« Jahresrückblick 2016

Die Achterbahnfahrt der Gefühle reißt auch 2017 nicht ab und zeigt uns mit neuen Blockbustern, fesselnden Serien, kunstvollen Independent-Werken und mehr, neue Höhen, aber auch ungeahnte Tiefen auf. Ob im Kinosaal, auf der heimischen Couch oder dem Tablet für unterwegs, Unterhaltung wurde noch nie so groß geschrieben wie in diesem Jahr. Grund genug, unsere persönlichen Top 10 zu betiteln, herausragende Serien zu krönen und Newcomern sowie eingesessene Stars der Branche eine Plattform der Hochachtung zu bieten.

Während sich Staatsoberhäupter noch uneinig sind, wer denn nun den größten Knopf hat, drücken wir unverblümt unseren eigenen und lassen das Filmejahr 2017 Revue passieren. Tops und Flops, heiß und fettig von unseren rasenden Redakteuren präsentiert, die obendrein einen Blick ins kommende Jahr werfen.

Thorleiv Nicolai Klein

Top 10 Filme:

1. Simpel

Inzwischen braucht es nicht viel, um Filme mit Frederick Lau auf meinen Interessenradar zu schießen. Wird seine geballte Ausdrucksweise allerdings mit einer herzergreifenden Brüdergeschichte untermalt, darf man ihm gerne mal das Krönchen des Jahres aufsetzen.

2. Hidden Figures

Drei Ladies, die der Männerwelt intellektuell in den Arsch treten und nebenbei Geschichte schreiben. Ein Blick hinter die Kulissen des Wettflugs der 50er und 60er Jahre. Frech, beflügelnd und basierend auf wahren Begebenheiten

3. La La Land

Wenn Ryan Gosling und Emma Stone gemeinsam vor der Kamera ihre Pirouetten drehen, eng umschlungen durch die Nacht tänzeln und einen Ohrwurm nach dem anderen schmettern, dann erlebt das moderne Musical frischen Wind. Verdient Oscar-prämiert!

4. Es

Für das Original damals zu jung, für die Neuauflage beinahe zu alt. Der verstörende Clown kommt zu unpassenden Zeiten und trifft ganz unverhofft ins Schwarze. Mutige Teenager sind spätestens seit Stranger Things wieder im Hochkurs, während ein grauenhaft guter Bill Skarsgård als Clown Pennywise Kinderherzen höher schlagen lässt oder gleich ganz rausreißt.

5. Shakespeare für Anfänger

Riecht nach Ziemlich beste Freunde und ist doch so anders. Zwei Hitzköpfe, die unterschiedlicher nicht sein könnten, aber eine gemeinsame Leidenschaft teilen – das Theater. Er ein depressiver Greis, der seine besten Tage längst hinter sich hat. Sie eine vorlaute Göre, die noch vollkommen grün hinter den Ohren ist. Ein kunstvoller Akt der Sonderklasse!

6. Wonder Woman

Die DC-Filme sind über die Jahre hinweg zum nervigen Nachbarjungen verkommen, der immer mitspielen will, aber nie etwas Produktives zur Gruppe beisteuert. Und dann kam sie: bildhübsch, furchtlos und mit einer Rechten zum Niederknien. Keine bunte Comic-Puppe, sondern eine Frau mit Format und Wahrheitspeitsche.

7. Get Out

Da ist Jordan Peele wohl in den falschen Konferenzraum gestolpert. Horror? Wirklich?? Der Herzblutkomiker setzt dem müden Gelächter seiner Kritiker ein Werk vor den Latz, dass nicht ohne Grund eine fast perfekte Wertung bei Rotten Tomatoes erhalten hat. Bitte mehr, bitte bald!

8. Happy Burnout

Kurz vor Jahresende verirrt sich Wotan Wilke Möhrings filmischer Ausflug in die Psychiatrie auf den heimischen Bildschirm. Ungewohnt witzig, überraschend charmant und irgendwie sogar gut. Ein facettenreiches Ensemble im Ausnahmezustand.

