Night of the Living Dead Die Nacht der lebenden Toten
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Die Nacht der lebenden Toten

Night of the Living Dead Die Nacht der lebenden Toten
„Die Nacht der lebenden Toten“ // Deutschland-Start: 18. März 1971 (Kino) // 24. November 2022 (DVD/Blu-ray)

Inhalt / Kritik

Um das Grab ihres Vaters zu besuchen, sind die Geschwister Barbra (Judith O’Dea) und Johnny (Russell Streiner) einen weiten Weg gefahren, der vor allem für die junge Frau wegen der ständigen Nörgeleien ihres Bruders eine wahre Tortur war. Auf dem Friedhof angekommen, macht Johnny munter weiter und beginnt seine Schwester mit deren Ängsten aufzuziehen, bis die beiden auf einmal von einem Mann angegriffen werden. Während Barbra schließlich die Flucht ergreifen kann, wird Johnny überwältigt und niedergeschlagen. Verzweifelt und atemlos rennt Barbra weg von ihrem Verfolger, der ihr unentwegt hinterher schlurft, bis hin zu einem scheinbar verlassenen Farmhaus. Dort ist das Grauen aber noch lange nicht zu Ende, denn die Besitzer des Hauses liegen grausam zugerichtet auf der ersten Etage und es dauert nicht lange, bis sich neben ihrem Verfolger noch andere Kreaturen im Garten des Hauses versammelt haben. In letzter Sekunde erscheint Ben (Duane Jones), der sich mittels eines Wagenhebers der Kreaturen erwehren konnte und nun der völlig verängstigten Barbra hilft.

Gemeinsam wollen sie das Farmhaus verbarrikadieren und abwarten, bis sie gerettet werden. Hierbei stellt Ben fest, dass sie keineswegs alleine sind, denn im Keller haben sich bereits Harry Cooper (Karl Hardman), seine Frau Helen (Marilyn Eastman), ihre Tochter sowie das Paar Tom und Judy (Keith Wayne und Judith Riley) verschanzt. Es kommt zu einem offenen Machtkampf zwischen Ben und Harry, die jeweils andere Pläne haben, wie man verfahren muss, während Fernsehen und Radio sich Berichte überschlagen mit ähnlichen Phänomenen im ganzen Land, bei denen die Toten wieder zum Leben erwachen und Jagd auf die Lebenden machen. Während jedoch Harry darauf besteht, im Keller seien alle sicher, will Ben lieber alle Möglichkeiten nutzen, um Hilfe zu suchen oder woanders hin zu fliehen.

Mitternachtsfilme und Gegenkultur

Auch wenn Die Nacht der lebenden Toten als sein erster Film als Regisseur zählt, hatte George A. Romero vor dem Film, der ihn berühmt machen sollte, schon eine ganze Reihe von Projekten inszeniert, wobei es sich vielmehr um Werbe- und Lehrfilme handelte. Aus jener Zeit nahm er jedoch nicht nur das nötige Geld für seinen ersten richtigen Spielfilm mit, sondern eben auch die Erfahrung, wie man schnell und mit wenigen Mitteln ein solches Projekt inszenieren konnte, was ihm im Laufe seiner langen Karriere immer wieder helfen sollte. Entstanden ist ein Horrorfilm, der nicht nur für seine Zeit wegweisend und brisant war, sondern auch heute nichts von seiner Schlafkraft eingebüßt hat, gerade weil er so roh, direkt und zynisch ist.

Waren Zombies vor Romeros Film noch Gestalten, die in dunklen, meist viktorianischen Gemäuern lauerten oder in Südseeinseln wie in Jacques Tourneurs Ich folgte einem Zombie, sind die Untoten in Die Nacht der lebenden Toten von einem ganz anderen Schlag. Durch ihre Kleidung eindeutig in der Gegenwart verankert, wirken sie nicht nur authentisch, sondern noch viel erschreckender, besonders wenn man sieht, wie sie über eines ihrer Opfer herfallen und die Kamera keinesfalls wegschneidet. Der Einsatz von körnigem Schwarz-Weiß-Film betont den dokumentarischen Ansatz, den Romero erzielen wollte, und lässt einige Teile wie Beiträge einer Nachrichtenshow wirken, die das Grauen nach Hause holen und das Publikum direkt mit diesem konfrontieren. Zusätzlich ist Die Nacht der lebenden Toten ein effektiv fotografierter Film, der auf eine clevere Spannungsdramaturgie setzt, die mit der Gefahr außerhalb und innerhalb des Farmhauses spielt und die vermeintliche Zuflucht in vielen Momenten eher wie ein Gefängnis wirken lässt.

Ihr seid da unten und wir sind da oben.

In diesem Zusammenhang zeigt sich in den Figuren eine bittere, oft sehr zynische Sichtweise auf menschliche Verhaltensweisen in Krisenzeiten. Der Kampf der beiden Männer um die Vorherrschaft im Haus und die Frauen, die zum Schweigen oder Nichtstun verdammt hinnehmen müssen, wie andere über ihr Schicksal entscheiden, sind dabei nur zwei von vielen Momenten, welche Romero in seinen Film bringt und die Vermutung zulassen, dass der eigentliche Feind weniger die menschenfressenden Kreaturen vor der Tür sind, sondern vielmehr die Menschen im Haus. Insbesondere Duane Jones überzeugt in seiner Rolle als Ben, als kalter Pragmatiker und Mann der Tat, der diese Rolle mit einer gewissen Würde spielt sowie einem Selbstbewusstsein, was man nicht oft in afroamerikanischen Rollen in Filmen Hollywoods vorfindet.

Jedoch geht es Romero nicht einfach nur um Grabenkriege oder Anfeindungen, sondern um das große Ganze. Die Nacht der lebenden Toten muss als eine zeitlose Allegorie begriffen werden, auf menschliche Selbstsucht, Überschätzung und eben auch Dummheit, denn bei all der Grausamkeit, die von den Zombies ausgeht, sind die Intrigen der Menschen im Haus bisweilen noch sehr viel brutaler und blutiger, was sich auch anhand des konsequenten, pessimistischen Endes zeigen lässt.

Credits

OT: Night of the Living Dead“
Land: USA
Jahr: 1968
Regie: George A. Romero
Drehbuch: George A. Romero, John A. Russo
Musik: William Loose
Kamera: George A. Romero
Besetzung: Duane Jones, Judith O’Dea, Karl Hardman, Marilyn Eastman, Keith Wayne, Judith Riley, Kyra Schon, Russell Streiner

Bilder

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Die Nacht der lebenden Toten
fazit
„Die Nacht der lebenden Toten ist bis heute ein zeitloses Meisterwerk des Horrorgenres. George A. Romero inszeniert eine effektive und nach wie vor aktuelle Allegorie darauf, wie schnell zivilisatorische Werte über Bord geworfen werden und man nur noch an sich selbst denkt. Teils als Quasi-Dokumentation gefilmt entwickelt der Film eine bedrückende, klaustrophobische Stimmung und liefert dabei Bilder, die sich tief in das Gedächtnis des Zuschauers einprägen werden.
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