Sacha Baron Cohen in der Komödie "Ali G: Who Iz I?" (© 2026 Amazon Content Services LLC. All Rights Reserved.)

Sacha Baron Cohen [Interview]

Mehr als zwei Jahrzehnte nach seinem ersten Kinoauftritt kehrt Ali G auf die große Leinwand zurück. In Ali G: Who Iz I? (Kinostart: 23. Oktober 2026) erfährt der selbst ernannte Gangster aus Staines, dass seine langjährige Freundin Julie schwanger ist und reist kurzerhand in die USA, um an seine früheren Erfolge anzuknüpfen. Für Sacha Baron Cohen bedeutet das nicht nur ein Wiedersehen mit einer seiner bekanntesten Figuren, sondern zugleich sein Regiedebüt. Neben Ali G verkörpert er zwei weitere Charaktere, die unterschiedliche politische Extreme repräsentieren. Im Gespräch erklärt Cohen, warum seine Figuren sich selbst kaum verändern, weshalb Satire gerade in einer zunehmend gespaltenen Gesellschaft wichtig ist und wie ausgerechnet Martin Scorsese und Tom Hooper ihn auf seine erste Regiearbeit vorbereitet haben.

 

Ali G ist eine Figur, die eigentlich fest in den frühen 2000er-Jahren verankert ist. Warum war gerade jetzt der richtige Zeitpunkt, ihn zurückzubringen?

Das Interessante an meinen Figuren ist, dass sie sich eigentlich nicht verändern. Die Welt verändert sich, und durch die Figuren erkennt man erst, wie sehr sie sich verändert hat. Ali G ist immer noch derselbe weiße Typ, der sich eine fremde Kultur aneignet. Er ist immer noch einer der dümmsten Menschen der Welt, aber im Grunde ist er ein guter Mensch, trotz seiner sexistischen Kommentare und seines völlig unangemessenen Verhaltens. Er glaubt daran, Frieden zu verbreiten und Hass zu bekämpfen. Ich fand die Vorstellung unglaublich reizvoll, diesen Dinosaurier aus einer anderen Zeit in unsere heutige Gesellschaft zu versetzen. Wir leben in einer Welt voller gesellschaftlicher und kultureller Spannungen, in der Identitätspolitik eine große Rolle spielt. Deshalb gibt es im Film auch einen Gegenspieler, der versucht, Ali G zu canceln. Gerade weil er so problematisch und aus der Zeit gefallen ist, schien mir das der perfekte Moment zu sein, eine Figur zurückzubringen, die man eigentlich in den 2000ern hätte lassen sollen.

Deine Filme provozieren immer wieder Kontroversen. Was kann Satire deiner Meinung nach erreichen, das andere Formen der Unterhaltung vielleicht nicht schaffen?

Für mich steht zunächst einmal im Mittelpunkt, Menschen zum Lachen zu bringen. Ich bin geradezu besessen davon. Ich zeige meine Filme immer wieder einem Testpublikum und arbeite so lange daran, bis möglichst viele und möglichst große Lacher entstehen. Ich messe tatsächlich, wie lange die Menschen lachen, und passe die Szenen entsprechend an. Aber gleichzeitig steckt hinter meiner Komik immer auch Satire. Sie ermöglicht es uns, Themen anzusprechen, über die wir als Gesellschaft vielleicht noch gar nicht ausreichend nachgedacht haben. Als Borat habe ich einmal in einer Bar in Arizona ein antisemitisches Lied gesungen, und plötzlich sangen alle mit. Das hat etwas sichtbar gemacht, das sonst vielleicht verborgen geblieben wäre. Satire kann solche Vorurteile ans Licht bringen. Mein Ziel ist es, die Menschen zum Lachen zu bringen und gleichzeitig vielleicht einen kleinen Beitrag zu einer toleranteren Gesellschaft zu leisten.

Gerade bei Ali G stellt sich die Frage, ob das Publikum immer versteht, gegen wen sich der Witz eigentlich richtet. Wie gehst du damit um, dass deine Satire auch missverstanden werden kann?

Einer unserer Autoren, Colton Dunn, hat einmal etwas sehr Treffendes gesagt: Ali G ist kein Rassist, sondern ein Werkzeug, um Rassisten zu entlarven. Die Figur macht sich über unterschiedliche Arten von Menschen lustig. Einerseits über weiße Menschen, die sich die Ausdrucksweisen und Verhaltensweisen ihrer Idole aneignen. Ali G ist schließlich ein Junge aus der Mittelschicht, der in einem ziemlich langweiligen Vorort lebt und unbedingt so sein möchte wie Tupac Shakur. Andererseits richtet sich die Satire auch gegen Menschen, die glauben, anderen vorschreiben zu müssen, was sie als problematisch empfinden sollen. Natürlich besteht immer die Gefahr, dass das missverstanden wird. Aber man muss sich entscheiden, ob man etwas schaffen möchte, das wirklich jeder sofort versteht, oder ob man versucht, etwas Neues zu machen, das Vorurteile offenlegt und Diskussionen anstößt. Ich habe mich immer für Letzteres entschieden. Das hat zwangsläufig zu Kontroversen geführt. Bei Brüno wollten wir beispielsweise die Gefahren von Homophobie zeigen, wurden aber selbst beschuldigt, homophob zu sein. Wenn man versucht, eine bestimmte Form von Vorurteilen zu bekämpfen, wird man manchmal genau dieses Vorurteils bezichtigt.

