Der Grinch

„Der Grinch“ // Deutschland-Start: 29. November 2018 (Kino)

Es gibt nur eines, was der Grinch mehr hasst als Menschen, und das sind fröhliche Menschen in Weihnachtsstimmung. Aus diesem Grund deckt er sich auch immer frühzeitig mit jeder Menge Proviant ein, um zu dieser Zeit nicht in die Nähe des Dorfes zu müssen. Dummerweise ist das Dorf aber nicht annähernd so rücksichtsvoll wie er und hat doch allen Ernstes beschlossen, dieses Jahr einen gigantischen Weihnachtsbaum aufzustellen, der ihm die Sicht versperrt. Das kann er natürlich nicht auf sich sitzen lassen. Und so fasst er den Plan, nicht nur den Baum, sondern das komplette Weihnachtsfest zu sabotieren. Nur hat er dabei nicht mit der fünfjährigen Cindy gerechnet, die jedem ein schönes Fest bescheren will, selbst einem alten Griesgram wie ihm.

Fast hätte man meinen können, dass Illumination, die dank Minions, Pets und diverser anderer Hits zu der ersten Garde der Animationsstudios aufgestiegen sind, 2018 komplett der Konkurrenz überlassen wollen. Doch rechtzeitig zum Jahresausklang melden sie sich dann doch mal wieder zu Wort. Und sie haben ebenso schwere, wie bekannte Geschütze dabei: Wie der Grinch Weihnachten gestohlen hat von Dr. Seuss. Das 1957 veröffentlichte Buch des Kinderautors gehört zu den modernen Klassikern der Weihnachtsunterhaltung, zumindest in den USA kennt jedes Kind die Geschichte und den grünen Griesgram, der anderen ihr Fest nicht gönnt. Zusammen mit der gut geölten Marketingmaschine von Illumination dürfte der Film mächtig Kasse machen.

Ein Klassiker, hübsch zurechtgestutzt
Ob es nun unbedingt eine neue Version des bereits mehrfach adaptierten Dauerbrenners gebraucht hätte, darüber lässt sich jedoch streiten. Zumal Illumination nicht unbedingt dafür bekannt ist, auf eine besonders überraschende oder subversive Weise an sein Material heranzugehen. Wer die bisherigen Filme kennt, der weiß hier dann schon, was ihn erwartet. Dass bei Der Grinch ein Buch zugrunde liegt, wird da schnell zweitrangig. Zur Not kann man dieses ja anpassen, damit es wie eine „echte“ Illumination-Geschichte wirkt. Was sie hier dann auch taten.

Zum einen wurde die Vorlage an mehreren Stellen entschärft. Die Konsumkritik, welche Dr. Seuss noch am Herzen lag, wurde aus dem Film gestrichen. Und auch Grinch selbst ist recht harmlos geworden. Die Bösartigkeit des schlaksigen Grummels ist hier nur noch aufgesetzt. In dieser animierten Version muss niemand Angst vor ihm haben. Im Gegenteil: Eigentlich wollen mehrere Leute mit ihm befreundet sein. Nur er wehrt sich mit Händen und Füßen dagegen, ohne dass aus dem Film heraus genau klar würde warum. Die eigentlich traurige Vorgeschichte wird hier auf ein Minimum zusammengestutzt. Auch der obligatorische Sinneswandel zum Ende muss ratzfatz gehen. Emotionalität wird hier vorausgesetzt, nicht erarbeitet.

Es soll gelacht werden
Die dadurch freigewordene Zeit füllt Illumination mit seiner Spezialität: Slapstick. Ständig passiert dem Grinch oder seinem kleinen Hund Max ein Missgeschick. Und da die beiden noch nicht genügend komisches Potenzial mit sich brachten, wurde kurzerhand noch ein fettes, verfressenes Rentier hinzugedichtet. Sowas geht schließlich immer. Aber der Erfolg gibt ihnen Recht: Die vielen Szenen, in denen das Anti-Weihnachtsteam vor allem mit sich selbst beschäftigt ist, hat der Geschichte selbst so gar nichts beizusteuern. Dafür machen sie aber Spaß, meistens zumindest.

Und auch visuell ist Der Grinch durchaus geglückt. Das französische Studio Illumination Mac Guff durfte sich entsprechend der Firmenpolitik nicht ganz so üppig beim Kapital bedienen, wie es die Kollegen bei Disney oder DreamWorks Animation tun. Aber die Optik der mittleren Preisklasse erfüllt absolut ihren Zweck, zumal die vielen Schneehintergründe ohnehin nicht viel Aufmerksamkeit erfordern. Die Animationen sind witzig, die Designs ebenso, vor allem das kleine Dörfchen ist sehr einladend gestaltet. Und so ist auch das neueste Werk der Minimalisten ein netter Film geworden, der gerade bei einem jüngeren Publikum viel Zuspruch finden dürfte, selbst wenn es da draußen deutlich Besseres und Ambitionierteres gibt. Manchmal reicht dann eben doch gehobenes Mittelmaß für die Massen.

Der Grinch
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Der Grinch
Bei „Der Grinch“ wird wieder deutlich, wo die Prioritäten bei Illumination liegen: Die Geschichte des Kinderbuchklassikers wurde vereinfacht, der grüne Griesgram verharmlost, zum Ausgleich gibt es jede Menge Slapstick. Als Interpretation der Weihnachtsgeschichte ist das irgendwie langweilig. Der Film selbst macht aber schon Spaß, sofern man nichts gegen ambitionslose Massenunterhaltung einzuwenden hat.
6von 10

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