9. Kong: Skull Island

Wenn der eigentliche König des Dschungels Hubschrauber aus dem Himmel wie Fliegen pflückt, skelettähnliche Rieseneidechsen auf dicke Hose machen und Samuel L. Jackson als rachsüchtiger Truppenanführer zum Kammerjäger wird, dann bleibt jegliche Vernunft im Keller. Hirn aus und unterhalten lassen.

10. Guardians of the Galaxy Vol. 2

Der zweite Teil des Überraschungserfolgs schwebt storytechnisch zwar in neuen Sphären, bleibt seinem üblichen Humor aber treu. Kurt Russell als Gigolo-Planet und Universumsbefruchter – Sachen gibt’s.

Top 5 Serien:

1. Glow

Die Anfänge des Frauenwrestlings. Wen interessiert’s? Na hoffentlich alle! Wenn Alison Brie und ihre Ringamazonen vor und hinter der Manege die Fäuste sprechen lassen, bleibt kein Auge trocken. Stirnbänder und Frauenpower – Staffel 2 folgt.

2. Dark

Und plötzlich ist da diese neue Serie. Sieht aus wie Hollywood, fühlt sich an wie Hollywood, ist aber Made in Germany. Zehn Stunden Binge-watching später ist nicht alles Gold, was glänzt, und trotz unbefriedigendem Ende macht das ominöse Zeitreisendreieck Hunger auf mehr.

3. Making a Murderer

War es es jetzt oder war es es nicht? Erst verbrachte Steven Avery 18 Jahre seines Lebens unschuldig hinter Gittern, kommt raus, nur um kurz darauf des Mordes angeklagt und für schuldig befunden zu werden. Die scheinbar erdrückenden Beweise lassen jedoch mehr als nur Zweifel für dessen eigentliche Schuld aufkommen. Ein interessanter Einblick in die Inkompetenz staatlicher Einrichtungen.

4. Mindhunters

Wie denken Serienmörder und wie kann es zukünftigen Ermittlungen helfen? Als zwei FBI Agenten sich genau diese Frage stellen, erkennen sie noch nicht die ungeahnten Gefahren, der sie sich dadurch aussetzen. Eine Serie mit viel unausgeschöpftem Potential, welches die 2. Staffel hoffentlich aufgreift.

5. Bright

Das ist doch ein Film! Richtig, aber irgendwie lässt mich das Gefühl nicht los, dass der Mix aus Bad Boys und Herr der Ringe als Serie weitaus besser funktioniert hätte. Orks, Elfen und mittendrin Will Smith im Kampf gegen den gefürchteten Darklord. Was nicht ist, kann ja noch werden. Eine Fortsetzung hat Netflix zumindest schon mal angekündigt.

Top Newcomer:

Bill Skarsgård

In Atomic Blonde von Charlize Theron zurecht überschattet, zieht er in Es hingegen jegliche Fäden der Vernunft und setzt der Neuauflage seinen unvergleichlichen Duktus auf. Ein voller Erfolg, bei dem er mit sabbernder Fratze und kindlicher Verspieltheit den Teenagern das Fürchten lehrt.

Top Schauspieler:

Frederick Lau

Allein seine Performance in meinem diesjährigen Topfilm triumphiert über allem. Immer wieder auf ein Neues beweist der gebürtige Berliner, dass die deutsche Schauspielerei sich nicht vor teuren Hollywoodproduktionen verstecken muss. Ein dramaturgisches Chamäleon mit Schmunzelfaktor.

Top Schauspielerin:

Zendaya

Vorbei sind hoffentlich die Disney-Channel Zeiten! Mit ihrem Auftritt in Spider-Man: Homecoming und dem kürzlich erschienenen Greatest Showman katapultiert sich die schöne Amerikanerin mit dem losen Mundwerk abrupt in das strahlende Scheinwerferlicht Hollywoods.

Top 3 Höhepunkte:

1. Netflix

Die Unterhaltungsplattform schießt dieses Jahr mit neuen Eigenproduktionen nach. Neue Filme, neue Serien und 2018 ist längst nicht Schluss. Der Trend des „Netflix Orginal“ ist schon längst kein Mahnmal mehr und darf sich inzwischen mit gutem Recht als filmisches Gütesiegel bezeichnen – meistens.

