
Früher war Dante Annunziata (Amin Baahmed) auf der Piste ein echter Star, dem Formel-1-Fahrer flogen die Herzen nur so zu. Inzwischen hat sich das geändert. Zwar fährt er noch immer Rennen, ist aber durch den Tod seiner Schwester so sehr aus der Bahn geworfen, dass er nicht mehr viel auf die Reihe bekommt. In den Medien ist er trotz der ausbleibenden Erfolge sehr präsent. Das hat jedoch mehr mit seinen diversen Eskapaden zu tun, wenn er sich wiederholt danebenbenimmt. Als das nächste Fiasko droht, beschließt die PR-Frau Tanya (Lucie Heinze), dass das Enfant Terrible und die ambitionierte Mechanikerin Sarah Jenkins (Lisa-Marie Koroll) sich als verlobtes Paar ausgeben sollen, wovon dann beide profitieren würden. Doch das läuft alles etwas anders ab als erwartet …
Adaption eines E-Books
Bei Amazon Prime Video setzt man gern auf bewährte geschriebene Stoffe, die dann verfilmt werden – vor allem, wenn es sich um Stoffe um große Gefühle und romantische Beziehungen handelt. Dieses Jahr gab es unter anderem Du+Ich – Allein gegen alle über eine Filmstudentin, die sich in einen Kommilitonen verliebt. Bei Drawn Together sind es eine Unternehmenstochter und ein Bodyguard, die zum Paar werden. In The Last Sunrise wiederum bringt der Zufall eine schwerkranke Tänzerin und einen Fischer zusammen. Jedes Mal gab es eine Vorlage. Und auch bei dem neuen Film Drive – The Pretenders gibt es eine solche. Dieses Mal nahm man sich einen Roman von Tamara Lush, der auf der E-Book-Plattform Wattpad erschienen ist. Und wie in den meisten dieser Fälle kann man sich das Anschauen getrost sparen.
So ist das Szenario, dass zwei Leute so tun, als wären sie ein Paar, und dann mit der Zeit tatsächlich eins werden, eines dieser Standardklischees, die andauernd ausgepackt werden. So gab es erst letzten Monat bei Amazon mit Die theoretische Unwahrscheinlichkeit von Liebe einen Film, der auf eben dieses Szenario zurückgreift. Originalität sollte man daher nicht erwarten. Die ist schon vorbei, bevor der Film überhaupt angefangen hat. Während man das beim obigen Kollegen aber mit Humor vorgetragen hat, mal mehr, mal weniger erfolgreich, da mag man es bei Drive – The Pretenders dramatisch. Sehr dramatisch. Das bedeutet dann auch, dass es düstere Geheimnisse gibt sowie Verrat. Denn irgendwie muss man ja Nervenkitzel in die Geschichte bringen, so das Kalkül hinter dem Film.
Das Problem dabei ist: Eben dieser Nervenkitzel bleibt aus. Die Geschichte ist so langweilig, dass man schon den einen oder anderen Kaffer braucht, um hier nicht einzuschlafen. Von den Figuren sollte man sowieso nichts erwarten, die sind so uninteressant wie eh und je in diesem Segment. Theoretisch hat man mit dem Rennsportelement etwas, das dabei helfen könnte, diesen öden Stoff in Schwung zu kriegen. Doch von diesem ist zu wenig zu sehen. Drive – The Pretenders mag in diesem Bereich angesiedelt sein und im Titel stolz hervorheben. Für die Handlung ist das aber alles irrelevant. Man hätte die Geschichte auch in einem Blumenladen spielen lassen können, ohne dass es einen großen Unterschied gemacht hätte.
Da stellt sich dann mal wieder die Frage: Warum genau sollte man sich das anschauen? Der deutsche Film hat zwar eine leicht feministische Note, wenn es auch darum geht, wie sich eine Frau im Rennsport durchzusetzen lernt. Mit der PR-Spezialistin ist noch eine zweite weibliche Figur von größerer Bedeutung. Aber auch davon sollte man nicht viel erwarten. Letztendlich hängt das eigene Vergnügen davon ab, wie viel man mit den beiden Hauptfiguren anfangen kann und ob man diese persönlich attraktiv findet. Ansonsten wird es schwierig, in Drive – The Pretenders etwas Brauchbares zu finden. Es ist nicht einmal so, dass das Duo eine so wahnsinnig tolle Chemie entwickeln würde, dass man deswegen einschalten müsste. Auch wenn es bei den Amazon-Romanadaptionen schlimmere Beispiele gab, ist das hier schon ziemlich mäßig. Da darf man gern eine Runde aussetzen.
OT: „Drive – The Pretenders“
Land: Deutschland
Jahr: 2026
Regie: Sergej Moya
Drehbuch: Christoph Silber, Malina Nwabuonwor
Vorlage: Tamara Lush
Musik: Ina Meredi Arakelian
Kamera: Pascal Lagriffoul
Besetzung: Lisa-Marie Koroll, Amin Baahmed, Gustav Schmidt, Mišel Matičević, Lucie Heinze, Frederic Linkemann, Inka Friedrich, Jeanette Hain
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