(„Sing“ directed by Garth Jennings, 2016)

sing

„Sing“ läuft ab 8. Dezember im Kino

Seit seiner Kindheit schon träumte der Koala Buster Moon davon, ein eigenes Theater zu besitzen und dort erfolgreiche Shows aufführen zu lassen! Der erste Teil des Traums erfüllte sich sogar, nur mit dem zweiten haperte es ein wenig. In Wahrheit lief es zuletzt so schlecht, dass er kurz davor ist, alles an eine Bank zu verlieren. Da kommt ihm eine rettende Idee: Warum nicht einen Gesangswettbewerb veranstalten? Mit den Einnahmen sollte es locker drin sein, die Schulden zu bezahlen. Der Andrang ist tatsächlich enorm, was auch mit einem kleinen Irrtum zusammenhängt: Statt der geplanten 1.000 Dollar winken laut Flyer nun 100.000. Und das lassen sich die Tiere dieser Stadt nicht zweimal sagen – ob Gorilla-Gangstersohn Johnny, die Schweine-Übermami Rosita oder der arrogante Jazz-Mäuserich Mike, sie alle hoffen hier auf ihre große Karriere.

Es ist schon eine etwas verkehrte Welt: Während Ich – Einfach unverbesserlich, der Debütfilm des von den Amerikanern gekauften Pariser Animationsstudios Illumination MacGuff, mit einem sympathischen Szenario, witzigen Einfällen und tollen Bildern überzeugte, wurden die Nachfolgewerke über Minions bis zu Pets kontinuierlich etwas schlechter, gleichzeitig aber erfolgreicher. Wenn dieser Trend anhält, dann dürfte Sing der eine oder andere Rekord sicher sein, denn leider ist der neueste Streich der Franzosen qualitativ noch einmal ein ganzes Stück unter den Vorgängern angesiedelt.

Inhaltlich waren die Werke von Illumination MacGuff ja schon immer recht schwach auf der Brust gewesen. Zwar schafften sie es meist, mit einer witzigen Grundidee an den Start zu gehen, wussten anschließend aber nicht so recht, was mit dieser anzufangen sei und füllten die verbleibenden anderthalb Stunden deshalb mit Standardsituationen und viel einfallslosem Slapstick. Das ist hier nicht groß anders. Wir alle kennen die YouTube-Videos, in denen Tiere lustige Dinge machen, Katzen auf Schaukeln sitzen, Hunde im Laubhaufen herumtollen. Warum also nicht Tiere auch etwas singen lassen? Natürlich entbehrt es nicht einer gewissen absurden Komik, wenn sich Schweine, Elefanten, Gorillas und Mäuse eine Bühne teilen. Das allein macht jedoch keinen Film, da braucht es bei anderthalb Stunden doch ein bisschen mehr. Und eben dieses „mehr“ fehlt wieder einmal.

Zwar wird versucht, den einzelnen Teilnehmern ein bisschen Leben einzuhauchen, indem man ihnen Hintergrundgeschichten andichtet – da ist die Mutter, die nur noch als Haushaltsmaschine gebraucht wird und es allen zeigen will, der sensible Sohn, der sich gegen seinen Machovater auflehnt. Aber es sind letztendlich die üblichen Stereotypen, die hier verbraten werden, Überraschungen gibt es im gesamten Verlauf keine, lässt man die tierische Verpackung weg, bleibt ein ausgesprochen leerer Film. Passend zum weihnachtlichen Starttermin wurde zudem die emotionale Keule ausgepackt, das satirische Potenzial, das solche Casting Shows mitbringen, wird zu keinem Zeitpunkt beachtet, stattdessen wird es mitunter recht kitschig.

Auch das kennen wir von vergangenen Filmen von Illumination MacGuff. Was diese jedoch immer auszeichnete waren zwei Punkte: skurrile Figuren und schöne Bilder. Aber nicht einmal hier kann Sing so richtig überzeugen. Wenn Johnny, Rosita und Co. um ihr Leben singen, dann ist das nicht anders als bei sonstigen Verwirkliche-deinen-Traum-Filmen, die Tiere sind weder von der Persönlichkeit, noch ihrer Gestaltung her in irgendeiner Form interessant, werden zu oft in die immer gleichen Witze gesteckt. Und optisch hatte das Animationsstudio das Pech, im selben Jahr wie Zoomania zu erscheinen, welches ebenfalls eine Stadt mit CGI-Tieren füllte. Während diese bei Disney aber vor Details und Persönlichkeit überquoll, ist das hier ebenfalls in jeglicher Hinsicht bescheidener – bei Illumination wird das Geld traditionell lieber ins Marketing als in den Film selbst gesteckt.

Lediglich bei der Musik schöpfte man themengerecht so richtig aus den Vollen, ließ das tierische Ensemble gleich mehrere Dutzend Klassiker neu vertonen – von „Hallelujah“ über „Venus“ bis zu „Bad Romance“. Das ist dann doch recht abwechslungsreich, auch wenn viele Lieder nur wenige Sekunden zu hören sind und letztendlich im typischen Jugend-Casting-Show-Stil interpretiert werden, die behauptete Genrevielfalt zu einem (zu) homogenen Brei verarbeitet wird: Sing ist ein Beispiel für einen am Reißbrett entworfenen Animationsfilm, der alle Ecken so fein säuberlich abgerundet hat, bis nur noch solide Langeweile übrig bleibt.

Sing
3.5 (70%) 8 Artikel bewerten

Sing
Der qualitative Abstieg von Illumination geht weiter: Die Geschichte um einen tierischen Gesangswettbewerb gibt sich inhaltlich wie die vorangegangenen Filme einfallslos, ersetzt skurrile Figuren durch einen Hang zum Stereotypen-Kitsch und ist trotz der beeindruckenden Liederanzahl selbst audiovisuell ziemlich langweilig.
5von 10

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