(„Taboo – Season 1“ directed by Kristoffer Nyholm and Anders Engström, 2017)

Taboo Staffel 1

„Taboo – Die komplette 1. Staffel“ erscheint am 13. April 2017 auf DVD und Blu-ray

London 1814: Nach dem Ableben seines Vaters kehrt der totgeglaubte James Keziah Delaney (Tom Hardy) aus Afrika in seine Heimat zurück. Über das, was ihm in der Fremde widerfahren ist, ranken sich wilde und schreckliche Gerüchte – von einem Kannibalen und einem Teufel in Menschengestalt ist unter anderem die Rede. James Delaney ist jedoch mit einem konkreten Plan zurückgekehrt. Denn das Erbe seines Vaters beinhaltet ein kleines Stück Land namens ‚Nootka Sound‘, welches sich an der Westküste Kanadas befindet, und an dem sowohl die Amerikaner als auch die Briten, und insbesondere die East India Company, interessiert sind. Trotz der mächtigen Gegenspieler denkt Delaney nicht an einen Verkauf. Er möchte sein eigenes Handelsunternehmen gründen, doch dabei stößt er auf große Widerstände.

Serien sind längst nicht mehr einfach nur Serien, wie man sie von vor einigen Jahren kennt. Der ehemals kleine Bruder der Filmproduktionen steht diesen heutzutage qualitativ gesehen in nichts nach und hat sie in manchen Bereichen bereits hinter sich gelassen. Auch was das Budget angeht, wird in der Fernseh- und Streaming-Landschaft deutlich aufgeholt. Serien bieten die Möglichkeit, Figuren besser zu charakterisieren und zu entwickeln und Geschichten umfangreicher und komplexer zu erzählen. Angezogen von diesen Möglichkeiten, und womöglich auch etwas von dem Erfolg, finden nunmehr immer mehr Hollywood-Stars ihren Weg in das Seriengeschäft. Tom Hardy (The Revenant – Der RückkehrerKind 44), der zuletzt auch schon in der zweiten Staffel von Peaky Blinders zu sehen war, geht mit Taboo nun sogar noch einen Schritt weiter – hier zeichnet er sich nämlich nicht nur als Hauptdarsteller, sondern auch als Schöpfer und Produzent verantwortlich.

Grimmiger Blick statt charakterlicher Tiefe
Und auch auf dem Bildschirm macht Tom Hardy eine gewohnt starke Figur, dabei wird er jedoch nicht sonderlich gefordert. Tiefe wird seinem Charakter durch das Drehbuch nur bedingt gegeben, und ansonsten wird von ihm oftmals lediglich verlangt, einen grimmigen Blick aufzusetzen. Er holt aus der Rolle raus, was geht, und dabei wird er auch von einem guten Cast, wie zum Beispiel Jonathan Pryce, Franka Potente, Michael Kelly, Tom Hollander und Sherlock-Schöpfer Mark Gatiss unterstützt. Der einen oder anderen Nebenfigur fehlt es jedoch an einer Daseinsberechtigung. Weder sind sie für die Handlung von größerer Bedeutung, noch sind sie sonderlich interessant. Bezeichnend dafür ist auch die Beiläufigkeit, mit der sie das Geschehen dann letztlich verlassen.

Nichtsdestotrotz ist Taboo durchaus spannend geworden, was vor allem an den undurchsichtigen Absichten der einzelnen Charaktere liegt und an den teilweise überraschenden Maßnahmen, die ergriffen werden, um das große Ziel zu erreichen. Dabei sind insgesamt vier Parteien mit von der Partie, was für reichlich Abwechslung sorgt, da sich die Kooperations-Beziehungen jederzeit ändern können und da aus Verbündeten ganz schnell Feinde werden können. Wie bei einem Schachspiel verfolgt der Zuschauer die jeweiligen Züge der Beteiligten, was an manchen Stellen schon etwas Politisches hat. Ab und an zieht sich das Ganze ein wenig in die Länge, insgesamt fällt dies aber nicht ganz so stark ins Gewicht, was auch an dem schmutzigen Look und den tollen Settings liegt, die immer wieder die Aufmerksamkeit des Zuschauers für sich gewinnen.

Ein bisschen Mystik für zwischendurch
Neben dem historischen Aspekt, der ja schon durch die zeitliche Ansiedlung im 19. Jahrhundert gegeben ist, und der dramatischen Seite von Taboo, versucht die Serie gleichzeitig noch mystische Elemente unterzubringen. Dies resultiert aus Delaneys Aufenthalt in Afrika, wo er zu der Person geworden ist, der wir hier acht Episoden lang folgen. Nur leider gibt es keinerlei Rückblicke zu der Zeit auf dem damals noch für viele Menschen fremden und unheimlichen Kontinent – und das, obwohl dies eine durchaus wichtige Rolle spielt. Es wird kaum darüber gesprochen, was währenddessen passiert ist. Lediglich ein paar Andeutungen treten zutage, aus denen sich der Zuschauer dann alles zusammenreimen kann. Zwar ist die Vorstellungskraft deutlich effektiver als tatsächlich gezeigte Bilder, doch der ein oder andere zusätzliche Anhaltspunkt wäre hilfreich gewesen. Das Ausmaß der Kräfte Delaneys bleibt ein Geheimnis, eine ungefähre Einordnung ist für den Betrachter somit unmöglich. Dies ist womöglich etwas, auf das man in weiteren Folgen, sollte es diese geben, noch einmal spezifischer eingehen kann. Sollte es jedoch keine Weitererzählung der Geschichte geben, wäre dies auch nicht ganz so schlimm, da das Ende von Taboo ohne Probleme auch den Abschluss der Serie bedeuten kann, andererseits aber auch noch genügend Stoff  für eine weitere Staffel bietet.

Taboo – Staffel 1
4 (80%) 3 Artikel bewerten

Taboo – Staffel 1
"Taboo" ist eine gut aussehende, spannende Serie im historischen London. Der gute Cast kann die ein oder andere Schwäche im Drehbuch kaschieren, aber bei weitem nicht alle.
7von 10

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