I Was a Stranger Das Los der Fremden
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Das Los des Fremden

I Was a Stranger Das Los der Fremden
„Das Los des Fremden“ // Deutschland-Start: 18. Juni 2026 (Kino)

Inhalt / Kritik

Dr. Amira Homsi (Yasmine Al Massri) arbeitet als Kinderärztin im syrischen Aleppo und versucht, trotz des Bürgerkriegs ihren Alltag aufrechtzuerhalten. Als bei einer Familienfeier eine Bombe ihr Elternhaus zerstört und nahezu ihre gesamte Familie tötet, bleibt ihr nur die Flucht gemeinsam mit ihrer Tochter Rasha (Massa Daoud). Von diesem Ereignis ausgehend entfaltet Regisseur Brandt Andersen seine Geschichte in fünf Kapiteln, die jeweils einer anderen Figur folgen: dem syrischen Soldaten Mustafa (Yahya Mahayni), der zwischen Gehorsam und Gewissen steht; dem Schleuser Marwan (Omar Sy), der seine illegalen Geschäfte mit der Sorge um seinen kranken Sohn rechtfertigt; dem Dichter Fathi (Ziad Bakri), der mit seiner Familie nach einem neuen Zuhause sucht; sowie dem griechischen Küstenwächter Stavros (Constantine Markoulakis), der täglich mit den Folgen der Flüchtlingsbewegungen konfrontiert wird.

Geradlinig trotz Episodenstruktur

Die einzelnen Episoden überschneiden sich immer wieder. Figuren, die zunächst nur am Rand einer Handlung auftauchen, werden später selbst zu deren Mittelpunkt. Dabei springt der Film mehrfach in der Zeit zurück und zeigt bestimmte Ereignisse aus neuen Blickwinkeln. Trotz dieser mosaikartigen Struktur bleibt Das Los des Fremden insgesamt erstaunlich geradlinig erzählt. Alle Handlungsstränge bewegen sich auf dieselbe dramatische Nacht im Mittelmeer zu, in der die Schicksale der Figuren schließlich zusammenlaufen.

Mit Das Los des Fremden legt Brandt Andersen sein Langfilmdebüt als Regisseur vor, das auf seinem Kurzfilm Refugee basiert, der es 2020 bis auf die Short List der Oscar-Verleihung geschafft hatte. Der Film bewegt sich dabei auf einem schmalen Grat zwischen humanitärem Flüchtlingsdrama und spannend inszeniertem Thriller. Andersen verfolgt unverkennbar das Ziel, die abstrakte Debatte um Flucht und Migration auf individuelle Schicksale herunterzubrechen. Dabei gelingt es ihm durchaus, Empathie für sehr unterschiedliche Figuren zu erzeugen. Besonders die Entscheidung, nicht nur Geflüchteten, sondern auch einem Soldaten, einem Schleuser und einem griechischem Kapitän der Küstenwache eigene Kapitel zu widmen, verleiht dem Film eine angenehm vielschichtige Perspektive.

Dabei hilft die Episodenstruktur des Films. Die wiederkehrenden Begegnungen und Überschneidungen erzeugen eine Dynamik, die an Ensemblefilme wie Babel oder Traffic erinnert. Zwar wirken manche Verknüpfungen etwas konstruiert, insgesamt gelingt es Andersen jedoch, die verschiedenen Erzählstränge schlüssig zusammenzuführen. Gerade die Perspektivwechsel sorgen dafür, dass bekannte Situationen immer wieder neue Bedeutung erhalten.

Erfahrener Bildgestalter

Einen wesentlichen Anteil an der Wirkung des Films hat Kameramann Jonathan Sela. Der Israeli gehört zu den renommiertesten Bildgestaltern Hollywoods und war unter anderem für die visuelle Gestaltung von John Wick, Deadpool 2 und Bullet Train verantwortlich. Seine Erfahrung im Actionkino ist auch hier deutlich spürbar. Die Szenen in Aleppo besitzen eine unmittelbare Wucht, während die nächtlichen Sequenzen auf dem Mittelmeer mit beeindruckender Spannung inszeniert sind. Sela findet dabei eine überzeugende Balance zwischen realistischer Anmutung und hochprofessioneller Genrestilisierung. Gerade die Bilder des überfüllten Bootes und der dunklen See gehören zu den stärksten Szenen des Films.

Auch das Ensemble trägt erheblich zum Gelingen bei. Yasmine Al Massri verleiht Amira eine glaubwürdige Mischung aus Stärke und Verletzlichkeit und bildet das emotionale Zentrum der Geschichte. Omar Sy nutzt seine natürliche Leinwandpräsenz geschickt, um den moralisch ambivalenten Marwan interessant zu halten. Yahya Mahayni überzeugt als innerlich zerrissener Soldat, während Constantine Markoulakis dem Küstenwächter Stavros eine stille Tragik verleiht.

Botschaften mit dem Holzhammer

Ganz frei von Schwächen ist Das Los des Fremden allerdings nicht. Andersen neigt stellenweise dazu, seine Botschaften sehr deutlich auszusprechen. Manche Figuren geraten dadurch stärker zu Stellvertretern bestimmter Positionen als zu vollständig ausgearbeiteten Charakteren. Auch die dramaturgischen Zuspitzungen wirken gelegentlich etwas kalkuliert. Wo andere Flüchtlingsdramen stärker auf Beobachtung und Ambivalenz setzen, vertraut Andersen häufig auf emotionale Überwältigung. Das funktioniert meist wirkungsvoll, wirkt mitunter aber auch etwas aufdringlich.

Dennoch überwiegen die Stärken deutlich. Das Los des Fremden ist ein engagierter, handwerklich beeindruckender Film, der sein Publikum emotional erreichen will und dieses Ziel meist auch erreicht. Besonders die multiperspektivische Erzählweise, die starke Besetzung und die eindrucksvolle Kameraarbeit von Jonathan Sela sorgen dafür, dass der Film weit über ein bloßes Betroffenheitsdrama hinausgeht. Auch wenn nicht jede erzählerische Entscheidung zündet, zeigt Andersen in seinem Debüt, wie sich politisches Kino und spannungsorientiertes Erzählen miteinander verbinden lassen.

Credits

OT: „I Was a Stranger“
Land: Jordanien, Palästina, USA
Jahr: 2024
Regie: Brandt Andersen
Buch: Brandt Andersen
Musik: Nick Chuba
Kamera: Jonathan Sela
Besetzung: Yasmine Al Massri, Yahya Mahayni, Omar Sy, Ziad Bakri, Constantine Markoulakis, Masa Daoud, Carlos Chahine, Ayman Samman, Thanos Tokakis, Fares Helou, Jay Abdo, Mahmoud Bakri, Ward Helou, Saleh Bakri, Sara El Debuch, Angeliki Papoulia, Mayar Sawwan, Jason Beghe

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Das Los des Fremden
fazit
„Das Los des Fremden“ verbindet Flüchtlingsdrama und Thriller zu einem emotionalen Ensemblefilm, der durch seine fünf miteinander verwobenen Kapitel und die starke Bildsprache von Jonathan Sela überzeugt. Trotz gelegentlich etwas aufdringlicher Dramatisierung gelingt Brandt Andersen ein bewegendes und vielschichtiges Langfilmdebüt.
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