
Zwar unterrichtet die ehemalige Professorin Adelgunde Kramer (Christiane Hörbiger) nicht mehr selbst. Doch die Liebe zur Forschung und zur Geschichte sind ihr geblieben. Und so soll sie dann auch ein Institut für Europäische Sozialgeschichte aufbauen. Dabei lernt sie Jekaterina Alexejewna Torgaschowa (Mavie Hörbiger) kennen, eine junge russische Historikerin, die Nachforschungen über die Reparationsleistungen in der russischen Zone anstellt. Doch es sind nicht allein berufliche Gründe, die diese zwei Frauen zusammenbringt. So arbeitete Kramers Vater nach dem Zweiten Weltkrieg im besetzten Nachkriegsösterreich während der sowjetischen Besatzung auf den Ölfeldern in Niederösterreich. Doch dann wurde ihm Sabotage vorgeworfen und er wurde nach Sibirien verschleppt, wo er später auch starb …
Das Graben in der Vergangenheit
Manchmal dauert es ein wenig länger. Das trifft bei Die Professorin – Tatort Ölfeld gleich auf mehrfache Weise zu. Zum einen ist da die erstaunlich späte Veröffentlichung hierzulande. So wurde die österreichische TV-Produktion in der Heimat bereits Ende 2018 ausgestrahlt. In Deutschland musste man anschließend ganze acht Jahre warten, bevor sich 3sat der Geschichte annahm. Aber irgendwie ist das ja ganz passend für einen Film, wo es maßgeblich darum geht, wie eine alte Geschichte noch einmal ausgegraben wird, über die lange niemand gesprochen hat. Wenig subtil wählte man dafür dann auch noch zwei Historikerinnen aus, die gemeinsam im Dreck der Vergangenheit wühlen, auf der Suche nach Antworten – berufliche wie private.
Der Fernsehfilm dürfte dabei bei vielen falsche Erwartungen wecken. Da ist zum einen der Titel. Sowohl die offizielle Variante Die Professorin – Tatort Ölfeld wie auch die Alternativversion Tatort Staatsarchiv sind bewusst an den deutschen Dauerbrenner Tatort angelehnt. Die Geschichte beginnt dann auch mit einem Mord, weshalb es naheliegend wäre, dass im Anschluss eben dieser Mord untersucht wird. Das trifft aber nur teilweise zu. Vielmehr ist das alles nur ein Anlass, um sich mit der Familiengeschichte der beiden Frauen zu befassen. Man hätte diesen Mord sogar auch ganz weglassen können, ohne dass es einen wirklichen Unterschied gemacht hätte. Für die eigentliche Geschichte hätte es diesen überhaupt nicht gebraucht.
Mehr Familiendrama als Krimi
Das hat dann auch Auswirkungen auf das Genre. Denn auch wenn das Szenario und der Titel einen glauben lassen, dass das hier ein Krimi ist, trifft es Familiendrama doch deutlich mehr. Nach und nach erfahren wir mehr über die beiden Frauen und ihre Angehörigen, erfahren von den Verwicklungen und den Vorkommnissen. Teilweise wird das richtig tragisch, wenn die Vergangenheit aufgearbeitet wird – in Worten sowie in mehreren Flashbacks, die uns mitnehmen in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Professorin – Tatort Ölfeld geht dabei auch das Thema Familie allgemein an, wenn die Verhältnisse deutlicher komplizierter sind, als man das zunächst vielleicht geglaubt hätte.
Allerdings schießt der Film dabei auch übers Ziel hinaus. Wenn es auf einmal lauter Querverbindungen gibt und diverse Geheimnisse ausgegraben werden, fühlt man sich hier wie in einer Seifenoper. Das wird dann irgendwann so grotesk, dass man sich wünschen würde, der Film wäre vielleicht doch als Komödie umgesetzt worden. Sicherlich war das mit der historischen Komponente gut gemeint. Das Publikum mit Wendungen und Enthüllungen bei Laune zu halten, ist auch erst einmal per se nicht verkehrt. Nur überzeugt das in der Form dann eben nicht mehr. Das ist schade, weil Die Professorin – Tatort Ölfeld schon ein paar gute Ansätze hat. Witzig ist zudem die Besetzung: Christiane Hörbiger ist im wahren Leben die Tante der Co-Hauptdarstellerin Mavie Hörbiger. Da hat man sich richtig was dabei gedacht. Mehr als Mittelmaß ist diese Mischung aus Drama und Krimi aber nicht.
OT: „Die Professorin – Tatort Ölfeld“
AT: „Tatort Staatsarchiv“
Land: Österreich
Jahr: 2018
Regie: Peter Payer
Drehbuch: Peter Payer, David G. L. Weiss
Kamera: Andreas Berger
Besetzung: Christiane Hörbiger, Mavie Hörbiger, Barbara Petritsch, Cornelius Obonya, Branko Samarovski, Maria Urban, Otto Schenk, Manuel Witting
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