(„Creed“ directed by Ryan Coogler, 2015)

Creed DVDAdonis ‚Donnie‘ Johnson (Michael B. Jordan) ist der Sohn von Apollo Creed, einem der berühmtesten Boxer der Geschichte. Da sein Vater bereits vor seiner Geburt gestorben ist, wächst Donnie bei seiner Stiefmutter in besten Verhältnissen auf. Um diese stolz zu machen, nimmt er später einen Bürojob mit sehr guten Karriereaussichten an. Das Boxen liegt ihm allerdings im Blut und lässt ihn nicht los. In Mexiko sammelt er erste, durchaus erfolgreiche Erfahrungen. Einen professionellen Trainer findet er in seiner Heimatstadt Los Angeles jedoch nicht. Aus diesem Grund zieht es ihn nach Philadelphia. Dort lebt Rocky Balboa (Sylvester Stallone), der einstige Rivale und spätere Trainer seines Vaters. Dieser hat zwar vor einiger Zeit bereits mit dem Boxgeschäft abgeschlossen, willigt jedoch nach kurzer Zeit ein, Donnie zu trainieren. Der ehemalige Champion nimmt den Sohn seines einstigen Freundes unter seine Fittiche und bereitet ihn auf den bisher härtesten Kampf seines Lebens vor – und dieser findet inner- und außerhalb des Rings statt.

Hätte man vor fünf Jahren jemanden gefragt, wer Ryan Coogler ist, hätten die meisten wohl keine vernünftige Antwort parat gehabt. Heute ist der Dreißigjährige einer der gefragtesten Jung-Regisseure Hollywoods – was eigentlich beim ersten Blick auf seine Filmografie kaum zu glauben ist. Neben drei Kurzfilmen hat der US-Amerikaner nämlich erst bei zwei Spielfilmen Regie geführt. Dann sind die Vorschusslorbeeren für ihn doch total ungerechtfertigt, oder? Mitnichten. Um dies nachvollziehen zu können muss man allerdings einen genaueren Blick auf die letzten beiden Projekte Cooglers werfen. Zuerst wäre da einmal der Independent-Film Nächster Halt: Fruitvale Station. Ein von den Kritikern zurecht gefeiertes Drama, welches sowohl tragisch als auch packend ist und gleichzeitig mit einer politischen Botschaft versehen wurde. Dieses eine Werk hat gereicht, um einem jungen und aufstrebenden Regisseur die Türe nach Hollywood zu öffnen. Etwas überraschend suchte sich Ryan Coogler Creed – Rocky’s Legacy als sein nächstes Projekt aus. Mit dem Reboot des Rocky-Franchises zeigte er es seinen Kritikern erneut. Demnach ist es auch ebenfalls nicht überraschend, dass sein nächster Film noch einmal eine Nummer größer wird: Dieser heißt nämlich Black Panther und wird einer der neuesten Filme aus dem Marvel Cinematic Universe.

Trotz seiner vergleichsweise geringen Erfahrung im Filmgeschäft scheint Ryan Coogler mit Michael B. Jordan bereits einen Lieblingsschauspieler gefunden zu haben. Ein unbeschriebenes Blatt ist dieser zwar nicht mehr, nichtsdestotrotz ist die Hauptrolle in einer Filmreihe wie Rocky sie war, beziehungsweise Creed sie werden soll, seine bisher größte Herausforderung, die er jedoch mit Bravour meistert. Auch die Angst, dass er neben Sylvester Stallone ein wenig untergehen könnte ist unbegründet. Beide Darsteller haben jeweils für sich ihre Momente. Allerdings sind sie in ihren gemeinsamen Szenen am stärksten. Zurückzuführen ist dies auf die wunderbare Chemie, die zwischen den beiden herrscht. Sie passen einfach perfekt in ihre Rollen und harmonieren vor der Kamera tadellos zusammen. Jordan ist in diesem Film weniger als Boxer, sondern viel mehr als Charakterdarsteller gefordert. Für ihn stellt dies kein Problem dar, da er als beides restlos überzeugen kann. Genauso stark spielt sein Co-Star auf. Sylvester Stallone darf viele verschiedene Facetten seiner Figur darstellen und zeigt dabei eine grandiose Leistung. Der inzwischen Siebzigjährige beweist in Creed, dass er nicht nur Action, sondern auch tiefgründigere Charaktere spielen kann.

Da tut sich unweigerlich die Frage auf, ob so stark performende Schauspieler in einem Sportfilm keine Verschwendung seien. Doch genau da liegt der Kniff. Wer Creed nämlich nur auf seine boxerischen Gesichtspunkte reduziert, wird dem Werk in keinster Weise gerecht. Bei diesem handelt es sich tatsächlich um ein zutiefst menschliches Drama über Familie, Krankheit und Selbstfindung. Hört sich eigentlich nach einer deutlichen Themen-Überladung an – doch so ist es nicht. Keiner der genannten Aspekte nimmt zu viel Raum in der Handlung ein, dennoch wird jeder ausführlich genug behandelt. Durch dieses an vielen Stellen brillant geschriebene Drehbuch ist es auch möglich, über die Momente hinwegzusehen, in denen es der Film nicht zu einhundert Prozent schafft, sich aus den Konventionen des Genres zu befreien und in denen dem Zuschauer bewusst wird, dass er im sportlichen Bereich eigentlich nur eine reine Underdog-Story serviert bekommt.

Ausgeglichen wird dies durch dynamische und stark choreografierte Boxkämpfe. Besonders hervorzuheben sind hier nicht nur die durchtrainierten und beeindruckenden Darsteller, sondern auch Kamerafrau Maryse Alberti. Dank ihrer hervorragenden Aufnahmen im Ring und mehreren spektakulären Plansequenzen ist der Zuschauer in den entschiedenen Momenten immer hautnah am Geschehen. Die Krönung erfolgt hier eigentlich schon in der Mitte des Films, in einem mehrminütigen Boxkampf, der komplett ohne Schnitte auskommt. Sowohl die Darsteller als auch das Kamerateam haben in dieser Szene einen sensationellen Job gemacht und eine Sequenz geschaffen, die zu einer der stärksten in diesem Kinojahr zählen wird.

Creed – Rocky’s Legacy
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Creed – Rocky’s Legacy
"Creed" ist ein würdiger Abschluss der Rocky-Reihe und gleichzeitig ein vielversprechendes Reboot. Ein Ende und ein Anfang in einem Film, der darüber hinaus noch ein starkes und abwechslungsreiches Drama ist, mit grandiosen Darstellern aufwarten kann und bei dem auch in Sachen Kameratechnik und Kampfchoreographie kein Wunsch offen bleibt. Untermalt wird der Film, der sich zwischendurch doch ein wenig zu sehr an alteingesessenen Klischees bedient, von einem passenden Hip-Hop-Soundtrack und einem genauso imposanten Score.
8von 10

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