
Dre (Katy O’Brian) ist eine leidenschaftliche DJ und will sich im New Yorker Nachtleben einen Namen machen. In einem Lagerhaus organisiert sie eine große Dragshow, wobei sie sich neben der Musik auch um alles andere kümmern muss. Konflikte zwischen der Dragqueen Ginsey (Nina West) und Nico (Tomás Matos) sowie eine verstopfte Toilette halten sie auf Trab. Zu allem Überfluss sagt mit Yasmine (Dominique Jackson) auch noch der Hauptact des Abends ab.
Als Ersatz kommt Sam (Jaquel Spivey) infrage, der überraschend im Lagerhaus auftaucht. Als Samoncé war er einst ein Star der Show, ließ Dre und das Team jedoch im entscheidenden Moment im Stich. Entsprechend wenig begeistert ist sie von seiner Rückkehr. Während Dres Frau Lizzy (Riki Lindhome) im Krankenhaus ihre Schicht antritt, versucht Dre, die Veranstaltung trotz aller Schwierigkeiten zu retten.
Doch dann greift auf der Tanzfläche eine Dragqueen einen Gast an. Gleichzeitig häufen sich überall in New York Berichte über Verstorbene, die wieder zum Leben erwachen und Jagd auf die Lebenden machen. Die Probleme rund um die Show geraten damit schnell in den Hintergrund. Dre und die anderen müssen ihre Streitigkeiten beiseitelegen, denn nun geht es ums nackte Überleben.
Eine Community, die sich selbst verschlingt
Ähnlich wie die Figur Dre in ihrem ersten Spielfilm ist auch Tina Romero seit vielen Jahren als DJ im New Yorker Nachtleben aktiv. Die Inspiration für Queens of the Dead entstand aus einer erhitzten Diskussion zwischen queeren Veranstaltern, die dazu führte, dass eine der beteiligten Personen offen fragte, wann die queere Community endlich damit aufhören könne, sich selbst zu zerfleischen. Romero fand, diese Frage wäre ein interessanter Ausgangspunkt für einen Zombiefilm, in dessen Kern sich ein sozialkritischer und politischer Gedanke befindet – ähnlich wie bei den Filmen ihres Vaters George A. Romero (Die Nacht der lebenden Toten, Dawn of the Dead). Queens of the Dead ist dabei nicht als weiterer Teil der Dead-Reihe ihres Vaters zu verstehen, denn Tina Romero geht ihren eigenen Weg mit einer Melange aus Horrorfilm und Komödie sowie einigen satirischen Untertönen und Seitenhieben auf die US-amerikanische Gesellschaft und die LGBTQ+-Community.
Die Figuren in Queens of the Dead bilden ein Panorama der Drag-Community, sind aber zugleich ein Spiegelbild der US-amerikanischen Gesellschaft. Während Dres Schwager noch wie ein kleines Kind auf seiner Unterscheidung zwischen „nur zwei Geschlechtern“ beharrt, müssen sowohl er als auch die Zuschauer feststellen, dass eine solche Kategorisierung schlichtweg absurd erscheint, wenn man auf die übrigen Figuren blickt. Über solche Statements sind Dre und ihre Mitstreiter längst erhaben und kontern diese locker mit einem „Du bist abgehängt, Schätzchen. Sieh doch zu, dass du wieder aufholst.“ Anstatt sich mit dem reaktionären Ballast der politischen Rechten auseinanderzusetzen, setzt man auf das Kunterbunte und Schrille der Drag-Szene, ohne jedoch deren Konflikte zu verschweigen. Der Glamour einer Performance wird jäh von internen Streitigkeiten über Klassenunterschiede, unterschiedliche Hintergründe und Generationenkonflikte unterbrochen. Wie bei den Hauptfiguren der Filme ihres Vaters scheitert auch hier die Einigkeit, die das Überleben in einer Apokalypse sichern könnte, an internen Konflikten. Das Gegenteil wird jedoch kurioserweise innerhalb der bereits angesprochenen Performance vorgelebt. Romero gelingt mit Queens of the Dead ein sehr eigenwilliger Mix, der das Konzept der Zombiefilme ihres Vaters zwar aufgreift, aber eine eigene, moderne Herangehensweise wählt, die Horror und Satire miteinander verbindet.
Drag und Kommerz
Obwohl die Zombies in Queens of the Dead fast schon etwas zu kurz kommen, sind auch sie ein Spiegelbild unserer Gesellschaft. Die Tatsache, dass eine Gruppe von Untoten in Dawn of the Dead das Einkaufszentrum aufsucht, wird von einer der Figuren zynisch mit den Worten kommentiert: „Dieser Ort war sehr wichtig für sie in ihrem früheren Leben.“ In Queens of the Dead sind die Untoten genusssüchtige Partygänger, deren Gefährlichkeit zunächst kurioserweise nicht bemerkt wird, weil sie inmitten der „lebenden“ Feiernden schlichtweg unerkannt bleiben. Wie in Edgar Wrights Shaun of the Dead ist ihr Verhalten von menschlichen Automatismen beherrscht, beispielsweise dem fast zwanghaften Blick auf den Bildschirm des eigenen Smartphones. Hinzu kommt ihr nach wie vor unermüdliches Konsumverhalten, weshalb jene Orte besonders anziehend sind, die das größte Vergnügen versprechen – und an denen sich vermutlich auch ihre nächsten Opfer finden lassen, mit denen sie ihren unstillbaren Appetit zumindest vorübergehend befriedigen können.
Auch die Drag-Szene, wie Romero sie zeigt, ist nicht frei von diesem Kommerzdenken. Anstatt den bereits erwähnten Zusammenhalt zu stärken, droht Dres Projekt an einer lukrativeren Alternative zu zerbrechen, die weniger die Einigkeit und Vielfalt einer Community feiert, sondern vielmehr auf den schnellen Konsum ausgerichtet ist. Die Figuren sind hin- und hergerissen zwischen diesen beiden Polen: ihrer Community, die ihnen Kraft gibt, und dem Versprechen finanzieller Sicherheit und der damit möglicherweise verbundenen Unabhängigkeit. Jaquel Spiveys Charakter hat für sich den Rückzug als Ausweg gewählt, während Tomás Matos’ Nico vom großen Durchbruch und einer Verschmelzung seiner queeren Identität mit seinen lateinamerikanischen Wurzeln träumt. Manchmal zerfasern sich all diese Ideen in Queens of the Dead, und die Bezüge zur Gen Z wirken eher wie ein Durcheinander verschiedener Stereotypen. Doch trotz dieses Makels ist Tina Romero eine unterhaltsame, blutige und bisweilen tiefsinnige Zombie-Horrorkomödie gelungen.
OT: Queens of the Dead
Land: USA
Jahr: 2025
Regie: Tina Romero
Drehbuch: Tina Romero, Erin Judge
Kamera: Shannon Madden
Schnitt: Aden Hakimi
Musik: Blitz/Berlin
Besetzung: Katy O’Brian, Jaquel Spivey, Nina West, Margaret Cho, Jack Haven, Cheyenne Jackson, Dominique Jackson, Riki Lindhome, Tomás Matos, Quincy Dunn-Baker
Tribeca 2025
Fantasia Film Festival 2025
SLASH 2025
Sitges 2025
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