
Bislang war Ronja Keller (Friederike Kempter) in der Privatwirtschaft angestellt. Doch nun steht eine neue Aufgabe an: Sie beginnt als Chefin im Berliner Bürgeramt. Ganz einfach ist das jedoch nicht. So haben es sich die anderen in den festgefahrenen Abläufen gemütlich gemacht. Ronja selbst wiederum versucht um jeden Preis, immer souverän zu wirken, selbst dann, wenn sie keine Ahnung hat. Was eigentlich andauernd der Fall ist. Aber auch die diversen zwischenmenschlichen Reibereien und die Rangeleien in der Hierarchie führen dazu, dass in der Behörde ständig etwas los ist. Nur das mit dem Arbeiten kommt dabei ein wenig zu kurz, da die Truppe ständig anderweitig beschäftigt ist …
Der Alltag in einer Behörde
Seit Jahren schon produziert ZDFneo eigene Serien und deckt dabei die verschiedensten Genres ab. Zurzeit ist der Sender aber ganz besonders eifrig, wenn es darum geht, neue Produktionen unters Volk bringen zu wollen. Während das Doppelgänger-Geheimnis von Die Düsteren und die verzweifelte Tatortreinigern von Serial Cleaner die Fans von Thrillern ansprechen sollten, war die Komödie SPYON um bescheuerte Anwärter und Anwärterinnen beim Bundesnachrichtendienst dazu auserkoren, das Publikum zum Lachen zu bringen – was dank einiger kauziger Einfälle auch durchaus gelang. Weniger gut gelingt das bei Nine to Five: Das Amt, einer weiteren Komödienserie, die neu ins Programm aufgenommen wurde und nie so wirklich in die Gänge kommt.
Die Voraussetzungen waren dabei eigentlich gar nicht so schlecht. Klar, Komödien über die Arbeitswelt gibt es nicht gerade wenig. Aber da die meisten von uns mehrere Stunden in einem Büro verbringen, hat das automatisch viel Identifikationsfläche. Denn irgendwas Blödes gibt es dort ja immer, worüber man sich wahlweise ärgern oder amüsieren kann. Und da das hier in einer Behörde spielt, sind die Möglichkeiten für satirische Elemente fast schon endlos. Der Passierschein A 38 aus Asterix erobert Rom hat nicht ohne Grund Filmgeschichte geschrieben, wenn dort der Gang auf ein Amt unweigerlich in den Wahnsinn führt. Und da Deutschland zumindest dem Klischee nach die schlimmste Behörde überhaupt ist, weckt Nine to Five: Das Amt mächtig Erwartungen, was da alles passieren könnte.
Langweilig und einfallslos
Und dann passiert: nichts. Am Anfang wird zwar noch irgendwie versucht, mit dem Kontrast von Privatwirtschaft und Behörde zu arbeiten. Später spielt das aber keine Rolle mehr. Tatsächlich interessiert sich Nine to Five: Das Amt überhaupt nicht für die Arbeit. Wie auch, wenn man in den acht Folgen fast nie jemanden arbeiten sieht? Natürlich kann man das auch als Kommentar auf eben solche Behörden verstehen, die nicht unbedingt im Ruf stehen, sich zu Tode zu arbeiten. Aber zum einen ist das billig. Zum anderen ist es langweilig, weil das alles völlig beliebig wird. Dass man das Setting so verschwendet, wäre noch zu verzeihen gewesen, wenn denn anderweitig etwas angeboten würde. Aber auch sonst ist das alles sehr mager geworden. Die Figuren schwanken zwischen nervig und öde. Die Witze taugen nicht viel.
Dass man das alles als Mockumentary umgesetzt hat, macht die Sache nicht besser. Zum einen verpasst es die Serie, diese pseudodokumentarische Seite zu rechtfertigen. Auch da investierte man also keine Arbeit. Zum anderen wird damit zwangsläufig ein Vergleich zu Stromberg provoziert. Und auch wenn man bei dem damaligen TV-Hit unterschiedlicher Meinung sein konnte, ob der Humor gut gealtert ist: Das war zumindest alles irgendwie prägnant. Bei Nine to Five: Das Amt hingegen hat man dauernd das Gefühl, das Gesehene bereits woanders gesehen zu haben. Nur besser. Die Skurrilität, von der das ZDF spricht, ist kaum zu finden. Das Überraschende, was das Ergebnis der größtenteils improvisierten Dialoge entspringen soll, ebenso wenig. Auch wenn es sicherlich schon schlechtere Komödien im deutschen Fernsehen gegeben hat, selten wirkte eine so überflüssig wie diese hier.
OT: „Nine to Five: Das Amt“
Land: Deutschland
Jahr: 2026
Regie: Leonard Fuchs
Drehbuch: Maurice (Momo) Sinner, Ellen Holthaus, Miriam Suad Bühler, Timon Karl Kaleyta
Musik: Martin Lingnau, Ingmar Süberkrüb
Kamera: Philipp Henke
Besetzung: Friederike Kempter, Roxana Samadi, Yasin El Harrouk, Lisa Hrdina, Anna Herrmann, Kathrin Angerer, Petra Hartung, Fridolin Sandmeyer, Florian Renner, Ben Felipe, Charles Booz Jakob, Jan Henrik Stahlberg, Tülin Sezgin, David Ali Rashed, Jale Arikan
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