
Eigentlich besuchen die Menschen das Pariser Vergnügungsviertel Pigalle, um dort ihren Spaß zu haben. Für einen Mann endet dieser Besuch jedoch tödlich, als er aus einem fahrenden Auto heraus erschossen wird. Zumindest ist es das, was Inspektor Lognon (Guy Decomble) gesehen haben will. Doch als die Kollegen von der Polizei dort eintreffen, ist keine Leiche zu finden. Wie kann das sein? Kommissar Jules Maigret (Jean Gabin) nimmt sich der Sache an und versucht, Licht in diese Angelegenheit zu bringen. Dabei stellt er fest, dass die US-Amerikaner tief in dieser Geschichte stecken und er ins doppelte Kreuzfeuer gerät: Sowohl die Unterwelt als auch die amerikanischen Diplomaten mischen sich in den Fall ein. Nur ist Maigret niemand, der sich so leicht von etwas abbringen lässt, wenn er erst einmal die Spur aufgenommen hat …
Abstieg in die Unterwelt
Auch wenn Georges Simenon im Laufe seiner Karriere noch sehr viel mehr geschrieben hat, fallen einem bei seinem Namen dann wohl doch als erstes die Romane rund um seinen Kommissar Maigret ein. Das liegt nicht nur an den zahlreichen Büchern an sich, 75 Romane und 28 Erzählungen waren es am Ende. Auch die diversen Verfilmungen trugen dazu bei, dass der französische Polizist zu einem festen Bestandteil des Krimikanons wurde. Zu den bekannteren Adaptionen gehören dabei die, in denen die Leinwandlegende Jean Gabin den unbeirrbaren Ermittler mimte. Zuerst spielte er diesen 1958 Kommissar Maigret stellt eine Falle, wo ein Serienmörder gejagt wird, der Paris unsicher macht. Ein Jahr später folgte Maigret kennt kein Erbarmen, diesmal musste der Mord an einer alten Gräfin aufgeklärt werden. 1963 schließlich kam Kommissar Maigret sieht rot, der dritte und letzte Film mit Gabin in der Rolle der berühmten Romanfigur.
Die Adaption des bereits 1952 veröffentlichten Romans Maigret, Lognon et les Gangsters geht dabei in eine andere Richtung, als man das aus vielen Krimis kennt. So beginnt die Geschichte zwar ebenfalls mit einem Verbrechen, wenn ein Mann ermordet wird. Doch daran schließt sich nicht die übliche Suche nach dem Täter an. Klar, das Verbrechen muss schon aufgeklärt werden. Nur macht Kommissar Maigret sieht rot früh klar, dass die Antwort irgendwo in der amerikanischen Unterwelt von Paris zu finden sein muss. Mehrere Männer saßen in dem Auto, aus dem geschossen wurde. Wer genau am Ende den Abzug gedrückt hat, ist da nebensächlich. Wenn gerätselt werden muss, dann darüber, warum dieser Mord geschehen ist. Wer war der Tote? Und was hat er getan, dass er dafür unbedingt aus dem Weg geräumt werden musste?
Atmosphärisch, aber wenig interessant
Das fängt ganz atmosphärisch an. Es gelingt dem genreerfahrenen Regisseur und Autor Gilles Grangier (Gas-Oil) gut, das Publikum neugierig zu machen und eine unheilvolle Stimmung zu erzeugen. Der Besuch einer Bar, zu der eine Spur führt und die von einem Amerikaner geleitet wird, erzeugt eine wohlige Spannung. Man merkt hier einfach, dass da etwas verkehrt ist und die Leute etwas im Schilde führen. Man weiß nur nicht was, denn die einzelnen Details werden erst nach und nach mit den Zuschauern und Zuschauerinnen geteilt. Auch später gibt es in Kommissar Maigret sieht rot immer wieder gelungene Szenen, wenn sich der Protagonist auf die Suche macht und dabei an dubiose Leute gerät.
Der vielversprechende Einstieg wird sich so aber nicht bis zum Ende bestätigen. Das größte Problem ist, dass der Film einfach keine besonders interessante Geschichte erzählt. Selbst wenn man sich nicht daran stört, dass zu früh die Antworten gegeben werden, ist es doch etwas enttäuschend, was da letztendlich herauskommt. Spannender ist noch der politische Aspekt, wenn es um die Vermittlung zweier Länder geht und der Polizist vorsichtig vorgehen muss – oder zumindest sollte. Dennoch, Kommissar Maigret sieht rot ist von den drei Krimis mit Gabin der schwächste. Für sich genommen ist die Adaption aber schon noch solide, weshalb es schade ist, dass sie nie fürs Heimkino veröffentlicht wurde.
OT: „Maigret voit rouge“
Land: Frankreich, Italien
Jahr: 1963
Regie: Gilles Grangier
Drehbuch: Jacques Robert, Gilles Grangier
Vorlage: Georges Simenon
Musik: Francis Lemarque, Michel Legrand
Kamera: Louis Page
Besetzung: Jean Gabin, Françoise Fabian, Paul Frankeur, Michel Constantin, Roland Armontel, Paul Carpenter, Guy Decomble
Bei diesen Links handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf über diesen Link erhalten wir eine Provision, ohne dass für euch Mehrkosten entstehen. Auf diese Weise könnt ihr unsere Seite unterstützen.
(Anzeige)



