
So richtig aufregend ist das Leben des Mittvierzigers Alex Floutard (Laurent Lafitte) zwar nicht, das er mit seiner Ehefrau Nathalie (Blanche Gardin) führt. Aber es reichte ihm bislang. Das ändert sich, als sein neuer Nachbar Axel Chambon (ebenfalls Laurent Lafitte) gegenüber einzieht. Denn der sieht irgendwie aus wie Alex, nur besser, mit seinem vollen Haar. Auch sonst scheint Axel Alex in allen Belangen überlegen zu sein: Er ist charmant, witzig, gebildet, künstlerisch begabt, hat den erleseneren Weikeller – und ist zu allem Überfluss mit der heißen Tatiana (Olga Kurylenko) verheiratet. Für Alex ist das alles unerträglich. Als der Neuankömmling ihm auch noch bei der Arbeit den Rang abläuft, steigt die Eifersucht ins Unermessliche und es ist klar: Da muss dringend etwas passieren! Nur was?
Die surreale Komik des Neids
Wer mit Filmschaffenden spricht, bekommt immer wieder zu hören, dass gute Komödien einen wahren Kern haben müssen, damit sie funktionieren können. Darüber kann man sich sicher streiten. Ein aktuelles Beispiel, dass an dieser Theorie etwas dran sein könnte, ist The Better Me. Denn hier wird tatsächlich ein Thema genommen, mit dem sich ganz viele werden identifizieren können – nicht erst durch die sozialen Medien werden wir geradezu dazu genötigt, uns ständig mit anderen zu vergleichen –, und auf sehr humorvolle Weise dargestellt. Wer hat nicht schon einmal neidisch zu anderen geblickt, die besser aussehen, mehr Erfolg haben, irgendwelche tollen Talente haben oder denen im Leben alles zufliegt, während man sich selbst bei kleinsten Aufgaben abmüht?
Das Regie- und Drehbuchduo Nicolas Charlet und Bruno Lavaine, alternativ als Nicolas & Bruno (Auf der Suche nach dem Ultra-Sex) bekannt, fand dabei einen witzigen Kniff, wie sich eine solche Situation erzählen lässt. Er nimmt einfach denselben Schauspieler, sowohl für die schlechtere wie die bessere Variante. Die Wahl fiel dabei auf Laurent Lafitte, der immer wieder in Komödien zu sehen ist, dieses Jahr unter anderem in Die reichste Frau der Welt und Klassentreffen – Alles beim Alten. In The Better Me brilliert er in einer Doppelrolle, wenn die beiden Protagonisten sich teilweise ähnlich sind und doch unterschiedlicher kaum sein könnten. Er demonstriert dabei nicht nur Mut zur Hässlichkeit, wenn Alex mit einer wenig attraktiven Glatze herumläuft, sondern auch seine Vielseitigkeit.
Zwischen Überraschung und Klamauk
Natürlich ist diese Doppelbesetzung ein reines Gimmick. Und auch wenn der Film eine gewisse Surrealität gewinnt durch den zweifachen Lafitte, auf Dauer wäre das wohl nicht genug Stoff gewesen, um damit die komplette Laufzeit zu füllen. Und tatsächlich beginnt die Geschichte im Mittelteil auch ein wenig zu stagnieren. Glücklicherweise ruhen sich Charlet und Lavaine aber gar nicht auf dieser Besonderheit aus, sondern haben noch andere Ideen. So eskaliert The Better Me mit der Zeit immer mehr, wenn der Vergleichskampf mit harten Bandagen ausgetragen wird. Vor allem nimmt die zunächst geradlinige Geschichte dann noch ein paar Kurven. Angedeutet wird das zum Teil schon, man ahnt, dass da irgendwas im Busch ist. Wenn es aber so weit ist, dürften die meisten im Publikum überrascht sein.
Dass die französische Komödie teilweise nicht viel Sinn ergibt und zum Ende eine vorherige Idee leider wegwirft für einen klamaukigeren Abschnitt, ist etwas schade. Der Film ist dann doch alberner, als er es unbedingt hätte sein müssen. Dafür entschädigt er mit einem schön gemeinen Ende, das noch einmal alles auf den Kopf stellt. Wer nach vielen durchschnittlichen Komödien der Grande Nation mal wieder ein gelungenes Beispiel sehen möchte, findet hier eine gute Anlaufstelle. Zuweilen erinnert The Better Me ein wenig an die Filme von Quentin Dupieux, ist aber insgesamt noch etwas geerdeter. Anstatt komplett abgefahren zu sein, sind die Figuren hier trotz der Überzeichnung zumindest nachvollziehbar – was auch dem gut aufgelegten Ensemble zu verdanken ist.
OT: „Alter Ego“
Land: Frankreich
Jahr: 2026
Regie: Nicolas Charlet, Bruno Lavaine
Drehbuch: Nicolas Charlet, Bruno Lavaine
Musik: Nicolas Errèra
Kamera: David Chizallet
Besetzung: Laurent Lafitte, Blanche Gardin, Olga Kurylenko, Marc Fraize, Zabou Breitman
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