Inhalt / Kritik

„Supernova“ // Deutschland-Start: 14. Oktober 2021 (Kino)

Sam (Colin Firth) und Tusker (Stanley Tucci) sind schon eine halbe Ewigkeit ein Paar und reisen seit den Anfängen ihrer Beziehung leidenschaftlich gern mit ihrem Wohnwagen durch die Natur. Seitdem Tusker an Demenz erkrankt ist, steht den Liebenden jedoch eine schwere Zeit bevor. Tagtäglich stellen sie nun fest: Jeder Tag ist so kostbar wie noch nie. Bei ihrer Reise quer durch das ländliche Großbritannien ist ihnen deshalb schon bewusst, dies wird die letzte sein. Durch die Orte ihrer Vergangenheit will sich das Liebespaar die schönsten Erinnerungen ihres Lebens bewahren, um sich auf das drohende Ende der Beziehung vorzubereiten.

Ganz klassisch

Supernova erfindet das Rad nicht neu, zeigt aber erneut, wozu zwei einzelne Schauspieler in der Lage sind. Mehr braucht es streng genommen auch gar nicht, schaut man sich Harry Macqueens neuestes Werk einmal genauer an. Colin Firth auf der einen Seite, der schon in A Single Man bewiesen hat, dass er auch homosexuellen Charakteren erstaunlich viel Leben einhauchen kann, bringt einmal mehr eine ungeheure Leidenschaft mit. Im Zusammenspiel mit Stanley Tucci (In meinem Himmel), der Firth schon fast ein wenig die Show stiehlt, geben beide ein exzellentes Schauspielerduo ab und erwecken den Eindruck, dass diese Rollen wie maßgeschneidert auf die Schauspielkoryphäen passen – und das obwohl die zwei Rollen erst für den jeweils anderen bestimmt gewesen sind.

Nachdem es in den letzten Jahren mit Brokeback Mountain, Blau ist eine warme Farbe, Holding the Man, Ungehorsam oder Call me by your name einen enormen Push von gleichgeschlechtlichen Liebesbeziehungen im Kino gab und diese hinsichtlich des Schauspiels ebenso meisterlich ausfallen, stellt sich in der Gesamtheit doch die Frage, ob Supernova da mithalten kann. Jein müsste man da wohl fairerweise sagen, da Macqueens Werk in der Erzählstruktur schon recht konventionell ausfällt und der Zuschauer schon vor dem Kinogang ganz genau weiß, was einen erwartet. Es ist dann wohl eher die Frage, ob ein Film etwas über die Liebesgeschichte hinaus erzählt, die hierbei relevant wird.

Liebesdramen auf dem Prüfstand

Vielleicht müsste man aber auch die Frage stellen – Was genau erwartet man von Liebesfilmen im Kino? Da könnte man jetzt viel aufzählen: Sinnlichkeit, Leidenschaftlichkeit, Romantik, Intensität, Authentizität, ja gar Realismus? Und obgleich davon das meiste auf Supernova zutrifft, so hat man doch den Eindruck, dass da etwas fehlt. Das mag vordergründig an der schon angesprochenen klassischen Erzählstruktur liegen, die sich weder der Vorgeschichte, noch der Entwicklung der Beziehung widmet, sondern ausschließlich Augenmerk auf den letzten Lebensabschnitt des Liebespaares nimmt. Die Geschlechterrollen einmal komplett ignoriert, kommt man in der Hinsicht wohl (leider) nicht drum herum an andere Werke zurückzudenken. Wohl das prominenteste Beispiel dabei: Michael Hanekes Liebe, der schon ziemlich härter an das Thema herangeht, zumindest aber im Kopf bleibt. Supernova dagegen macht zwar nichts falsch, hat dann aber doch seine Probleme, in Erinnerung zu bleiben.

Wer sich jedoch auf kurze 90 Minuten „leichtverdauliche“ Kost einstellt, der wird genau das auch bekommen. Da das Schauspielerduo das Maximum herausholt und auch die Bilder und Musik stimmig wirken, ist negative Kritik schon beinahe Erbsenzählerei.

Credits

OT: „Supernova“
Land: Großbritannien
Jahr: 2020
Regie: Harry Macqueen
Drehbuch: Harry Macqueen
Musik: Keaton Henson
Kamera: Dick Pope
Besetzung: Colin Firth, Stanley Tucci, James Dreyfus, Pippa Haywood, Sarah Woodward

Bilder

Trailer

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Supernova
Das Liebespaar Sam (Colin Firth) und Tusker (Stanley Tucci) reist mit ihrem Wohnwagen quer durch das Land, um die Orte ihrer Vergangenheit noch einmal zu besuchen. Im Bewusstsein, dass Tusker nicht mehr viel Zeit hat und dies wohl der letzte Urlaub wird, erzählt "Supernova" vom Ende eines Lebenszyklus.
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Über den Autor

Freier Autor

Ich bin freiberuflicher Autor und seit vielen Jahren leidenschaftlicher Filmfan, wobei mein Fokus den kleineren Filmperlen gilt.

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