
Es war nur ein kleiner Streit zwischen den beiden Schwestern. Doch als Emilia (Luna Jordan) Clara (Alicia von Rittberg) schubst, während sie beide auf einer schwarzen Piste unterwegs sind, stürzt Clara schwer. Seither liegt sie im Koma, zwei Jahre sind seit dem Unfall vergangen. Als Emilia an einer Studie der Nanobot-Forscherin Hevi Abdel (Aybi Era) teilnimmt, um so ihre Ängste in den Griff zu bekommen, geschieht etwas Unvorhergesehenes: Hevis Bewusstsein wandert für kurze Zeit in Emilias Körper. Das bringt nicht nur ungeheures Potenzial mit sich, das weit über den ursprünglich angedachten Sinn und Zweck dieser Technologie hinausgeht. Emilia hofft zudem darauf, auf diese Weise wieder in Kontakt mit ihrer Schwester treten zu können …
Sci-Fi als bloßer Anlass
Zwar sind die Tage von ZDFneo gezählt, nur noch zwei Monate, bevor der Sender komplett umgebaut wird. Bevor es so weit ist, bringt er aber eine selbstproduzierte Serie nach der anderen heraus. Und das in den verschiedensten Genres. In die komödiantische Richtung gingen SPYON über ungeeignete Anwärter und Anwärterinnen beim Bundesnachrichtendienst sowie die Behörden-Impro Nine to Five: Das Amt. Um Spannung ging es hingen beim Doppelgänger-Mystery Die Düsteren sowie der Tatortreinigerin von Serial Cleaner. Mit Wake Up kommt nun schon die fünfte neue Serie innerhalb weniger Wochen. Dieses Mal sucht man etwas irgendwo dazwischen, wenn wir uns in Science-Fiction-Gebilde begeben.
Das Konzept einer Bewusstseinsübertragung ist natürlich nicht neu, zahlreiche Filme haben das bereits getan. Diverse Male ging es dabei auch um Leute, die im Koma liegen. So kam vor rund einem Jahr mit Make Me Feel eine ebenfalls deutsche Produktion sogar ins Kino. Ungewöhnlich bei Wake Up ist jedoch, dass das Bewusstsein der komatösen Person verlegt wird. Wie genau das funktionieren soll, wird nicht wirklich erklärt. Wer eine glaubhafte Erläuterung braucht, warum hier was geschieht, ist an der falschen Adresse. Es geht auch weniger um den technologischen Aspekt, der ist hier Nebensache. Einen Thriller sollte man sowieso nicht erwarten, selbst wenn dieser bei einem solchen Szenario naheliegend ist. An manchen Stellen wird es ein wenig brenzlig. Das war es aber auch schon.
Drama um Familie und Abschied
Stattdessen handelt es sich um ein Drama, das verschiedene Themen anspricht. Weit oben sind die Schuldgefühle der Protagonistin sowie die Dynamiken innerhalb der Familie. Das ist der interessantere Teil der Serie, wenn Emilia darum kämpft, ihre Schwester zu behalten, während die übrigen sie bereits aufgegeben haben. Zumindest streckenweise ist Wake Up die Geschichte eines schwierigen Abschieds, verbunden mit der Frage: Wann darf ich eigentlich mit dem eigenen Leben weitermachen? Da ist dann auch die eine oder andere emotionale Szene dabei, bei der dieses Science-Fiction-Setting nur der Anlass ist, um ganz existenzielle Fragen zu behandeln. Identifikationsfläche gibt es da, man kann die verschiedenen Figuren durchaus nachvollziehen.
Leider schwächelt die Serie, die auf dem Filmfest München 2026 Premiere feierte, an anderen Stellen. So wird beispielsweise dieser Transfer des Bewusstseins kaum genutzt. Dann und wann ist Clara im Körper von jemand anderem unterwegs und erwartet tatsächlich erkannt zu werden. Das ist aber ebenso bescheuert wie die Streitigkeiten um die Forschung an sich. Da wird mit wirklich üblen Stereotypen gearbeitet, weil man wohl der Meinung war, man bräuchte noch antagonistische Figuren. Darauf hätte man gern verzichten können und dafür mehr an den Charakteren arbeiten oder auch die diversen Fragen weiter vertiefen. So aber bleibt Wake Up doch eher oberflächlich, hat zu vielem nichts zu sagen. Und ist dafür einfach zu lang: Die sechs Folgen ziehen sich. Schade um das grundsätzlich interessante Szenario, aber mehr als Mittelmaß ist das hier nicht.
OT: „Wake Up“
Land: Deutschland
Jahr: 2026
Regie: Mia Maariel Meyer, Tim Trachte
Drehbuch: Mar B. Alves, Dominik Hochwald, Christoph Mathieu, Arpana Aischa Berndt, Raquel Dukpa, Paulina Lorenz
Musik: Dascha Dauenhauer, Marcus Sander
Kamera: Sabine Panossian, Jakob Berger
Besetzung: Luna Jordan, Aybi Era, Simon Steinhorst, Alicia von Rittberg, Carlo Ljubek, Désirée Nosbusch, Robert Stadlober, Anna Bardavelidze, Malaya Stern Takeda, Gülüzar Mertin, Madieu Ulbrich
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