2. Dokumentationen

Die recherchierte Einsicht in ein spezifisches Thema besteht nicht erst seit gestern, aber gerade dieses Jahr haben es mir die Kriminaldokus angetan, die menschliche Tragödien und psychische Abgründe aufzeigen. Die objektive Darstellung der Geschehnisse ist der wohl interessanteste Part der Geschichten, bei denen eben nicht alles schwarz und weiß ist.

3. Oscar-Drama

Da starrt man jährlich bis früh morgens auf den heimischen Bildschirm, um die Academy Awards in ihrer Gänze zu bestaunen und nie passiert etwas. Die Highlights hätten es auch getan! Plötzlich Unruhe, ein falscher Umschlag, eine Entschuldigung. Die scheinbaren Gewinner des „Best Picture“ Oscars La La Land übergeben ihren Preis den Kollegen von Moonlight. Stunden später sind die Medien vollgekleistert mit dem Patzer, den ICH live miterlebt habe. Drama sei Dank! #worthit

Top 3 Enttäuschungen:

1. Alte Ideen frisch aufgewärmt

Weiterhin dominieren oftmals stumpfe Franchise die Kinokassen und wenn die mal nicht mehr ziehen, werden alte eben neu aufgelegt. Seien es Jigsaw, Rings oder Die Mumie. Was einst erfolgreich war, muss nur lange genug gären, um wieder neu an die frischen Generationen verkauft werden zu können.

2. #Metoo

Mit Harvey Weinstein rollte dieses Jahr ein beinahe unantastbarer Kopf der Filmwelt. Ein wichtiger Schritt in eine Filmindustrie frei von Unterdrückung und Sexualisierung. Eine positive Entwicklung, die schnell Anhänger und vor allem Opfer fand. Zwischen wahren Begebenheiten und echten Traumata gibt es jene, die ihre zehn Sekunden im Scheinwerferlicht suchen. Aus einer Bewegung wird eine Hetzjagd, bei der auch Unschuldige unter die Räder kommen und die anfängliche Botschaft zur Selbstpromotion verkommt.

3. Game of Thrones

Dass George R. R. Martin seine Fans gerne auf die Geduldsprobe stellt, ist kein Geheimnis. Mit der vergangenen Staffel überholten die Geschehnisse allerdings endgültig die Bücher und das Ergebnis ist durchwachsen. Den detailreichen Anfängen weichen stupide Handlungsstränge und hetzerische Gegenüberstellungen. Alle Hoffnungen ruhen auf der finalen Staffel.

Top 3 meist erwarteten Filme/Serien 2017:

1. Alita: Battle Angel

Was Christoph Waltz als verrückter Professor in seiner Freizeit bastelt, mag ja seine Sache sein und sieht nach den ersten Sekunden des Trailers nach einer Echtzeitanime-Romanze der Zukunft aus. Grapscht die humanoide Alita dem fiesen Onkel schlagartig an die Kehle und hämmert ihn in die nächstgelegene Tischplatte, ist jedoch plötzlich Leben in der Bude. Ob Teenieschnulze oder Überlebenskampf mit Happy End, die glubschäugige Protagonistin weckt ungeahntes Interesse.

2. Avengers: Infinity War

Zugegebenermaßen sieht Thanos wie ein sonnenverbrannter Nacktmull aus und der erste Trailer verheißt zwar Fratzengeballer mit fast allem was das Marveluniversum zu bieten hat, aber so wirklich vom Hocker hauen tun einen die ersten Bilder des kommenden Epos nicht. Immerhin macht sich der pinke Schrumpelkopf nun höchst persönlich den goldenen Handschuh schmutzig. Abwarten, vorher kommt ja noch Black Panther.

3. Fantastic Beasts: The Crimes of Grindelwald

Eddie Redmaynes erster Zauberstabauftritt strotzte vor CGI, verlor dennoch den üblichen Harry Potter Charme nie aus den Augen. Ob Johnny Depp als Grindelwald und Jude Law als junger Dumbledore ihr Nötigstes dazu beitragen, um die zauberhafte Welt von J. K. Rowling am Leben zu erhalten, bleibt offen.

