
20 Jahre und eine weltweite, extravagante Pressetour inklusive grandiosem Internet-Hype später schlüpft der Teufel endlich wieder in pompöse italienische Designertracht – oder wie Andy Card seinem damaligen Vorgesetzten George W. Bush ins Ohr flüstern würde: „A second Prada wearing devil has hit the cinemas“. Nachdem Andrea „Andy“ Sachs (Anne Hathaway) seit ihrer wegweisenden Kündigung beim renommierten Mode-Magazin Runway als ernstzunehmende Journalistin durch die Vereinigten Staaten tingelte, ruft CEO Irv Ravitz (Tibor Feldman) sie unerwarteterweise an und möchte sie als Leiterin des Reportagen-Teams anstellen, um die Zeitschrift durch eine Shitstorm-Krise zu navigieren. Blöd nur, dass die stets fordernde Chefredakteurin Miranda Priestly (Meryl Streep) weder davon weiß noch sie wiedererkennt. Zielstrebig wie sie ist, verschafft sich Andy jedoch ihren Platz am Himmel des Modejournalismus und wirbelt dabei nicht nur ihren Arbeitsplatz erneut auf, sondern auch vergangene sowie neue zwischenmenschliche Beziehungen.
Der Teufel trägt jetzt Slim-Fit-Businessanzüge und Tech-Pufferwesten
Man weiß, man wird alt, wenn die 2000er nun zum Nostalgie-Bait werden. Seit wenigen Jahren übernimmt Y2K-Fashion die Welt der modebewussten Großstadtjugend, Apple stellt die Optik ihrer Betriebssysteme teilweise auf Frutiger Aero, ergo transparente, runde und zukunftspositive Designs, um, und auf Disney+ werden in kurzer Zeit nacheinander Reboots bzw. Feierlichkeiten zu Scrubs, Malcolm mittendrin und Hannah Montana herausgeballert. Die 20-Jahre-Regel der wiederkehrenden Trends wirkt wie in Stein gemeißelt und natürlich muss auch hier wieder die Glitter-Kuh gemolken werden, um in Zeiten von Rezession, drohendem Atomkrieg und einer erratischen, paläopatriarchalen weltpolitischen Führungsriege das nach Wonne und Glückseligkeit gierende Publikum zum spätkapitalistischen Exzess zu animieren. Wie könnte das besser klappen als mit dem Nachfolger des 2006er Comfort-Movie-Hits Der Teufel trägt Prada ? Der neue Teil ist demnächst ebenfalls auf Disney+ verfügbar; ein Muster scheint sich zu erkennen zu geben.
Der Social-Media-Erfolg gibt Der Teufel trägt Prada 2 bedenkenlos recht – die Trailer wurden millionenfach aufgerufen, stellten gar Rekorde auf. Der Red Carpet zur Premiere in New York wartet mit Fashion-Influencer*innen und Supermodels auf, um eben genau das zu zelebrieren, was der Ursprungsfilm (zugegeben minimal, aber dennoch vorhandenerweise) kritisiert: Das Aufgeben des eigenen Ichs für Karriere und Glamour, die Entscheidung zugunsten der Ellbogengesellschaft und des Konsumismus, den Sieg des Bouvelardtratsches gegenüber Fakten und Moral. Das Problem dabei ist jedoch, dass die Looks slayen, die Performances iconic sind und es viel einfacher ist, selbst in einen nostalgischen Freudentaumel zu verfallen, ohne die Probleme hinter solch einer Produktion zu sehen – und ganz ehrlich, das ist, zumindest zeitweise, völlig fein.
Wir alle haben Safe Spaces fernab all der schrecklichen täglichen Nachrichten verdient, wir alle möchten von der Hyperpolitik des Alltags abschalten; und ja, Der Teufel trägt Prada 2 trägt durchaus zu einem Feelgood-Erlebnis bei, kommt jedoch ganz und gar nicht ohne Referenzen zu den Dingen aus, die uns vom analogen Leben zunehmend entfremden. Jede Person, die im marktwirtschaftlichen Onlinemedien-Bereich arbeitet, kann sich höchstwahrscheinlich mit den dargestellten Entwicklungen identifizieren: Skalierbarkeit, Digitalisierung von Presseerzeugnissen, ein Board of Directors mit verschiedenen Positionen (und vor allem mit grobem Desinteresse am Produkt selbst), die alle irgendwann in einer Verschlechterung der Arbeitsbedingungen münden, und über all dem schweben die Tech-Bros ohne jeglichen Stil und Verstand, die die ganze Welt als binären Code betrachten.