Mit Ali G: Who Iz I? führst du erstmals selbst Regie und spielst gleichzeitig drei Hauptfiguren. Warum wolltest du bei diesem Film auch hinter der Kamera die Kontrolle übernehmen?

Dieser Film war unglaublich kompliziert. Ich spiele drei unterschiedliche Charaktere, und gleichzeitig arbeiten wir mit echten Menschen, die nicht wissen, dass sie Teil eines Films sind. Dazu kommt, dass wir diesmal Elemente eines Thrillers und eines Actionfilms mit unserer Form der Komödie verbinden. Das erforderte eine ganz andere Präzision. Ich habe deshalb jede einzelne Szene mit Storyboards vorbereitet, damit die Kameraleute genau wussten, welche Einstellungen ich benötigte. Schon bei meinen früheren Filmen habe ich mich sehr für die Kameraarbeit interessiert. Selbst wenn ich als Borat vor der Kamera stand und so tat, als wüsste ich nicht, was ein Stuhl ist, habe ich zwischendurch Anweisungen zu den Einstellungen gegeben. Bei diesem Film musste ich allerdings noch viel stärker darauf achten, dass wirklich alles zusammenpasst. Wir haben sogar mit Christopher Markus und Stephen McFeely zusammengearbeitet, die an den Avengers-Filmen geschrieben haben, um sicherzustellen, dass die Handlung die nötige Spannung entwickelt.

Du hast im Laufe deiner Karriere mit Regisseuren wie Martin Scorsese, Tim Burton und Tom Hooper gearbeitet. Wie sehr haben dich diese Erfahrungen auf dein eigenes Regiedebüt vorbereitet?

Wenn ich eine Rolle in einem Film eines anderen Regisseurs annehme, dann meistens deshalb, weil ich unbedingt mit diesem Menschen arbeiten und von ihm lernen möchte. Bei Hugo Cabret habe ich Martin Scorsese gefragt, ob ich während der Dreharbeiten einfach still hinten in seinem Zelt sitzen und ihm bei der Arbeit zusehen dürfte. Er hat mir das tatsächlich mehrere Monate lang erlaubt. Seitdem versuche ich bei jedem Film, etwas von den Regisseuren mitzunehmen. Bei Tom Hooper ist mir während Les Misérables beispielsweise aufgefallen, dass er häufig mit einer Nahaufnahme beginnt und sich dann langsam zu weiteren Einstellungen vorarbeitet. Dadurch bekommt er die beste schauspielerische Leistung genau dann, wenn die Darsteller noch frisch sind. Bei anderen Produktionen ist es oft umgekehrt, und bis die Kamera schließlich bei der Nahaufnahme angekommen ist, sind die Schauspieler bereits erschöpft. Solche Beobachtungen waren für mich unglaublich wertvoll. Ich habe über viele Jahre versucht, von den besten Regisseuren der Welt zu lernen, und konnte dieses Wissen nun endlich bei meinem eigenen Film einsetzen.

Auch die Musik spielt in Ali G: Who Iz I? eine wichtige Rolle. Warum hast du dich entschieden, die Songs beinahe wie in einem Musical einzusetzen?

Es gab einen Moment während der Produktion, in dem ich mit der Musik überhaupt nicht zufrieden war. Ich habe deshalb mit meinem Bruder Aaron gesprochen, der schon die Musik für die ursprüngliche Ali-G-Show gemacht hatte. Wir entwickelten einen Drum-and-Bass-Track, und plötzlich reagierte das Publikum ganz anders auf den Film. Danach kam Andrew Watt auf mich zu und schlug vor, gemeinsam einen Ali-G-Song zu produzieren. Da ich bereits bei Sweeney Todd und Les Misérables mitgewirkt hatte, kam mir die Idee, die Struktur eines Musicals zu verwenden. In einem guten Musical drücken die Songs aus, was im Inneren einer Figur vorgeht. Genau das wollten wir für Ali G erreichen. Gemeinsam mit Andrew Watt und Hit-Boy haben wir schließlich elf Songs entwickelt, die gewissermaßen Alis innere Gedankenwelt darstellen. In einem der Songs fragt er sich beispielsweise, wer er eigentlich ist. Das passt natürlich perfekt zum Titel des Films. Die Musik sollte nicht einfach nur im Hintergrund laufen, sondern tatsächlich etwas über die Figur erzählen.

Du hast einmal gesagt, dass du deine Filme vor allem für das gemeinsame Lachen im Kino machst. Warum ist dir diese Erfahrung so wichtig?

Ich schneide meine Filme ganz bewusst für das Kino. Wenn man sich heute beispielsweise Borat: Kulturelle Lernung von Amerika, um Benefiz für glorreiche Nation von Kasachstan zu machen anschaut, fallen einem vielleicht ungewöhnlich lange Pausen zwischen manchen Witzen auf. Diese Pausen sind dafür gedacht, dass 250 Menschen im Kinosaal gemeinsam lachen können. Wir arbeiten beim Schnitt teilweise bis auf zwei Einzelbilder genau, um den nächsten Witz in dem Moment beginnen zu lassen, in dem das vorherige Lachen langsam nachlässt. Comedy ist für mich etwas Gemeinschaftliches. Deshalb wollte ich auch, dass die Fans Ali G: Who Iz I? zunächst gemeinsam im Kino erleben können. Und wenn man ihn später zu Hause streamt, sollte man möglichst viele Freunde einladen. Vielleicht sogar Menschen, mit denen man politisch überhaupt nicht einer Meinung ist. Wer weiß, möglicherweise entdeckt man nach dem Film, dass man doch etwas gemeinsam hat.



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