Free at Heart
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Free at Heart

„Free at Heart“ // Deutschland-Start: 29. Oktober 2026 (Kino)

Inhalt / Kritik

Der 16-jährige Sebastian (Linus Moog) führt ein ziemlich gewöhnliches Leben in einer niedersächsischen Kleinstadt. Er geht zur Schule, spielt Fußball, trifft sich mit seinen Freunden und hat mit Sarah (Marie Becker) gerade seine ersten romantischen Erfahrungen gemacht. Doch dann zieht Kolja (Aurel Klug) bei seiner Familie ein. Der 15-Jährige hat seine Mutter verloren und soll vorerst bei Sebastian, dessen Eltern Bernd (Oli Bigalke) und Vanessa (Annika Kuhl) sowie seiner jüngeren Schwester Lilli (Marlena Strawe) wohnen. Angeblich war Koljas Mutter eine frühere Freundin von Bernd. Bald stellt sich jedoch heraus, dass der Junge dessen Sohn und damit Sebastians Bruder ist. Nach anfänglichen Schwierigkeiten verstehen sich die beiden immer besser. Sie verbringen viel Zeit miteinander, und aus der Freundschaft entwickelt sich schließlich Liebe. Für Sebastian und Kolja ist das zunächst vor allem ein großes Glück. Doch ihre Beziehung bleibt nicht lange geheim. Als die Familie und schließlich auch die Kleinstadt davon erfahren, geraten die beiden zunehmend unter Druck.

Eine Liebe, die mehr erzählen könnte

Man kann Max Hegewald nicht vorwerfen, dass er es sich mit seinem Langfilmdebüt Free at Heart einfach macht. Zwei minderjährige Brüder, die sich ineinander verlieben – das ist schließlich ein Stoff, bei dem sich die moralischen Diskussionen beinahe von selbst ergeben. Hegewald interessiert sich dabei weniger für die Frage, ob diese Liebe sein darf, als vielmehr dafür, was sie mit den Beteiligten und ihrem Umfeld macht. Das ist durchaus ein interessanter Ansatz, aus dem ein überzeugendes Drama über persönliche Freiheit und gesellschaftliche Normen hätte werden können.

Zumal die Annäherung zwischen Sebastian und Kolja einigermaßen glaubwürdig gelingt. Beide haben auch jenseits ihrer Gefühle füreinander ein eigenes Leben, wenngleich dieses zunehmend in den Hintergrund rückt. Die Chemie zwischen den Hauptdarstellern stimmt, ohne dass sie besonders bemerkenswert wäre. Aurel Klug kann sehr verträumt in die Gegend schauen und beherrscht das Weinen in Großaufnahme. Linus Moog wiederum schafft es, gleichzeitig verzweifelt und erstaunlich unbeteiligt auszusehen. Das funktioniert insgesamt ordentlich, ist aber auch nicht unbedingt etwas, das lange im Gedächtnis bleibt.

Interessanter sind da schon die Eltern. Ihnen kann man ihre Liebe zu den Kindern ebenso wenig absprechen wie ihre Überforderung mit der Situation. Dass Bernds Vergangenheit allerdings so lange verborgen bleiben konnte, hätte eine etwas ausführlichere Erklärung verdient.

Ein Dorf voller Vorurteile

Weniger Mühe gibt sich Hegewald mit dem übrigen Personal. Sebastians Freund Linus (Leon Ndiaye) und seine Freundin Sarah erfüllen vor allem die Aufgaben, die ihnen die Geschichte zugedacht hat. Ihre Reaktionen sind entsprechend vorhersehbar. Auch die übrigen Kleinstadtbewohner bestehen hauptsächlich aus den üblichen Vorurteilen, die man in einem Film über gesellschaftliche Ausgrenzung offenbar haben muss.

Dabei bleibt eine interessante Frage unbeantwortet: Richtet sich der Hass gegen Sebastian und Kolja, weil sie homosexuell sind oder weil sie Brüder sind? Innerhalb der Familie geht es ausschließlich um die Verwandtschaft. Außerhalb scheint dagegen schon Homosexualität allein für Ablehnung zu genügen. Das zeigen unter anderem die Szenen um den Dorfhomosexuellen Tess (Ferdinand Lehmann), dessen Funktion innerhalb der Geschichte allerdings ziemlich rätselhaft bleibt. Eine genauere Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen Formen der Ablehnung wäre jedenfalls ergiebiger gewesen als die nächste erwartbare Gemeinheit.

Viel Gefühl, wenig Vertrauen

Das größte Problem von Free at Heart ist allerdings seine Länge. Schon deutlich vor dem Ende ist klar, wohin die Geschichte steuert. Eine Katastrophe zeichnet sich ab, die Frage ist nur noch, wie sie aussehen wird. Trotzdem zieht Hegewald den Weg dorthin immer weiter in die Länge. Neue Konflikte bringen kaum zusätzliche Erkenntnisse, sondern bestätigen meist nur, was man längst verstanden hat.

Hinzu kommt, dass der Regisseur seinen Bildern offenbar nicht immer zutraut, für sich selbst zu sprechen. Ein Wellensittich im Käfig ist in einem Film mit diesem Titel bereits ein ziemlich eindeutiges Symbol. Wenn später auch noch ein verletzter Vogel von Lilli aufgenommen wird, so wie zuvor Kolja von der Familie, ist die Botschaft nun wirklich angekommen. Die Musik legt bei den emotionalen Momenten ebenfalls gern noch eine Schippe drauf. Dabei hätte die Geschichte solche Hilfestellungen gar nicht nötig.

Immerhin bleibt Hegewald seiner Erzählung bis zum Schluss treu. Das Ende ist durchaus folgerichtig und wirkt nicht einfach nur auf maximale Rührung hin konstruiert. Doch zu diesem Zeitpunkt hat sich der Film bereits so lange im Kreis gedreht, dass selbst dieser Abschluss nicht mehr viel retten kann. Schade eigentlich. Denn hinter all dem Pathos und den allzu berechenbaren Konflikten steckt durchaus eine Geschichte, die etwas zu sagen hätte.

Credits

OT: „Free at Heart“
Land: Deutschland
Jahr: 2025
Regie: Max Hegewald
Drehbuch: Max Hegewald
Musik: Sebastian Schmidt
Kamera: Marius von Felbert
Besetzung: Linus Moog, Aurel Klug, Oli Bigalke, Annika Kuhl, Leon Ndiaye, Marie Becker, Marlena Strawe, Ferdinand Lehmann, Matthieu Svetchine, Bernd Panzer, Yvonne Werner-Mees, Leonie Weber, Denis Lenz, Karen Dahmen, Matthias Max Herrmann, Elias Ulnyrow

Bilder

Trailer

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Free at Heart
fazit
„Free at Heart“ wagt sich an ein schwieriges Thema und findet dafür zunächst einen durchaus überzeugenden Zugang. Doch klischeehafte Nebenfiguren, aufdringliche Symbolik und vor allem erhebliche Längen nehmen der Geschichte zunehmend ihre Wirkung. Ein ordentlich gespieltes, aber letztlich enttäuschendes Liebesdrama.
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