Bastian Quednau

Top 10 Filme:

1. Blade Runner 2049

Wenn dein Lieblingsregisseur eine visuell atemberaubende, storytechnisch geniale und insgesamt großartige Fortsetzung zu einem der besten Science-Fiction-Filme aller Zeiten abliefert, die noch dazu mit einem phänomenalen Cast gesegnet ist, dann musst du über deinen ersten Platz in diesem Jahr nicht groß nachdenken.

2. Dunkirk

Dunkirk wählt eine etwas andere, aber nicht minder interessante herangehensweise an sein Thema. Christopher Nolans neuestes Werk ist ein technisch beeindruckendes und brachiales Kinoerlebnis, und meine im Vorhinein hohen Erwartungen wurden nicht enttäuscht.

3. La La Land

Bunt, leichtfüßig, berührend, sympathisch besetzt und mit einem grandiosen Soundtrack ausgestattet: Damien Chazelles neuestes Werk ist eine wunderschöne Hommage an das alte Hollywood – selbst für Nicht-Musical-Fans – und war für mich pure Kinomagie.

4. Planet der Affen: Survival

Ein technisch über jeden Zweifel erhabener und in jeglicher Hinsicht zufriedenstellender Abschluss einer der besten Trilogien dieses Jahrtausends.

5. Hell or High Water

David Mackenzies Neo-Western hat mich sehr früh im Jahr tief beeindruckt. Ein spannend inszenierter Blick auf eine perspektivlose Region, toll gespielt und mit einem sehr starken Ende.

6. Logan – The Wolverine

Neben dem Look und der neu eingeführten Brutalität, die dem Film ausgezeichnet steht, ist es überraschenderweise die feinfühlige Story, die mich nachhaltig berührt und beeindruckt hat.

7. King Arthur: Legend of the Sword

Guy Ritchies moderne Interpretation der Artus-Sage mag nicht jedermann ansprechen, mir hat sie jedoch sehr viel Spaß gemacht, sowohl von der Inszenierung als auch von Ritchies neu eingebrachten Ideen her.

8. The Founder

Der neue Film von John Lee Hancock ist ein rasant erzähltes, interessantes und sehr unterhaltsames Biopic über den Gründer(?) von McDonalds. Noch dazu besticht es durch eine tolle Hauptfigur, die stets zwischen Genialität und Skrupellosigkeit schwankt, und bei der man nie weiß, ob man sie nun mögen oder hassen soll.

9. Ghost in the Shell

Das US-Remake ist sicherlich keine philosophische Offenbarung oder ein inhaltliches Glanzstück, aber ich hatte dennoch meinen Spaß, und durch den Film bin ich letztlich auf die Anime-Vorlage gestoßen und nun bei Stand Alone Complex angelangt.

10. Die irre Heldentour des Billy Lynn

Mit dem letzten Platz habe ich mich sehr schwer getan, an dieser Stelle hätte genauso gut Suburra stehen können. Letztlich habe ich mich dann aber doch für Die irre Heldentour des Billy Lynn entschieden, eine teils humorvolle, aber vor allem schonungslose Abrechnung mit dem Umgang von Kriegsveteranen, bei der einem das Lachen dann doch eher im Halse stecken bleibt.

Top 5 Serien:

Zugegeben, nach der ersten Folge musste ich mich wirklich zwingen dranzubleiben, was sich jedoch gelohnt hat. Nimmt man in Kauf, dass einem die Serie nur sehr wenig erklärt und ansonsten mit Fragezeichen im Gesicht stehen lässt, bekommt man faszinierende und optisch überwältigende acht Episoden geboten.

2. Westworld

Das Thema von künstlichen Intelligenzen und ihrer Menschlichkeit hat mich durch das ganze Jahr begleitet (Ghost in the Shell, Blade Runner 2049), doch der Ansatz, den Jonathan Nolan in seiner zurecht gefeierten Serie wählt, ist wohl der interessanteste – auf jeden Fall anschauen!

