Michael 2026
© Glen Wilson/Hilary Bronwyn Gayle/Lionsgate

Michael (2026)

Michael 2026

Inhalt / Kritik

Zu seinen Lebzeiten war er wohl der berühmteste Mensch der Welt und ohne Zweifel einer der wichtigsten Künstler des 20. Jahrhunderts: Michael Jackson stellte nicht nur bei Plattenverkäufen oder Preisauszeichnungen Rekorde auf, sondern setzte auch mit seinen spektakulären Tanzchoreographien und Konzerten Maßstäbe und revolutionierte die Kunstform des Musikvideos. Bereits im Kindesalter wurden er und seine Brüder vom strengen Vater gedrillt, der fest entschlossen war, aus seinen Söhnen erfolgreiche Musiker und Stars zu machen. 1969 wurden der gerade einmal elf Jahre alte Michael und seine Brüder als „Jackson 5“ mit dem Song I Want You Back weltberühmt. Zahlreiche Hitsingles, Alben und Konzerttourneen folgten. Ende der Siebziger war Michael Jackson bereits ein Vollprofi mit anderthalb Jahrzehnten Erfahrung im Showbusiness – in einem Alter, in dem andere gerade ihre Karrieren starten. Allerdings stand seine Karriere weiter unter der Kontrolle seines Vaters, der uneingeschränkte Loyalität zur Familie einforderte und den Erfolg seiner Söhne weiter gewinnbringend verwerten wollte. Dagegen lehnte Michael sich erfolgreich auf und baute sich eine Solokarriere auf, mit der er alle bisherigen Erfolge noch übertreffen sollte.

Ein offenes Geheimnis

Dass Jacksons weiteres Leben nicht nur nie dagewesene Höhen, sondern auch Tiefschläge bereithalten und Anlass zu zahlreichen Kontroversen geben sollte, ist bekannt. Tatsächlich sollte der von Drehbuchautor John Logan (Aviator, Gladiator, Skyfall) geschriebene Film auch die 1993 gegen den Megastar erhobenen Missbrauchsanschuldigungen thematisieren. Leider hatte man allerdings übersehen, dass in dem Vergleich, den Michael Jackson mit den Klägern geschlossen hatte, eine Klausel enthalten war, die eine fiktionalisierte Aufarbeitung des Falles untersagte. Die bereits gedrehten Szenen konnten also nicht verwendet werden, der Kinostart wurde um ein ganzes Jahr verschoben und die Dramaturgie des Films umstrukturiert, wofür mehrwöchige Nachdrehs notwendig waren. Von den im Laufe seines Lebens mehrfach gegen Jackson erhobenen Anschuldigungen fehlt im fertigen Film also jede Spur; sicherlich werden sie aber Thema des zweiten, bereits zum Großteil abgedrehten Films sein, der die zweite Hälfte von Jacksons Leben abdecken soll und – den entsprechenden Erfolg von Teil Eins vorausgesetzt – 2027 in die Kinos kommen soll.

Als Produzent hinter Michael steckt Graham King, der bereits mit Bohemian Rhapsody ein äußerst erfolgreiches Musik-Biopic realisierte. Dieser Film verdankte seinen Erfolg vor allem dem energiegeladenen Hauptdarsteller und den mitreißenden Konzertszenen – eine Formel, die man nun mit Michael zu wiederholen versucht. Nachdem etwa die ersten 25 Minuten des Films im Schnelldurchlauf die Jackson-5-Ära abhandeln, wird Michael Jackson im restlichen Teil des Films von Jaafar Jackson gespielt, dem Neffen des Sängers. Eine äußerliche Ähnlichkeit ist damit in jedem Fall gegeben. Angesichts der Tatsache, dass Jaafar vor Michael über keinerlei Schauspielerfahrung verfügte, durfte man aber schon etwas skeptisch über diese Casting-Entscheidung sein. Hier kann jedoch Entwarnung gegeben werden: Abgesehen von einigen besonders emotionalen Szenen kann Jaafar in den ruhigen, zwischenmenschlichen Szenen des Films überzeugen; immer dann, wenn er Michael Jackson auf der Bühne verkörpert, kommt er mit seiner Körpersprache und den Tanzbewegungen sogar phänomenal nah ans Original heran. So erweist er sich als Darsteller insgesamt als solide, als Performer jedoch als herausragend. Die Konzertsequenzen sind unter anderem deswegen die größte Stärke des Films – und die Filmemacher setzen sie großzügig ein.

Viel Musik des Megastars

Schon zu Beginn des Films begeistert Juliano Krue Valdi mit seiner Energie als junger Michael bei den Auftritten mit der Familienband. Im weiteren Verlauf verlässt sich der Film dann ganz auf die Performance-Künste von Jaafar Jackson und orientiert sich an der Bohemian Rhapsody-Formel: Genau wie dieser Film endet auch Michael in einer langen, wirkungsvoll nachgestellten Konzert-Sequenz, die hier allerdings aus zwei verschiedenen Auftritten besteht, zwischen denen vier Jahre liegen (was immerhin im Dienst des großen Narrativs des Films steht und so einigermaßen Sinn ergibt).

