Kritik

Borat

„Borat: Kulturelle Lernung von Amerika, um Benefiz für glorreiche Nation von Kasachstan zu machen“ // Deutschland-Start: 2. November 2006 (Kino) // 3. März 2007 (DVD/Blu-ray)

Um die Gebräuche und Sitten der US-Amerikaner zu studieren und zu dokumentieren, entsendet das Innenministerium Kasachstans den Fernsehreporter Borat Sagdiyev (Sacha Baron Cohen) in die Vereinigten Staaten, wo er zusammen mit seinem Produzenten Azamat (Ken Davitian) das Land kennenlernen soll. Kaum in New York City angekommen, eckt Borat mit seiner Art bei den Bewohnern der Metropole an, denn nicht nur die kasachische Tradition des Bruderkusses, auch die urbane Umgebung machen Borat zu schaffen. Darüber hinaus verlaufen seine Gespräche mit einem Coach für Humor sowie einer Gruppe Feministinnen alles andere als gut, was nicht zuletzt Borats offen antisemitischer und frauenfeindlicher Grundhaltung geschuldet ist. Als Borat dann noch das US-amerikanische Fernsehen kennenlernt, ist es um ihn geschehen, besonders als er in einer Folge der Serie Baywatch – Die Rettungsschwimmer von Malibu das erste Mal Pamela Anderson in ihrer Rolle als CJ erblickt und sich Hals über Kopf in sie verliebt. Da Azamat in New York bleiben will und wenig Lust hat, noch mehr von Amerika zu erkunden, muss Borat ihn schließlich überzeugen, mit ihm eine Tour durch die Staaten zu machen mit dem Ziel Kalifornien, wo er hofft, Anderson zu treffen und einen Heiratsantrag zu machen.

Eine Vielzahl an Provokationen
Neben Ali G und dem österreichischen Modereporter Brüno gehört Borat wohl zu den bekanntesten Charakteren im Repertoire des britischen Komikers Sacha Baron Cohen. Bevor die Figur vor allem durch den Spielfilm im Jahre 2006 weltweite Berühmtheit erlangte, nutzte Cohen die Figur für Interviews mit bekannten Persönlichkeiten, die nicht selten mit einer Mischung aus Ekel und Irritation auf ihren Interviewpartner reagierten, der vielen von ihnen nicht weniger provokante Äußerungen entlockte. Nach dem Erfolg des Spielfilms Ali G In Da House war es nur eine Frage der Zeit, bis auch Borat seinen eigenen Film bekam, eine Mischung aus Spielfilm und Mockumentary.

Auch die Premiere von Borat: Kulturelle Lernung von Amerika, um Benefiz für glorreiche Nation von Kasachstan zu machen war überschattet von einer ganzen Schar von Anschuldigungen und Klagen, die sich gegen den Inhalt des Films wie auch die Figur Borat richteten. Alleine in Deutschland wurde eine Klage wegen Volksverhetzung eingereicht gegen den Verleih, die aber im Sande verlief. Schon die Reaktionen zeigen, auf was es jemand wie Cohen abgesehen hat, nämlich auf eine Attacke auf den guten Geschmack, auf falsches Gutmenschentum sowie politische Korrektheit, die ein viel größeres Maß an Heuchelei vertuschen soll. Borat vereinigt eine Vielzahl von Provokationen, angefangen bei einem nicht unwesentlichen Ausmaß an Reaktionismus, Tollpatschigkeit, Frauenfeindlichkeit, Fremdenhass und Antisemitismus, wobei besonders die drei letzten Aspekte er nach außen trägt und seiner Umwelt praktisch sehr direkt präsentiert. Nicht selten beobachtet man als Zuschauer das Ende linksliberaler und politisch korrekter Rhetorik gegenüber einer Figur, für die jene Grenzen des guten Geschmacks nicht existieren, die er nie gelernt hat, was immer wieder zu überraschen Reaktionen führt, von offener Wut bis hin zu Affirmation gewisser Werte.

Ins Herz Amerikas
Mittels seiner Figuren bietet Cohen seinen Gesprächspartner eine freie Angriffsfläche für deren Ressentiments, gerade gegenüber Menschen oder Kulturen, die man als rückschrittlich einstuft. In der Sicherheit jemandem zu begegnen, der die eigenen Gefühle, die man in einer Kultur politischer Korrektheit unterdrückt, bestätigt, wenn nicht sogar feiert, äußern sich viele Interviewpartner Borats nicht nur unbedacht, sondern lassen in ihren Äußerungen tief blicken. In Interviews beispielsweise mit College-Studenten oder dem Manager des Rodeos findet sich die Spiegelung jener Einstellungen zu Minderheiten wieder, welche die Figur Borat vertritt, teils sogar in wesentlich krasserer Form.

So ist der Roadtrip, den Borat und Azamat unternehmen, nicht zuletzt eine Fahrt in das Herz Amerikas, welches sich durch Konformismus, Fremdenhass und Frauenfeindlichkeit ebenso definiert wie die Hauptfigur. Doch inmitten all dieser Negativität finden sich auch überraschen helle Momente, beispielsweise, wenn Borat von einer Gruppe Afroamerikaner gesagt bekommt, wie man sich bewegt, kleidet und spricht in Amerika.

Credits

OT: „Borat: Cultural Learnings of American for Make Benefit Glorious Nation of Kazakhstan“
Land: USA
Jahr: 2006
Regie: Larry Charles
Drehbuch: Anthony Hines, Peter Baynham, Sacha Baron Cohen, Dan Mazer
Musik: Erran Baron Cohen
Kamera: Anthony Hardwick, Luke Geissbuhler
Besetzung: Sacha Baron Cohen, Ken Davitian, Luenell Campbell

Bilder

Trailer

Filmpreise

Preis Jahr Kategorie Ergebnis
Academy Awards 2007 Bestes adaptiertes Drehbuch Anthony Hines, Peter Baynham, Sacha Baron Cohen, Dan Mazer Nominierung
Golden Globe Awards 2007 Bester Film – Komödie oder Musical Nominierung
Bester Hauptdarsteller – Komödie oder Musical Sacha Baron Cohen Sieg

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Borat: Kulturelle Lernung von Amerika, um Benefiz für glorreiche Nation von Kasachstan zu machen
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Borat: Kulturelle Lernung von Amerika, um Benefiz für glorreiche Nation von Kasachstan zu machen
„Borat: Kulturelle Lernung von Amerika, um Benefiz für glorreiche Nation von Kasachstan zu machen“ ist eine Mischung aus Spielfilm und Dokumentation, die provoziert und nicht selten unglaublich komisch ist. Dies ist vor allem der Verdienst Sacha Baron Cohens, der nicht nur leere Provokationen zu bieten hat, sondern durch seine Figuren etwas in seinem Gegenüber und damit in deren Kultur offenbart, was teils sehr besorgniserregend ist.
8von 10

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