3. Suburra

Ich habe einfach eine Schwäche für Mafia- und Gangsterfilme/-serien. Dabei stechen zuletzt vor allem die italienischen Genrevertreter hervor. An die Qualität von Gomorrha kommt man zwar nicht ran, dennoch ist Suburra ein packende und schick inszenierte Serie mit interessanten (Figuren-)Entwicklungen, die hoffentlich um eine zweite Staffel verlängert wird.

4. The Punisher

Zugegebenermaßen kenne ich die Comic-Vorlage nicht, aber mir gefiel der realistische und geerdete Ansatz des Punishers. Die Action steht hinter dem Nahebringen der Figuren und der Entwicklung der Handlung nicht mal im Mittelpunkt, aber wenn sie dann mal kommt, explodiert sie in einem beeindruckenden Feuerwerk.

5. Mr. Robot

Auch in der dritten Staffel hat Mr. Robot nichts von seiner Genialität verloren und bringt sogar ein paar der besten Episoden der gesamten Serie hervor.

Top Newcomer:

Mckenna Grace

Als Kind seinem erwachsenen Co-Star die Show zu stehlen ist nicht leicht, vor allem wenn es sich bei dem Kollegen um Chris Evans handelt. Mckenna Grace hat das in Begabt – Die Gleichung eines Lebens als eigenwilliges Wunderkind fast schon mühelos geschafft und sich somit die Erwähnung an dieser Stele redlich verdient.

Top Schauspieler:

Jude Law

Sei es nun als eigensinniges Oberhaupt der katholischen Kirche in The Young Pope oder als machthungriger Herrscher in King Arthur: Die Rollen, die sich mit den düstereren Seiten seiner Figuren beschäftigen, stehen dem Briten gut zu Gesicht – in Zukunft gerne mehr davon.

Top Schauspielerin:

Natalie Portman

Mit ihrer sehr detailgetreuen und eindringlichen Darbietung der ehemaligen First Lady hat Natalie Portman Jackie alleine auf ihren Schultern getragen. Eine klasse Performance, die den Film schon alleine sehenswert macht.

Top 3 Höhepunkte:

1. Klassiker auf der großen Leinwand

Es ist immer etwas Besonderes, Filme aus vergangenen Jahrzehnten einmal auf der großen Leinwand zu sehen. In diesem Jahr hatte ich nicht nur die Möglichkeit Klassiker, wie Der Pate, Die üblichen Verdächtigen und Heat einmal im Kino zu bewundern, sondern auch die gesamte Herr der Ringe-Trilogie in der Extended Version – das sind die Kinobesuche, die man nicht so schnell vergisst.

2. Serien-Boom

Wir erleben wohl gerade das goldene Zeitalter der Serien – sowohl was Quantität als auch Qualität angeht. Neben den bereits oben genannten Serien, erschienen unter anderem auch die Premieren- oder Nachfolgestaffeln von Peaky Blinders, Billions, Modern Family, Startup, The Young Pope, Taboo, The Night Of und Atlanta. In einem anderen Jahr hätten es viele davon wohl in meine Top 5 geschafft, aber 2017 war die Konkurrenz glücklicherweise so groß, dass man daraus auch locker eine Top 15 hätte machen können.

3. Die Oscar-Moderation von Jimmy Kimmel

Als großer Fan der Jimmy-Kimmel-Show darf bei mir natürlich auch die letztjährige Oscar-Verleihung nicht fehlen. Neben zahlreichen Witzen über die kürzlich stattgefundene Präsidentschaftswahl und den üblichen Sticheleien gegenüber den Nominierten, durfte natürlich auch die Fehde mit „Erzrivale“ Matt Damon nicht fehlen. Für mich war es die unterhaltsamste Verleihung, dementsprechend freue ich mich auf die kommenden Oscars, die Kimmel erneut moderieren wird.

