Titanic Ocean
© Paradise City Sales

„Titanic Ocean“ // Deutschland-Start: nicht angekündigt

Inhalt / Kritik

Akame (Arisa Sasaki) will eine Meerjungfrau werden. Das bedeutet viel Arbeit für sie und die anderen Schülerinnen, die auf ein spezielles Internat in Japan gehen, wo sie auf diese Rolle vorbereitet werden. Nicht nur, dass dies eine große körperliche Herausforderung darstellt, wenn die Jugendlichen lernen müssen, sich graziös unter Wasser zu bewegen und minutenlang die Luft anzuhalten, damit die Illusion geweckt wird, dass sie tatsächlich ein Fabelwesen sind. Auch mental sind die jungen Menschen gefordert. Der ist Konkurrenzkampf mörderisch, sie alle wollen eine Anstellung in den großen Aquarien dieser Welt. Hinzu kommt, dass sie alle ihren Namen ablegen müssen und einen neuen erhalten, sie auch in der Hinsicht jemand Neues werden …

Ein Mythos als Coming-of-Age-Drama

Der Mythos der Meerjungfrau ist einer, der sich in vielen Kulturen findet. Und auch wenn heute wohl nur wenige an die Existenz dieser Fabelwesen glauben dürften, ist es doch bemerkenswert, wie populär diese Figuren noch immer sind. Das zeigt sich gerade im Filmbereich, wo diese Wesen immer mal wieder auftauchen. Ob nun buntes Familienabenteuer (Arielle, die Meerjungfrau), düsteres Horrordrama (Blue My Mind) oder Liebeskomödie (The Mermaid), da ist alles drin. Aber auch im wahren Leben ist das Thema präsent, wenn Menschen als Meerjungfrau auftreten. Sirens Call ging diesem Phänomen semi-dokumentarisch nach. Mit Titanic Ocean gibt es eine Art Spielfilmpendant dazu.

So tauchen wir in beiden Filmen in die Mermaid-Communities ein. Während es beim obigen Beispiel um Menschen in den USA ging, spielt der Film hier in Japan und befasst sich mit dortigen Jugendlichen. Damit geht das inhaltlich zwangsläufig in eine etwas andere Richtung. Wie zu erwarten ist Titanic Ocean ein Coming-of-Age-Film, der sich mit den üblichen Themen während des Erwachsenwerdens befasst. Das Thema Identität steht weit oben, wenn sich Akame und die anderen fragen müssen, wer sie eigentlich sind und sie ihre eigene Stimme suchen müssen. Dann sind sie in einem Alter, der mit großen körperlichen Veränderungen einhergeht. Die Verwandlung in eine Meerjungfrau wird zum Symbol für die Transformation, die man in diesem Alter durchmacht. Das ist natürlich kein sehr origineller Einfall, den hatten viele andere auch. Aber er funktioniert.

Sehenswert, aber zu lang

Regisseurin und Drehbuchautorin Konstantina Kotzamani, die nach einigen Kurzfilmen hiermit ihr Langfilmdebüt abgibt, demonstriert dafür ein Talent für das Visuelle. So ist das Drama, welches 2026 in der Sektion Un Certain Regard in Cannes Weltpremiere hatte, immer wieder ein Fest fürs Auge. Gerade auch zusammen mit den sphärischen Klängen hat Titanic Ocean hypnotische Qualitäten. Obwohl der Film in der Realität spielt, also auf die eindeutigen Fantasyelemente anderer Meerjungfilme verzichtet, wirkt er doch oft nicht ganz von dieser Welt. Wie bei der mythischen Vorlage kann man sich hiervon verzaubern lassen. Es gibt auch bedrohliche Momente, wenn der Versuch, möglichst lange unter Wasser zu bleiben, zu einer Gratwanderung zwischen Leben und Tod wird.

Während der Film phasenweise also durchaus gefällt, ist er doch nicht der erhoffte Geheimtipp. Ein großes Problem ist die Laufzeit, wenn Titanic Ocean irgendwie kein Ende nehmen will. Mehr als zwei Stunden dauert es, bis mal der Abspann über die Leinwand läuft. Und das ist schon sehr viel für einen Film, der zwar einiges zu zeigen, aber nicht so wahnsinnig viel zu erzählen hat – und manches von dem Verbalen ein wenig plump ist. Da kommt es immer wieder zu Wiederholungen, man hat hier nicht so wirklich das Gefühl, dass sich die Geschichte oder die Figuren nennenswert weiterentwickeln würden. Das ist schade, weil hier weniger eindeutig mehr gewesen wäre. Aber auch so ist das ein sehenswertes Debüt von Kotzamani, welches neugierig darauf macht, wie es mit der Filmemacherin weitergehen wird.

Credits

OT: „Titanic Ocean“
Land: Griechenland, Deutschland, Rumänien, Frankreich, Spanien, Japan
Jahr: 2026
Regie: Konstantina Kotzamani
Drehbuch: Konstantina Kotzamani
Musik: Patricia Ferragud
Kamera: Raphaël Vandenbussche
Besetzung: Arisa Sasaki, Melina Mardini, Haruna Matsui, Kotone Hanase, Hanna Muro, Riku Nakamura, Aki Kigoshi, Masahiro Higashide, Sei Matobu

Trailer

Filmfeste

Cannes 2026

Kaufen / Streamen

Bei diesen Links handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf über diesen Link erhalten wir eine Provision, ohne dass für euch Mehrkosten entstehen. Auf diese Weise könnt ihr unsere Seite unterstützen.




(Anzeige)

Titanic Ocean
fazit
„Titanic Ocean“ erzählt von einem speziellen Internat in Japan, wo Jugendliche dafür trainieren, als Meerjungfrau aufzutreten. Das Drama kombiniert übliche Coming-of-Age-Themen mit einem ungewöhnlichen Setting. Das ist durchaus sehenswert, hat aber mehr zu zeigen als zu erzählen. Die Laufzeit ist hier doch ein ganzes Stück zu lang geworden.
Leserwertung0 Bewertungen
0
6
von 10