
Als Lois (Carmen Kassovitz) an der renommierten Belrose University aufgenommen wurde, schien für sie ein Traum wahr zu werden. Was für eine tolle Zeit sie mit ihrer Jugendliebe Max (Enzo Lorente) dort verbringen würde! Dachte sie. Doch die gemeinsame Zukunft zerbricht, noch bevor sie richtig angefangen hat. Und so landet sie bei Lane (Baptiste Masseline). Der nimmt sie bei sich auf und bietet ihr einen Schlafplatz an. Mehr läuft nicht, obwohl Lane dafür bekannt ist, bei Frauen kein Kostverächter zu sein und ständig mit jemandem anzubändeln. Was eine reine Zufallsbegegnung und Zweckgemeinschaft hätte sein sollen, wird aber zu mehr, als sie dauerhaft bei ihm einzieht …
Die nächste Jugendromanze nach einem Roman
Manchmal hat man den Eindruck, dass es bei Amazon Prime Video eine ganze Abteilung gibt, deren einzige Aufgabe darin besteht, nach weiteren Liebesromanen zu suchen, die adaptiert werden können. Zumindest ist der Anteil solcher Buchadaptionen im Sortiment des Streaminganbieters beachtlich. Gerade erst wurde Drive – The Pretenders veröffentlicht, wo ein skandalträchtiger Rennfahrer und eine Mechanikerin eine Beziehung vortäuschten. Davor gab es Du+Ich – Allein gegen alle über eine Filmstudentin, die sich in einen Kommilitonen verliebt. In Drawn Together kommen eine Unternehmertochter und ein Bodyguard zusammen. Und das sind nur drei von diversen Adaptionen, die dieses Jahr veröffentlicht wurden. Damit ist noch nicht Schluss: Mit Campus Drivers kommt eine weitere heraus.
Die Vorlage hierfür liefert dieses Mal die gleichnamige Reihe der französischen Autorin C. S. Quill, die seit Kurzem auch in Deutschland erhältlich ist. Wer jedoch erhofft, dass durch die Nationalität der Schriftstellerin vielleicht eine interessantere Geschichte rauskommt im Vergleich zu dem, was andere da so produziert haben, wird jedoch enttäuscht. Mal wieder erfahren wir von zwei Menschen, die so unterschiedlich sind, dass sie anfangs gar nicht miteinander können, danach aber sich annähern. Auch bei den Figuren hat man sich bei Campus Drivers nicht gerade kreativ überarbeitet. Ein Mann, der Angst davor hat, verletzt zu werden, und deswegen keine Beziehung eingeht? Schon wieder? Auch sonst gibt es in erster Linie Stereotypen. Wenn überhaupt so etwas wie eine Persönlichkeit vorliegt, die meisten müssen ohne auskommen.
Nur wenig Eigenständiges
Während der Ablauf der Geschichte so sehr per Autopilot erfolgt, dass man zwischendurch auch schlafen kann und trotzdem weiß, was geschehen wird, gibt es lediglich bei einem Teilaspekt so etwas wie ein Alleinstellungsmerkmal. Genauer ist da die titelgebende App, die von Lane entwickelt wurde und bei der es um Mitgefahrgelegenheiten in alten Autos geht. Von denen gibt es dann auch welche zu sehen. Das Fahren an sich spielt in Campus Drivers hingegen keine Rolle. Tatsächlich hätte man das mit der App auch mehr oder weniger streichen können, ohne dass da für den Inhalt viel verlorengegangen wäre. Es ist schön anzusehen, so wie die Schauspieler und Schauspielerinnen schön anzusehen sind. Denn um den Alltag und normale Menschen geht es hier ja nie.
Immerhin: Die Chemie funktioniert. Carmen Kassovitz (Zoe & Sturm) und Baptiste Masseline (Voltaire High: Die Mädchen kommen) beherrschen das Spiel aus Distanz und Nähe, wenn es mal hitzig zugeht, dann wieder ein Moment der Zweisamkeit entsteht. Auch das ist nicht originell, man kann es sich aber anschauen. Da es hier mal nicht toxisch zugeht und die Figuren nicht nerven, ist die sechsteilige Serie sogar besser als viele dieser Adaptionen. Tatsächlich gut ist Campus Drivers aber kaum. Wer mehr erwartet als die übliche Hochglanz-Jugend-Romanze, wird enttäuscht. Diese Ambition hat niemand. Die Dramaserie ist daher schnell wieder vergessen. Genauer bleibt nicht einmal genug zurück, das man vergessen könnte.
OT: „Campus Drivers“
Land: Frankreich
Jahr: 2026
Regie: Vianney Lebasque, Tom Goris
Vorlage: C. S. Quill
Musik: Matthieu Hernandez, David Menke
Besetzung: Carmen Kassovitz, Baptiste Masseline, Madior Fall, Esteban Vial, Felix Nebel, Enzo Lorente, Paolo Luka-Noé, Eloïse Rey, Louna Balavoine, Cassandra Cano
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