
Als Tochter eines spanischen Wirtschaftsmagnaten genießt Marfil Cortés (Ester Expósito) ein Leben in Luxus. Doch es gibt auch Schattenseiten, wie sie eines Tages erfahren muss, als sie entführt wird. Zwar wird sie relativ bald wieder freigelassen, doch die Nervosität der Familie bleibt. Also wird der Bodyguard Sebastian Moore (Hugo Diego García) engagiert, damit dieser in Zukunft ein Auge auf die junge Frau haben soll. Das tut er auch, er tritt sehr professionell auf. Dennoch entwickelt sich eine Anziehungskraft zwischen den beiden, denen sie sich nicht entziehen können. Dabei ist die Situation nach wie vor bedrohlich, denn irgendwo lauert noch immer die Gefahr …
Romanadaption nach dem üblichen Muster
Mit Romanadaptionen hat Amazon Prime Video gute Erfahrungen gemacht. Zumindest kommen regelmäßig Filme und Serien bei dem Streamingdienst heraus, die eine solche Vorlage haben. Gerne greift man dabei auf bewährte Namen zurück. Ganz oben auf der Liste steht der von Mercedes Ron. So basieren die Filme der 2023 mit Culpa Mia – Meine Schuld gestarteten Reihe um zwei Stiefgeschwister, die sich ineinander verlieben, auf Büchern der spanischen Autorin. Drei Filme umfasst diese, dazu gibt es noch ein englisches Remake, das vor wenigen Monaten mit Culpa Tuya – Deine Schuld: London fortgeführt würde. Ende letzten Jahres kam noch Tell Me Softly hinzu, darin erzählte Ron von einer Cheerleaderin, die zwischen zwei Brüdern steht. Jetzt kommt mit Drawn Together noch eine weitere Adaption.
Wer die obigen Filme kennt, hat schon eine Ahnung, in welche Richtung das alles geht. Zwar sind die Hauptfiguren hier ein bisschen älter. Ansonsten wird aber mit ähnlichen Bestandteilen gearbeitet. So gibt es erneut das Motiv einer eigentlich verbotenen Liebe, wenn zwei Leute, die nicht zusammen sein dürften, dann doch zusammenfinden. Originell ist das natürlich nicht, zumal auch gerade die Konstellation aus Bodyguard und Schützling recht oft verwendet wurde. Drawn Together versucht an der Stelle nicht einmal, irgendwie zu variieren oder etwas Eigenes zu erzählen. Selbst bei den Figuren hielt sich die kreative Arbeit sehr in Grenzen. So soll der Kontrast zwischen dem stoischen Sebastian und der emotionalen Marfil für Knistern und Spannung sorgen. Klappt aber nicht.
Keine Spannung
Und das gilt auch für das Drumherum. Schon die Sache mit der Entführung eignet sich nicht wirklich dazu, den Puls nach oben zu treiben. Die findet eigentlich nur statt, damit die beiden Hauptfiguren überhaupt aufeinandertreffen. Eine reine Alibifunktion also. Später geht es bei Drawn Together ein bisschen mehr zur Sache, die Romanze will auch ein Thriller sein. Etwas sein zu wollen, heißt aber nicht automatisch, dass man das am Ende wirklich ist. Das wird dann alles großspurig als gefährlich angekündigt, so richtig mit Intrigen und dunklen Geheimnissen – wie man das eben bei Mercedes Ron gewohnt ist. Aber auch diese Passagen verfehlen ihre Wirkung. Aufregend ist das hier nicht gerade.
Das eigentliche Verkaufselement ist ja sowieso ein anderes. Drawn Together soll das Publikum beglücken, indem zwei attraktive Menschen zusammenkommen. Zumindest in der Hinsicht erfüllt der Film die Kriterien. Ester Expósito (The Wailing) und Hugo Diego García entwickeln zwar nicht so wahnsinnig viel Chemie, es gab da schon aufregendere Paare. Aber es reicht für eine schöne Oberfläche. Allerdings ist der Film da recht brav. Wer hofft, dass die Besetzung auch Erotik mitbringt, geht nahezu leer aus. Der Zielgruppe dürfte das wahrscheinlich egal sein, der Film erfreut sich gerade wieder großer Beliebtheit. Und so ist zu erwarten, dass nicht nur eine Fortsetzung erscheinen wird, der Roman hat schließlich auch eine, sondern auch, dass Amazon Prime Video dieses Geschäftsmodell fortführen wird, solange es weiterhin Geld bringt.
OT: „Enfrentados: Marfil“
Land: Spanien
Jahr: 2026
Regie: Óscar Pedraza
Drehbuch: Sofía Cuenca
Vorlage: Mercedes Ron
Musik: David Reichelt, David Schoch
Kamera: Roland Stuprich
Besetzung: Ester Expósito, Hugo Diego García, Eric Masip, Pablo Molinero, Zoe Bonafonte, Lluís Homar, Joaquín Ferreira
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