
Auf den ersten Blick haben Andreas Rödig (Klaus Steinbacher), Yuki Rübsamen (Nhung Hong), Asel Asanow (Lukas Zumbrock), Sami Hamad (Sogol Faghani) und Victoria von Meckwitz (Lea Zoë Voss) nicht sehr viel gemeinsam. Sie kommen aus ganz unterschiedlichen Kreisen, auch bei ihren Lebensläufen und Persönlichkeiten gibt es keinen gemeinsamen Nenner. Und doch, eine Gemeinsamkeit gibt es: Sie alle träumen davon, beim Bundesnachrichtendienst aufgenommen zu werden und in Zukunft einer Spionagetätigkeit nachgehen zu können. Sie haben auch durchaus Fähigkeiten, die bei diesem Beruf von Vorteil wären. Allerdings sind da auch diverse Macken, mit denen sie sich selbst im Weg stehen und Ausbildungsleiterin Haberland (Sophie von Kessel) sowie die Ausbilder Voss (Götz Otto) und Kocabay (Alexander Beyer) in den Wahnsinn treiben …
Spionagechaos made in Germany
Auch wenn sie oft nicht so viel Aufmerksamkeit bekommen wie die Produktionen der anderen öffentlich-rechtlichen Sender: ZDFneo investiert schon viel in eigene Serien. Dabei wird auf Vielfalt gesetzt, die unterschiedlichsten Genres werden abgedeckt. Dieses Jahr war da zum Beispiel die Liebeskomödie My Ex über eine Frau, die ihre sämtlichen Verflossenen abklappert, um ihre große Liebe zu finden. Bei House of Bellevue handelte es sich um ein Drama, das einen Blick hinter die glitzernde Kulisse der Ballroom-Community Berlins wirft. Mit Take the Money and Run wird hingegen der True-Crime-Trend bestätigt, dabei ging es um die legendäre Betrügerin Ruja Ignatova. Jetzt gibt es mit SPYON mal wieder eine eigen produzierte Serie an, dieses Mal dreht sich alles um Spionage.
Das klingt erst einmal nach einem Thriller. Aber schnell wird klar: Das hier ist nicht ernst gemeint. Tatsächlich macht man sich ausgiebig über alles und jeden lustig. Der Humor besteht dabei überwiegend in den Figuren. Diese haben einige Talente, die von Nutzen sein können, sei es etwa ein fotografisches Gedächtnis. Aber die fünf sind derart verhaltensauffällig und weisen so starke Defizite im zwischenmenschlichen Bereich auf, dass schon einfachste Situationen zu einer Herausforderung werden können. Man fragt sich, wie sie bislang überhaupt durchs Leben gekommen sind. Andererseits sind es gerade diese Eigenarten, die ihnen in SPYON immer mal wieder weiterhelfen, da sie unkonventionelle Wege finden, die Aufgaben zu lösen. Man darf aber auch bescheuert dazu sagen.
Spielfreudiges Ensemble
Der Humor ist dabei nicht sonderlich anspruchsvoll. Man hätte sicherlich auch eine satirische Richtung einschlagen können, um damit etwa Politik und Zeitgeschehen zu kommentieren. Stattdessen gibt es eine Reihe schräger Leute, die ständig für Chaos sorgen. SPYON steht da schon in einer Tradition von Blödelkomödien wie Police Academy: Dümmer als die Polizei erlaubt, die davon leben, dass dauerüberforderte Leute eigentlich nichts auf die Reihe kriegen und von einem Fettnäpfchen ins nächste stolpern. Wo die Leute dort sich aber in realen Situationen beweisen können, sind die Leute hier zu sehr mit sich selbst beschäftigt. Das schließt auch zwischenmenschliche Probleme mit ein. Nur weil man beim Bundesnachrichtendienst tätig ist, ist man nicht vor Liebeskummer, Eifersucht und dem Drang nach Anerkennung gefeit.
Nicht alles davon ist immer lustig. Manchmal wird die Serie sogar ein bisschen langweilig, wenn sie sich zu sehr auf die Unzulänglichkeiten und privaten Geschichten konzentriert und dabei das Thema aus den Augen verliert. Aber es gibt eben auch viele witzige Momente, wenn das Ensemble sich ohne Rücksicht auf Verluste in die jeweiligen Rollen wirft und die ohnehin schon überzeichneten Figuren mit Leben füllt. Ob sich Andreas durch die Gegend schnüffelt, Asel eine unheimliche Beobachtungsgabe demonstriert oder Yuki mal wieder von niemandem gesehen wird, das sind schon prägnante Persönlichkeiten, die man für SPYON entworfen hat. Insofern wäre es der liebenswürdigen Chaostruppe zu wünschen, dass ihr noch weitere Einsätze vergönnt sein werden.
OT: „SPYON“
Land: Deutschland
Jahr: 2026
Regie: Nadine Keil, Christof Pilsl
Drehbuch: Christof Pilsl, Hannah Schopf
Musik: Giovanni Berg
Kamera: Thorsten Harms
Besetzung: Sogol Faghani, Klaus Steinbacher, Lea Zoë Voss, Lukas Zumbrock, Nhung Hong, Götz Otto, Sophie von Kessel, Alexander Beyer
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