Top 3 Enttäuschungen: 

1. Kevin Spacey

Natürlich muss man mit vorschnellen Verurteilungen vorsichtig sein, aber an den anfänglichen Gerüchten scheint ja nunmehr wirklich etwas dran zu sein. Darüber, wie schlimm alles ist, was da in Hollywood hinter den Kulissen vorgegangen ist, müssen wir hier selbstverständlich nicht diskutieren. Mich persönlich hat die Verwicklung von Kevin Spacey dennoch hart getroffen, da er seit jeher einer meiner absoluten Lieblingsschauspieler war.

2. Sherlock

Lange habe ich mich gesträubt, Sherlock an dieser Stelle in die Liste aufzunehmen. Doch letztlich musste ich mir eingestehen, wie sehr mich die letzte Staffel der bereits Kult gewordenen Serie, vor allem inhaltlich, enttäuscht hat.

3. Star Wars: Episode VIII – Die letzten Jedi

Einige Sachen am neuen Star Wars haben mich begeistert und gehören mit zu dem Besten, was die Franchise je hervorgebracht hat, andere haben mich wiederum maßlos enttäuscht. Die letzten Jedi war für mich persönlich eine Achterbahnfahrt. Am Ende steht immer noch ein anständiger Film, aber einer, von dem ich mehr erwartet habe.

Top 3 meist erwartete Filme/Serien 2017:

1. Sicario 2: Soldado

Denis Villeneuve und Emily Blunt sind raus. Ich erwarte nicht, dass der Film an die Qualität seines Vorgängers rankommen wird, der mir bei jedem Mal Schauen besser gefällt. Immerhin hat man mit Stefano Sollima den Regisseur meiner aktuellen Lieblingsserie (Gomorrha) an Board geholt. Die Hoffnung, dass Sicario 2: Soldado ein sehr guter Thriller werden wird, besteht weiterhin.

2. Black Panther

Ich bin bei weitem kein großer Marvel-Fan, und ich war von den letzten Abenteuern im MCU auch wenig begeistert, aber die Einführung von Black Panther in The First Avenger: Civil War hat mir sehr gut gefallen. Dazu bildet er die nunmehr dritte Zusammenarbeit des kongenialen Duos Ryan Coogler und Michael B. Jordan (Nächster Halt: Fruitvale Station, Creed – Rocky’s Legacy) – für mich schon Grund genug diesen Film zu sehen.

3. Mission: Impossible

Durch Phantom Protokolll habe ich damals zu der Agentenreihe gefunden, Rogue Nation zählte dann zu einem der besten Actionfilme, die ich in den letzten Jahren gesehen habe. Beim neuesten Teil der Reihe nimmt mit Christopher McQuarrie nun erstmals ein wiederkehrender Regisseur hinter der Kamera Platz. Außerdem kommt beinahe dasselbe Team wie schon zuletzt zusammen, und im Gegensatz zu Justice League, dürfen wir Henry Cavill hier nun einmal mit Bart sehen.

Oliver Armknecht

Top 10 Filme:

1. Sieben Minuten nach Mitternacht

Fantastische Darsteller, wunderbare Animationssequenzen und eine der erwachsensten Messages, die ein Jugendfilm haben kann: Es ist in Ordnung, wenn dein Leben dich überfordert. Mir kommen noch immer die Tränen, wenn ich nur den Trailer sehe.

2. Manchester by the Sea

Der zweite Film, der mich Anfang des Jahres komplett durch die Mangel genommen hat. Wenn Bruder und Sohn versuchen, gemeinsam über den schmerzlichen Verlust hinwegzukommen, dann hält mich nur die grauenvolle Musik von der Höchstwertung ab.

3. Moonlight

Endlich mal ein Film zur Aufmunterung. In einer Zeit, in der Toleranz wieder verstärkt mit den Füßen getreten wird, war die unbeholfene Annäherung eines schwarzen Ghetto-Dealers und eines Koches die schönste und wichtigste Liebesgeschichte des Jahres.

4. A Ghost Story

Als hätte es nicht gereicht, dass mich Casey Affleck im Januar todtraurig gemacht hätte, macht er dasselbe im Dezember gleich noch mal. Die Bettlaken-Verkleidung mag noch so kurios sein, aber kaum ein Film hat es derart kunstvoll und schmerzhaft authentisch fertig gebracht, über Leben, Lieben und Leiden zu philosophieren.

