
Gemeinsam haben Jean (Jean Gabin), Charles (Charles Vanel), Raymond (Raymond Aimos), Jacques (Charles Dorat) und Mario (Raphaël Medina) so manches gemeinsam durchgemacht, haben Höhen und Tiefen bestritten. Doch nun steht ihnen etwas bevor, das ihre Freundschaft auf eine harte Probe stellen wird. Denn sie haben zusammen bei einer Lotterie gewonnen, 100.000 Francs dürfen die fünf unter sich aufteilen. Das ist viel Geld, vor allem, wenn man wie die fünf Arbeiter sonst kaum welches hat. Nach einigem hin und her beschließen sie, das Geld gemeinsam auszugeben und ein Haus zu kaufen, das sie in ein Tanzlokal verwandeln wollen. Doch je näher die Eröffnung rückt, umso größer werden die Probleme und das Quintett droht an der Geschichte sowie äußeren Umständen zu zerbrechen …
Bittere Milieustudie
Mangelnde Produktivität kann man Julien Duvivier kaum vorstellen. Rund 70 Filme hat der französische Regisseur und Drehbuchautor im Laufe seiner mehrere Jahrzehnte umspannenden Karriere gedreht. Darunter waren viele Höhepunkte wie die das Gangsterporträt Pépé le Moko – Im Dunkel von Algier (1937) und Panik (1946) um einen Mord in einer französischen Kleinstadt und einen Außenseiter. Und auch das 1936 veröffentlichte Drama Zünftige Bande ist selbst 90 Jahre später ein nach wie vor sehr sehenswertes Werk. Krimianteile hat der Film nur bedingt, dafür aber spannende Einblicke in das Leben von fünf einfachen Menschen, die glauben, das große Los gezogen zu haben – in mehr als einer Hinsicht.
Dass solche Gewinne einem nicht nur Glück bringen, haben andere Filme auch gezeigt Ebenfalls aus Frankreich kamen die Komödien Sechs Richtige – Glück ist nichts für Anfänger und Fünf Glückspilze, bei denen es zum Teil richtig böse endet, wenn man meint, endlich mal etwas gewonnen zu haben. Auf Humor verzichtet Duvivier, der hier am Drehbuch mitgeschrieben hat, jedoch. Zünftige Bande ist vielmehr ein sehr bitterer Film. Dabei dauert es jedoch eine Weile, bis es so weit ist. Zunächst ist das hier in erster Linie das Porträt von fünf Menschen, die aus dem Arbeitermilieu kommen. Die Schwierigkeiten, mit denen das Quintett zu kämpfen hat, werden zwar angedeutet. Aber das hält sich die Waage mit den Momenten der Gemeinschaft, in denen wir die eingeschworene Clique kennenlernen. Das ist ruhig erzählt und doch sehenswert als eine Art Milieustudie.
An der Realität zerbrochen
Später wird das alles auseinanderbrechen. Das hat allerdings nur bedingt mit dem Lottogewinn und dem gemeinsamen Projekt zu tun. Auch wenn sich die Beschreibung danach anhört, ist das hier kein Film, der sich damit befasst, wie Geld den Charakter verdirbt. Teilweise haben die fünf einfach Pech. Ganz klar ist deshalb auch nicht, welche Aussage Zünftige Bande eigentlich treffen will – sofern überhaupt eine getroffen werden soll. Zumal der Film auch noch zwei alternative Enden hat. Während die optimistische Variante zumindest noch vereinzelt etwas Versöhnliches hat, geht es bei der pessimistischen und der von Duvivier favorisierten Fassung noch einmal bitterer zu. Da bleibt von den schönen Träumen wirklich gar nichts mehr übrig.
Zünftige Bande ist deshalb sicherlich auch kein Film, den man sich anschauen sollte, wenn man sich irgendwie ablenken möchte. Das ist hier schon richtig traurig. Anders als aber Werke wie Die Sünderin, bei denen man das Gefühl hat, dass da explizit das Leid ausgeschlachtet wird und man über das Elend hinaus nicht viel zu sagen hat, da ist der französische Oldie viel näher am Alltag dran und betont die Figuren. Umso mehr geht es einem deshalb auch nahe, wenn das Quintett aus verschiedensten Gründen auseinanderbricht und das Ticket in eine bessere Zukunft dann doch vielmehr der Anfang vom Ende ist. Die Unbeschwertheit und Freude, die sie anderen bringen wollten, sie bleibt ihnen selbst verwehrt.
OT: „La Belle Équipe“
Land: Frankreich
Jahr: 1936
Regie: Julien Duvivier
Drehbuch: Julien Duvivier, Charles Spaak
Musik: Maurice Yvain
Kamera: Marc Fossard, Jules Kruger
Besetzung: Jean Gabin, Charles Vanel, Viviane Romance, Raymond Aimos, Charles Dorat, Raphaël Medina, Micheline Cheirel, Robert Lynen
Bei diesen Links handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf über diesen Link erhalten wir eine Provision, ohne dass für euch Mehrkosten entstehen. Auf diese Weise könnt ihr unsere Seite unterstützen.
(Anzeige)