Andys modernes Leben (war manchmal voll daneben)
Ja, auch die Runway ist bedroht von der digitalen Zeitenwende, von der Algorithmierung der Sehgewohnheiten, von einem Zeitgeist, der sowohl auf Tradition als auch auf die Kunst hinter dem Business pfeift, und Meryl Streep stellt ganz fabelhaft den erfolgsverwöhnten, gleichzeitig vulnerablen Dinosaurier in der Chefposition, die abgesägt werden soll, dar. Nigel (Stanley Tucci) ist gewohnt süffisant-warmherzig (unvergessen der Moment, als er Andy nach einem „Forever my girl“ zuzwinkert), Emily Blunt als die mittlerweile einen Dior-Store betreibende Emily Charlton und Anne Hathaway als eine schrulligere, dennoch selbstbewusstere Version ihres Charakters wirken, als wären sie keinen Moment aus ihren Rollen geschlüpft. Der neue Cast ist bemüht, bleibt jedoch eher farblos – bis auf Jin (Helen J. Shen), deren Darstellung als hyperschlaue, sozial inkompetente Assistentin von Andy auf Kritik bezüglich reproduzierter Rassismen gegen ostasiatische Menschen stößt. Dass Lucy Liu als geschiedene Privatière wieder auf der großen Bühne auftaucht, ist allerdings fabelhaft.
Das Jahr 2026 wird in Der Teufel trägt Prada 2 auf jedem Millimeter bemerkbar. Social Media und Klickzahlen werden bewusst als storytreibende Mittel eingesetzt, es gibt (genauso wie in der Neuauflage von Scrubs) eine HR-Person, die Miranda immer wieder auf unvorteilhafte Formulierungen hinweist (als wäre „Wokeness“ noch ein relevantes Thema in größeren US-Firmen), und es geht weiterhin um die Selbstaufopferung in der Arbeit (Zitat Andy: „I love working!“) sowie um Networking, das bereits im ersten Teil eine erhebliche Rolle innehatte. Um allen zu zeigen, dass wir seit langem in der Smartphone-Ära sind, klingelt alle paar Minuten ein Nachrichtenton auf den mobilen Endgeräten der Figuren. Wer hat denn heutzutage das Handy noch auf laut? Generell verläuft die Story sehr ähnlich zum 2006er Film, mit dem Unterschied, dass Andy etwas mehr Privatdetektivin spielen darf und sich umso mehr Intrigen entfalten, die diese Fortsetzung nicht langweilig werden lassen. Dass es überhaupt einen zweiten Teil gibt, ist übrigens nicht aus der Luft gegriffen: Originalautorin Lauren Weisberger veröffentlichte bereits 2013 Revenge Wears Prada: The Devil Returns, nur hat wohl bisher nicht die Summe gestimmt, um die alteingesessene Besetzung zur Rückkehr zu bewegen. Ein Glück gibt es benevolente Superreiche, die die Runway zwischen sich hin- und herschieben, um sie entweder zu retten oder in die Bedeutungslosigkeit stürzen zu lassen.
Genau wie Der Teufel trägt Prada lässt Der Teufel trägt Prada 2 jegliche Kapitalismuskritik im Keim ersticken – sie wird geäußert und angeschnitten, nur um sie schließlich in „Yaaas Queen“- und „You go Girl“-Feminismus Momenten versanden zu lassen. Ebenso wahr ist: Wer bei dieser Art von Film tiefgehende, bissige Sozialkritik erwartet, ist schlichtweg falsch. Das weiß der Film, und das wissen sicherlich auch die Zuschauenden. Sobald zu „Vogue“ von Madonna eine fetzige Fashion-Montage hineingeschnitten wird, mit all diesen vereinten Stars und Sternchen, verlässt der historische Materialismus den marxistischen Körper endgültig. Während im Vorgänger noch die Entscheidung gegen die Knochenmühle der sensationsgeilen und insgesamt toxischen Totarbeitsumgebung am Ende im Fokus steht, wird dieser hier völlig gehuldigt – sei es von Menschen, die nicht in die wohlverdiente Rente gehen wollen oder von einer Assistentin-turned-Abteilungsleiterin, die von ihren eigenen Idealen gar nichts mehr wissen will und unnötigerweise noch mit dem austauschbaren Architekten Stuart (Kenneth Branagh), der ein historisches Gebäude seelenlos-grau „saniert“, eine Romanze anfängt. Aber gut, Nichtsgönner-Souschef Nate (Adrian Grenier) war damals auch nicht der Knaller.
OT: „The Devil Wears Prada 2“
Land: USA
Jahr: 2026
Regie: David Frankel
Drehbuch: Aline Brosh McKenna
Kamera: Florian Ballhaus
Musik: Theodore Shapiro
Besetzung: Anne Hathaway, Meryl Streep, Emily Blunt, Stanley Tucci, Tracie Thoms, B. J. Novak, Lucy Liu
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