5. Mein Leben als Zucchini

Als Animationsfan war das vergangene Jahr eine ziemliche Enttäuschung, zumindest im Big-Budget-Bereich. Glücklicherweise gab es aber eine Reihe kleiner Perlen, darunter dieses wunderschöne Stop-Motion-Drama über ein Waisenheim.

6. Sicilian Ghost Story

Beim Fantasy Filmfest 2017 stachen dieses Mal vor allem Filme mit jungen Protagonisten hervor. Keiner aber mehr als das Center Piece, das eine wahre Geschichte in poetisch-grausames Meisterwerk verwandelt.

7. Jahrhundertfrauen

Trotz einer Reihe bedeutender Nominierungen hat irgendwie kaum jemand Notiz von dieser ganz eigenen Wohngemeinschaft genommen. Und das ist schade, denn die Geschichte um einen Jungen, der zwischen lauter ungewöhnlichen Frauen aufwächst, ist Independentkino in Bestform.

8. La La Land

Auch wenn ich mit Musical normalerweise nicht viel anfangen kann: Damien Chazelle hat nicht nur einen der hinreißendsten Filme des Jahres gedreht, sondern auch eine erstaunlich bittersüße Auseinandersetzung damit, was es heißt, für die Kunst zu leben.

9. Elle

Wer auch nur ansatzweise an das Gute im Menschen glaubt, wird mit diesem eiskalten Vergewaltigungsthrillerdrama eines Besseren belehrt.

10. Blade Runner 2049

Auch wenn ich mir inhaltlich doch noch ein bisschen mehr erhofft hätte, ist das visuell berauschende Science-Fiction-Werk ein beeindruckendes Beispiel dafür, dass Kultfilme viele Jahrzehnte später würdige Nachfolger finden können.

Top 5 Serien:

1. American Gods – Staffel 1

Ich hab das Buch damals verschlungen. Und auch wenn Bryan Fuller hier ein bisschen länger braucht, um in die Gänge zu kommen: Wenn die sonderbaren Figuren erst einmal loslegen, gibt es kein halten mehr. Dazu gibt es wie immer kleine visuelle Kunstwerke.

2. The Young Pope – Staffel 1

Experiment gelungen: Filme von Paolo Sorrentino gehören für mich ja immer zum Pflichtprogramm. Zum Glück steht sein bissiger Serieneinstand über einen rücksichtslosen jungen Papst dem fast nicht nach.

3. Death Parade

Es hat ja eine Weile gedauert, bis die Animeserie um tödliche Spiele endlich auch wirklich in Deutschland erschien. Aber die Wartezeit hat sich gelohnt: Death Parade ist originell und dabei moralisch tiefgründig.

4. Bakemonogatari

Noch so ein später Anime-Release in Deutschland. Aber der stilistische Wahnsinn in der etwas anderen Vampirsaga ist ja zum Glück zeitlos.

5. Penny Dreadful – Staffel 3

Auch wenn die Serie nicht mehr ganz an den fantastischen Einstieg anschließen konnte, die ungenierte Kombination der unterschiedlichsten Horrorfiguren macht einfach Spaß.

Top Newcomer:

Lucas Hedges

Kein Nachwuchsschauspieler hat wohl derzeit ein vergleichbares Talent, sich in Meisterwerke hineinzuschleichen. Erst das aufwühlende Trauerdrama Manchester by the Sea, danach das schwarzhumorige Three Billboards Outside Ebbing, Missouri, als Nächstes steht Lady Bird an. Okay, er hat überall nur eine der Nebenrollen. Dennoch: Einen solchen Lauf muss man erst einmal haben.

Top Schauspieler:

Ryan Gosling

Es war ein enges Rennen mit Casey Affleck, der ebenfalls mit zwei Filmen in meinen Jahres Top 10 vertreten ist. Im Gegensatz zu seinem Kollegen ist Gosling aber dauernd zu sehen und vor allem auch zu hören.

