um die Minions im Hintergrund, um das größere und kleinere Chaos, welches sie da anrichten. Pierre Coffin erklärte diesbezüglich, dass es das erklärte Ziel ist, dass der Zuschauer auch nach wiederholtem Anschauen eines Minions-Films im Hintergrund noch zuvor unentdeckte Details und Witze entdecken kann.
Filmklassiker als Inspiration
Im Bezug auf die Produktion von Minions & Monster wurden auch diversen Einflüssen genannt und in Beispielen gezeigt, welche vor allem auch in technischer Hinsicht die Realisierung des Films geprägt haben. So hat man sich u.a. den von Stanley Kubrick inszenierten Klassiker Barry Lyndon angesehen, weil das im Film vorkommende, natürliche Kerzenlicht als Maßstab für eine Szene mit Kerzenlicht verwendet wurde. Man hat versucht, die per Computer erschaffenen Lichtquellen so nahe wie möglich an jene Natürlichkeit aus Barry Lyndon anzugleichen. Ähnliches geschah auch für die kurze Hommage an Orson Welles Überklassiker Citizen Kane, indem man versucht hat, die damalige Kamera- und Einstellungstechnik so gut wie möglich nachzuahmen.
Der Westernklassiker Zwei glorreiche Halunken diente wiederum als Blaupause für die Westernszene, die einen farblich ähnlichen Grundton wie bei Sergio Leone aufweist. Und auch ansonsten hat man sich durch die gesamte Filmgeschichte gearbeitet, teils nur für kleine Momente große und wegweisende Filmklassiker studiert, um Minions & Monster den jeweils richtigen Touch zu verleihen. So auch, als es darum ging, die richtige Struktur und Bewegungsform für den im Film vorkommenden Blob namens Irene zu finden. Hierfür hat man sich nicht gänzlich überraschend beim 1958 inszenierten Horrorklassiker Blob – Schrecken ohne Namen orientiert, jedoch auch das 1988 entstandene Remake Der Blob als Referenz genommen. Wer hätte gedacht, dass ein auch heute noch ungemein ekliger Horrorschocker wie Der Blob einmal als eine Art von Vorlage für familienfreundliches Entertainment dienen würde.
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