Auch außerhalb der Konzertnummern ist der Film mit Jackson-Songs geradezu zugekleistert. Man kann fast durchgehend mit dem Fuß wippen und wird auf einer Welle mal mehr, mal weniger bekannter Lieder von Michael Jackson und seinen Brüdern durch die Handlung getragen. Dabei hetzt das Drehbuch von einem wichtigen Ereignis zum nächsten und deckt Jacksons Karriere bis Ende der Achtziger Jahre ab, lässt aber für die Nebenfiguren leider kaum Zeit. Miles Teller als Jacksons langjähriger Anwalt John Branca wird prominent eingeführt, bekommt danach aber nicht mehr viel zu tun. Joseph Jackson (Coleman Domingo) wird erwartungsgemäß als eindimensionaler, von der Gier nach Geld und Erfolg getriebener Familienvater gezeichnet, der regelmäßig Schläge mit dem Gürtel austeilt, wenn seine Kinder nicht seinen hohen Ansprüchen genügen. Als Michaels warmherzige Mutter spielt Nia Long das emotionale Gegengewicht dazu, die engste Beziehung hat Michael jedoch zu seinem Bodyguard Bill Bray (KeiLyn Durrel Jones), der im Lauf der Jahre zu einem väterlichen Freund für den einsamen Megastar wird.

Zu wenig Tiefgang

Dass andere wichtige Figuren – wie etwa der Musikproduzent Quincy Jones, mit dem Jackson das Thriller-Album aufnahm – kaum vorkommen, ist ein Symptom eines der größten Probleme des Films: Michael wirft zwar Schlaglichter auf berühmte Punkte im Leben des Sängers, interessiert sich aber leider kaum für die Entstehungsgeschichten. So werden zwar Szenen aus dem ikonischen Thriller-Kurzfilm oder der Auftritt, bei dem Jackson zum ersten Mal der Öffentlichkeit den Moonwalk vorführt, bis ins kleinste Detail nachgestellt. Von den Hintergründen fehlt aber fast jede Spur. Eine Montagesequenz, in der im Zusammenhang mit Thriller angerissen wird, dass Jackson mal einen Horrorfilm angesehen hat, reicht nicht aus, um zu erklären, wie sehr er tatsächlich selbst in die Konzeption seiner Musikvideos involviert war und wie seine kreativen Prozesse abliefen. Insgesamt hätte man sich weniger Nachstellungen realer Auftritte und Musikvideos gewünscht und stattdessen mehr Fokus auf deren Entstehung und die eine oder andere Nebenfigur.

Aspekte wie Jacksons kindliche Seite, seine Tierliebe oder sein wohltätiges Engagement werden ebenso thematisiert wie seine Schönheitsoperationen und seine Vitiligo-Erkrankung. Dramaturgisch orientiert sich der Film allerdings in erster Linie am Konflikt zwischen Michael und seinem Vater sowie an seinem ständigem Streben danach, der größte Entertainer aller Zeiten zu werden. Für wirklich tiefgehende Charakterzeichnung reicht das nicht aus und man fragt sich, ob die ursprünglich geplante Fassung des Films weniger auf Spektakel und etwas mehr auf Tiefgang gesetzt hätte. Dass Jackson-Fans darüber hinaus noch vieles vermissen werden, ist klar. In zwei Stunden lässt sich nicht jedes Detail einer so an Höhen und Tiefen reichen Karriere unterbringen und Michael hetzt auch so schon zu sehr von einem wichtigen Ereignis zum nächsten. (Vielleicht wäre ein Ansatz, bei dem man sich ähnlich wie Steve Jobs auf wenige wichtige Stationen beschränkt hätte, letztendlich der interessantere gewesen?)

Als Filmbiografie ist Michael daher nur bedingt erfolgreich, macht ähnlich wie Bohemian Rhapsody aber vieles durch sein Tempo und die mitreißenden Konzertszenen wieder wett. So rückt der Film eben das in den Mittelpunkt, was Michael Jackson wie kaum ein anderer beherrschte: Menschen zu begeistern und zu unterhalten – und bietet trotz begrenzten Tiefgangs Fans ein wirkungsvolles Wiedererleben und Neulingen einen zugänglichen Einstieg.

Credits

OT: „Michael“
Land: USA, UK
Jahr: 2026
Regie: Antoine Fuqua
Drehbuch: John Logan
Musik: Lior Rosner
Kamera: Dion Beebe
Besetzung: Jaafar Jackson, Colman Domingo, Nia Long, KeiLyn Durrel Jones, Juliano Valdi, Miles Teller

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Michael (2026)
fazit
„Michael“ überzeugt vor allem mit mitreißenden Bühnenmomenten und markanten Schlaglichtern auf zentrale Stationen von Michael Jacksons Karriere. Zwar bleiben Dramaturgie und Charakterzeichnung stellenweise oberflächlich, doch Tempo, Musik und Jaafar Jacksons eindrucksvolle Performance in den Konzertsequenzen machen vieles wieder wett.
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