Top Schauspielerin:

Isabelle Huppert

Die Schauspielerin geht immer, egal ob nun als frostige Unternehmenschefin in Elle oder als verlassene Intellektuelle in Alles was kommt. Selbst eine nette Belanglosigkeit wie Ein Chanson für dich wird dank ihr sehenswert.

Top 3 Höhepunkte:

1. Filmfeste

Ich bin ja schon ein bisschen stolz auf unsere neue Filmfestecke. Und dankbar für die vielen neuen Kooperationspartner, die uns dieses Jahr mit viel interessantem Stoff versorgt haben. Dass ein paar Filmfeste meinten, nicht auf Mails reagieren zu müssen, trübte das Filmvergnügen nur wenig.

2. Horror trifft Coming of Age

Okay, ganz neu ist die Kombination nicht. Aber so geballt und kunstvoll wie dieses Jahr waren die finsteren Ausflüge in die Jugend wohl nie. Es brach diverse Kinorekorde. Sieben Minuten nach Mitternacht und Sicilian Ghost Story stehen in meiner Jahres Top 10. Dahinter tummeln sich Filme wie Super Dark Times oder Boys in the Treesdie tägliche mit ungewöhnlichen Albträumen vermischen.

3. Interviews

Dominique Abel, Fiona Gordon, Charlie Hübner, Jacob Matschenz, Nico Sommer, Kostja Ullmann – ich durfte dieses Jahr einige Leute treffen, die ich schon lange mag. Und es waren alles sehr nette Gespräche.

Top 3 Enttäuschungen:

1. Disney kauft Fox

Ganz abgesehen davon, dass ich kein großer Fan von Megaunternehmen bin und Disney auch so schon die Kinokassen dominiert, darf man jetzt auch in künstlerischer Hinsicht zittern: Ist der Trend zu Superblockbustern und der Tod mittlerer Studiofilme noch aufzuhalten?

2. Netflix

Als Neu-User bin ich ja durchaus angetan von dem Angebot und der Bequemlichkeit, per Fernseh-App zeitlich unabhängig Filme und Serien anzuschauen. Aber meine Fresse: Die Benutzerführung ist eine Zumutung, die Suchfunktionen sind Dreck, es gibt keine zeitliche Übersicht, Ankündigungen haben keine Gültigkeit, alte Filme werden rausgenommen, ohne dass man davon erfährt. Wenn das die Zukunft des Filmschauens ist, verzichte ich dankend.

3. Star Wars wird verheizt

Früher war es ja noch etwas Besonderes, wenn mal ein neuer Film der Sternensaga gedreht wird. Jetzt wird im Fließband produziert. Die bisherigen Filme der neuen Ära sind zwar alle gut, aber eben auch nicht mehr. Und speziell bei Die letzten Jedi merkt man auch: Es fehlt eine umfassende Vision. Man springt von einem Moment zum nächsten, ohne zu wissen, wo man eigentlich hin will oder was Star Wars sein soll.

Top 3 meist erwartete Filme/Serien 2017:

1. Isle of Dogs

Vier lange, lange Jahre waren es, bis sich Wes Anderson endlich mal wieder zurückmeldet. Aber einen Stop-Motion-Film über Hunde in einem dystopischen Japan dreht man auch nicht über Nacht.

2. Lady Bird

Mistress America war einer der lustigsten Filme der letzten Jahre. Wenn Greta Gerwig ein neues Drehbuch schreibt, dann ist das allein deshalb schon Pflicht. Dass sie hier ihr Regiedebüt abgibt, Saoirse Ronan die Hauptrolle spielt und die Kritiken aus den USA fast schon obszön euphorisch sind, lassen die Wartezeit zu einer Qual werden.

3. Lu Over the Wall/Night Is Short, Walk On Girl

Der Regiesonderling Masaaki Yuasa meldet sich mit einem Film-Doppelschlag zurück, das 2018 endlich auch nach Deutschland kommt. Das allein lässt 2018 zu einem der besten Anime-Jahre seit Menschheitsgedenken werden. Dass im Januar seine Serie Devilman Crybaby auf Netflix veröffentlicht wurde, ist da fast schon zu viel des Guten (und Verrückten).

Jahresrückblick 2017 [Special]
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