
20 Jahre ruhte sich Ali G (Sacha Baron Cohen) auf seinem Erfolg aus. Sein Tagesablauf besteht aus Chillen, Rauchen und Sex. Seine langjährige Freundin Julie (Morgana Robinson) eröffnet ihm jedoch, dass sie bereits im achten Monat schwanger sei. Mit zukünftig zusätzlichen Kosten konfrontiert, sieht er sich gezwungen, der Lethargie zu entfliehen und macht sich auf, seinen früheren Ruhm und seinen angestammten Platz in der amerikanischen Medienlandschaft zurückzugewinnen. In Zeiten von kulturellem Erwachen und Cancel Culture sieht er sich und die Existenz seiner kleinen Familie jedoch schnell bedroht.
Who Waz He?
24 Jahre nach Ali G Indahouse widmet Sacha Baron Cohen seinem Alter Ego erneut einen eigenen Film. Während er selbst zuletzt in Netflix’ Ladies First und in Apples Disclaimer sowie in einigen kleineren Auftritten in Balls Up und Ironheart zu sehen war, liegt sein letztes großes Satireprojekt weiter zurück. Borat: Kulturelle Lernung von Amerika, um Benefiz für glorreiche Nation von Kasachstan zu machen erschien 2020, Who Is America? 2018. Mit Ali G: Who Iz I? kehrt er nicht nur mit einer ikonischen Figur zurück auf die Leinwand, sondern debütiert gleichzeitig als Regisseur. Zuletzt kontrovers diskutiert, weist Cohen auch abseits des Durchbrechens der vierten Wand einige Parallelen zu seiner überzeichneten Spiegelung vermeintlicher Realität auf.
Humor mit Verfallsdatum
Der Woke-Mind-Virus. Niemand verstehe mehr Spaß. Man dürfe ja nichts mehr sagen, keine Komplimente mehr machen, keine Witze mehr reißen. Letztlich sind es meist die Entertainer ohne Unterhaltungsfaktor, die Witzfiguren ohne Komik, die sich am lautesten echauffieren über den vermeintlichen Verfall des Humors. Dabei verändert sich in einer medial schnelllebigen Welt auch Humor in Windeseile. Er wird nicht vorsichtiger, weniger bissig oder gar zum Tabu, vielmehr wächst der Anspruch an die Pointe. Ein Tabubruch allein macht keinen guten Witz, die Wiederholung alter Klischees ist nicht gleichbedeutend mit treffsichere Provokation. Jahrzehntealte Stammtischparolen überschreiten keine Grenzen, sondern spazieren auf ausgetretenen Pfaden in eine Falle, in der sich auch Sacha Baron Cohen wiederfindet. Ali G: Who Iz I? sucht in mehrfacher Hinsicht nach einer Identität, die Kunstfigur, Regisseur und Film gleichermaßen zu verlieren drohen.
Sacha Baron Cohen verkörpert im Rahmen seines neuesten Films gleich drei Figuren: den titelgebenden Ali G, seines Zeichens selbst ernannter Entertainer, Hip-Hop-Journalist und Gangster; Dr. Nira Cain-N’Degeocello, einen progressiven Professor, der es sich zur Aufgabe macht, Ali G der kulturellen Aneignung zu überführen und zu canceln; und letztlich Colonel Erran Morad, einen israelischen Mossad-Agenten und Spezialisten für Terrorabwehr, der amerikanische Rassisten im Kampf gegen Einwanderer trainiert. Alle drei leben von Abstrusität und Überzeichnung, tabulos, trivial und damit tonal passend zum Rest des Films. Subtil und nuanciert war Cohen nie, seine Satire oftmals platt, dabei jedoch oft genug am Puls der Zeit.
In Ali G: Who Iz I? findet er sich nicht erneut selbst, kommt dafür aber Jahre zu spät für seine Punchlines. Überzeichnete vermeintliche Stereotypen, Sexual- und Fäkalhumor sind aus der Zeit gefallen. Nicht durch Cancel Culture oder kollektive gesellschaftliche Verklemmtheit, sondern durch Dauerbespielung abgegriffener Klischees. Dildos, Alltagsrassismus und die Karikatur des empörten Moralapostels liefern Pointen, deren vermeintliche Grenzüberschreitung längst zur vertrauten Routine geworden ist. Cohens Versuch der Rechtfertigung einer Realsatire scheitert an oberflächlichem und lediglich vorgeschobenem Realitätsbezug. Das Brechen der vierten Wand ist ein ebenso abgegriffener Kunstgriff, der Zuschauer gleichermaßen zur interdimensionalen Flucht motiviert.
Auch ein blindes Huhn nimmt mal jemanden aufs Korn
Aber Ali G: Who Iz I? schlägt neben fehlendem humoristischem Taktgefühl zumindest vereinzelt positivere erzählerische Töne an. Wie bereits in vorherigen Projekten konfrontiert Ali G Gesprächspartner und vermeintliche Experten mit absurden Fragen und bewusst naiven Schlussfolgerungen. Die aus ihren Reaktionen entstehende Situationskomik ist zeitlos und stellt vereinzelte humoristische Lichtblicke in der ansonsten recht drögen eineinhalbstündigen Laufzeit dar. Formal unterscheidet sich der Film von Ali G Indahouse: Statt einer durchgehend erzählten Spielfilmhandlung folgt er seiner Hauptfigur in einer fragmentarischen Abfolge einzelner Begegnungen und Episoden. Eine Struktur, die dem Film immer wieder den erzählerischen Zusammenhang verlieren lässt.
OT: „Ali G: Who Iz I?“
Land: UK
Jahr: 2026
Regie: Sacha Baron Cohen
Drehbuch: Sacha Baron Cohen, Anthony Hines, Peter Baynham, Dan Swimer, Dan Mazer, Keisha Zollar
Musik: Nami Melumad, Erran Baron Cohen
Kamera: Chris Darnell, Luke Geissbuhler, Markus Mentzer
Besetzung: Sacha Baron Cohen, Morgana Robinson
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